Bezirk prüft soziale Bau-Verordnung für Eilbek

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Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff in seinem Arbeitszimmer im Wandsbeker RathausFoto: Sobersko

„Damit könnten wir Luxussanierungen steuern“ erklärt Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff im WochenBlatt-Interview

Wandsbek. In Eilbek steigen die Mieten, die soziale Struktur steht vor Veränderungen. In Jenfeld setzt der Bezirk mit den Neubaugebiet Jenfelder Au Impulse und braucht Programme, um den Stadtteil lebenswert zu erhalten. Über diese und weitere Themen sprach Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff mit WochenBlatt-Redakteurin Alice Friedrich.

WB: Es wird viel gebaut im Bezirk Wandsbek. 1597 Wohnungen wurden in diesem Jahr im Bezirk genehmigt. Wie viele wurden davon aber tatsächlich gebaut?
Ritzenhoff: Wandsbek liegt nach dem Bezirk Nord an zweiter Stelle bei der Genehmigung von Wohnungen. Die Struktur in unserem Bezirk ist schwieriger, weil sie stärker von Einzelhausbebauung geprägt ist. Große Projekte, wie an der Tonndorfer Hauptstraße, wo die Wohnungsbaugenossenschaft Hamburg-Wandsbek 190 Wohnungen baut, sind eher selten. Anfang Februar werden alle Bezirksämter Zahlen vorlegen. Dann steht konkret fest, wie viele Vorhaben zwischen 2011 bis 2013 genehmigt wurden, wie viele davon sich im Bau befinden und wie viele fertiggestellt sind.

WB: Das alte C&A-Gebäude an der Ecke Wandsbeker Marktstraße/Brauhausstraße ist noch nicht abgerissen, der Grundstein für das neue Aushängeschild, das Fachmarktzentrum „W1“ noch nicht gelegt. Warum tut sich entgegen den Ankündigungen nichts?
Ritzenhoff: Wir haben getan, was wir tun konnten. Wir haben den Wunsch der Einzelhändler erfüllt, nicht allzu lange eine Ruine dort stehen zu lassen und im Zusammenspiel mit der Verkehrsbehörde eine für alle Seiten gute Lösung gefunden. Die Baugenehmigung ist erteilt. Jetzt ist es an dem Investor zu handeln. Es ist richtig, dass an dieser für den Einkaufsstandort Wandsbek so wichtigen Stelle ein Magnet fehlt. Wir haben allerdings keine Handhabe. Nach dem Gesetz kann der Eigentümer einer Fläche damit machen, was er möchte.

WB: Sie haben Eilbek einmal den „Szenestadtteil der Zukunft“ genannt. Der Stadtteil habe alle Voraussetzungen, sich positiv
weiterzuentwickeln. Ist er auf einem guten Weg?
Ritzenhoff: Ich stehe zu meiner Aussage. Eilbek könnte das Szeneviertel der Zukunft werden. Wegen der innenstadtnahen Lage und der guten Verkehrsanbindung wird der Stadtteil für viele Menschen immer attraktiver. Das drückt sich baulich nicht in dem Maße aus wie beispielsweise in Barmbek, aber wir merken es an den Mietsteigerungen. Bei Neuvermietungen liegen die Mieten in Eilbek derzeit bei bis zu 9,66 Euro pro Quadratmeter. Tendenz steigend. Um zu verhindern, dass damit eine Veränderung der Sozialstruktur einhergeht, prüfen wir zur Zeit die Möglichkeit einer Sozialen Erhaltungsverordnung für Eilbek. Mit diesem Instrument des Baugesetzbuches könnten wir zum Beispiel Luxussanierungen steuern.

WB: Das Bezirksamt hat vor kurzem die Sozialraumbeschreibung Jenfeld vorgelegt. Danach leben knapp drei Viertel der 25.000 Jenfelder in einem Wohnumfeld mit niedrigem oder sehr niedrigem Sozialindex. Es gibt besonders viele Arbeitslose, Hartz IV-Empfänger, Alleinerziehende und Menschen mit Migrationshintergrund. Wie muss man sich Jenfeld im Jahr 2030 vorstellen?
Ritzenhoff: Jenfeld ist viel größer als man gefühlt denkt. Hinter der Bundeswehruniversität stehen Villen, die August-Woelken-Siedlung hat mehrfach Preise eingeheimst im Bundeswettbewerb um Deutschlands schönste Siedlung, im Osten setzen wir mit dem Wohnungsbaugebiet Jenfelder Au Impulse, im Westen planen wir im Elfsaal neue Wohnungen. Jenfeld ist für uns ein Ortsteil mit viel Engagement. Ich erinnere nur an die Jenfelder Geschichten. Es nützt nicht, das Schicksal der Menschen zu beklagen, wir müssen vor Ort vernünftig handeln mit den Mitteln, die wir haben, wie den Mitteln für die offene Kinder- und Jugendarbeit, aus den Quartierfonds und den sozialräumlichen Angeboten wie RISE, dem Rahmenprogramm Integrierte Stadtentwicklung. Wir prüfen, ob Teile von Jenfeld für das Programm vorgeschlagen werden können.

WB: Das soziale Dienstleistungszentrum im Kundenzentrum Herthastraße wird geschlossen und ins Bezirksamt Wandsbek umziehen. Der Allgemeine Soziale Dienst verlässt die Berner Chaussee und zieht in die Herthastraße. Ist Verwaltung noch bürgernah?
Ritzenhoff: Selbstverständlich. Die Bürgerinnen und Bürger, die Grundsicherung beziehen, müssen verhältnismäßig selten für persönliche Vorsprachen das Dienstleistungszentrum aufsuchen. Bestimmte Leistungen nach dem SGB XII werden schon lange nur im Kerngebiet angeboten, zum Beispiel für Mütter mit Kindern, die Unterhaltsleistungen beantragen. Bei dem geringen Kundenaufkommen im Sozialen Dienstleistungszentrum im Kundenzentrum Herthastraße ist es nicht verantwortlich, den Standort zu halten. Die Mietkosten sparen wir in Zukunft. Stellen werden nicht gestrichen. Alle Mitarbeiter aus Bramfeld ziehen nach Wandsbek um.

WB: Bei den Bezirkswahlen am 25. Mai dürfen erstmalig auch 16-Jährige wählen. Die Hamburger Bürgerschaft hat das neue Wahlrecht im vergangenen Jahr beschlossen. Was halten Sie vom Wahlrecht ab 16?
Ritzenhoff: Bei Kommunalwahlen ist es nicht unklug. Kommunal heißt doch: Was passiert vor meiner Haustür. Da haben auch 16-Jährige so ihre Vorstellungen. Jetzt bekommen sie die Chance, ihr Umfeld mitzugestalten. Ich bin gespannt, wie das neue Wahlrecht angenommen wird.
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