Bittsteller oder Kunde?

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Lange Wartezeiten, unfreundliche Behandlung: Harsche Kritik für das Standesamt Wandsbek Foto: Glitz

Lange Wartezeiten, unfreundliche Behandlung: Harsche Kritik am Standesamt

Von Rainer Glitz
Wandsbek
„Sehr geehrter Herr Ritzenhoff, Heiraten ist ja ein Ereignis, das nicht so oft im Leben vorkommt, und eigentlich auch ein sehr schönes. Leider nicht bei Ihnen in Wandsbek.“ So beginnt ein Offener Brief, den Birgit und Michael Funck an den Bezirksamtsleiter persönlich geschickt haben. „Jeder macht mal Fehler, aber da ist zu viel passiert“, sagt Michael Funck. Deshalb schrieben die beiden den Brief: In der Hoffnung, dass sich etwas ändert im Standesamt Wandsbek. Was war passiert? Funck und seine zukünftige Frau hatten sich Mitte Dezember 2015 extra einen Tag Urlaub genommen, um alle Formalitäten für ihre für Anfang März dieses Jahres geplante Hochzeit zu erledigen.

Alles besser in Nord


„Im Bezirksamt Nord und dem dortigen Standesamt lief auch alles bestens. Ohne Termin hatten wir innerhalb von nur einer Stunde fünf Unterlagen von drei verschiedenen Stellen zusammen“, schreiben sie im Offenen Brief. Da sie aber in Poppenbüttel wohnen, mussten sie für die Anmeldung zur Eheschließung ins Wandsbeker Standesamt. „Wir riefen bei der Infohotline an, dort nannte man uns die Öffnungszeiten“, sagt Funck. Die beiden Poppenbütteler fuhren also nach Wandsbek. Dort erst erfuhren sie, dass man einen vereinbarten Termin braucht. Und zwar per E-Mail, eine Vereinbarung vor Ort war nicht möglich. „Und dann hieß es auch noch: Wir sind für zwei bis drei Monate ausgebucht“, erinnert sich Funck. Man könne sich ja beschweren, hieß es. Und das taten die beiden. „Der Dezernatsleiter hat uns auch sofort empfangen. Er wirkte teilnahmslos und sagte, der Bezirk bekomme zu wenig Geld vom Senat und er könne nichts ändern“, so Funck. Und weiter: „Wir fühlten uns wie im falschen Film. Nicht wie geschätzte Kunden, sondern wie Bittsteller!“ Im Standesamt des Bezirkes Nord dagegen sei das Personal nett und kompetent gewesen. Der Termin in Wandsbek habe am Ende 20 Minuten gedauert, es sei sogar Zeit für eine kleine Plauderei übers Segeln gewesen. Dass seiner heutigen Frau aus Versehen 511 statt 51 Euro von der EC-Karte abgebucht wurde, sei letztlich nur eine ärgerliche Randerscheinung gewesen.

Bezirksamt antwortet


Auf Anfrage teilte das Bezirksamt Wandsbek mit, es fehle im Standesamt grundsätzlich kein Personal, die Stimmung sei auch nicht resignativ. Für die Anmeldung zur Eheschließung sei in allen Hamburger Standesämtern eine Terminabsprache erforderlich, telefonisch oder per E-Mail. Die Vorlaufzeit richte sich nach der Nachfrage. Geheiratet haben Birgit und Michael Funck schließlich im Bezirk Nord.
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1 Kommentar
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Elke Noack aus Rahlstedt | 05.04.2016 | 16:05  
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