Bezirk beschildert Löcher

Anzeige
„Der Bezirk macht es sich mit den Schildern viel zu einfach“, sagt Hermine Hecker Foto: mdt

Statt zu sanieren wird in Wandsbek vor Gefahrenstellen nur gewarnt

Von Marco Dittmer
Bramfeld
Der Bezirk Wandsbek geht gegen marode Fußwege und Stolperfallen auf Gehwegen vor. Doch wer nun denkt, dass in Wandsbek ein großes Investitionsprogramm anläuft, ist schon auf dem Holzweg. Denn statt zu sanieren und Löcher zu stopfen, werden überall im Bezirk Schilder aufgestellt, die vor der Stolpergefahr warnen. Bis Mitte April waren es allein in diesem Jahr 53 Hinweisschilder, im Jahr 2015 wurden insgesamt 51 Hinweisschilder installiert, 2014 waren es zehn.

Allein in Eilbek an der Straße Eilbektal sind es laut Senat auf 450 Meter ganze 20 Warnschilder. Im Januar wurden an der Haldesdorferstraße zwei weitere Schilder aufgestellt. An der Pillauer Straße stehen auf einem Kilometer zwischen Lesserstraße und Bullenkoppel noch 16 Stolper-Schilder. Hermine Hecker wohnt an der Pillauer Straße. Die 80-jährige Landesvorsitzende der Seniorenunion muss wie viele Rentner aus der Nachbarschaft über die Buckelpiste zur Bushaltestelle oder zum Supermarkt. „Der Zustand der Wege ist absolut inakzeptabel“, sagt sie. „Manche Senioren sind auf Gehhilfen angewiesen. Für sie ist es hier richtig gefährlich“, so Hecker weiter. An der Ecke Voßkulen, eine angrenzende Straße, wird es besonders heikel. An einer Stelle stehen die Gehwegplatten mehrere Zentimeter heraus. Wer die Stelle umfahren will, muss über hochwachsendes Wurzelwerk. Eine Nachbarin mit Rollator weiß: „Hier sind schon einige gestürzt.“ Doch an der Straße Voßkulen gibt es kein Warnschild. Der Bezirk sagt dazu: „Die Straße Voßkulen ist eine reine Anwohnerstraße und damit der Pillauer Straße untergeordnet. Auch weist die Pillauer Straße deutlich mehr und gravierende Schäden auf als die Straße Voßkulen“, sagt eine Sprecherin des
Bezirkes.

Für Hermine Hecker sind die Antworten nur Ausreden. Sie will auch keine neuen Schilder. „Der Bezirk muss die Gehwege endlich sanieren,“ fordert die Rentnerin. Das könnte aber noch etwas dauern. Denn überall dort, wo seit 2011 in Wandsbek Stolper-Schilder aufgebaut worden sind, wurde nicht ein Gehweg saniert. Der Vorteil der Schilder liegt auf der Hand. Stürzt beispielsweise ein Passant an der Pillauer Straße, ist die Stadt nicht haftbar. Da die sogenannte Verkehrssicherungspflicht durch die Warnung erfüllt ist und beim Fußgänger liegt.
Seit 2011 summieren sich die Schadenersatzansprüche von 223 angezeigten Unfällen in ganz Hamburg bis heute auf mehr als 118.000 Euro. Davon hat die Stadt bereits 72.724,57 an Stolper-Opfer gezahlt. Wie viel Geld in die Sanierung von Fußwegen fließt, wird nicht erhoben.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige