„Bleiben wir optimistisch!“

Anzeige

Oberster Flüchtlingskoordinator spricht über seine Arbeit

FARMSEN-BERNE. Die Karl-Schneider-Halle ist gut besucht an diesem Sonntagnachmittag, als der prominente Besuch aus Berlin mit einer Viertelstunde Verspätung eintrifft. Gut gelaunt präsentiert sich Peter Altmaier auf der Veranstaltung der VHS Ost in Farmsen. „Angela Merkel und ich stecken 24 Stunden am Tag in der Zwickmühle“, scherzt der Kanzleramtsminister, der seit 2015 auch Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung ist. Es sei schwer, es in der Flüchtlingspolitik allen recht zu machen. „Wir wollen allen helfen, die in Not und Bedrängnis sind“, erläutert der CDU-Politiker: „Wir können aber nicht alle aufnehmen, die zu uns kommen, weil sie ein besseres Leben wollen.“

Die Entscheidung der Bundeskanzlerin, im vorigen Herbst Hunderttausende Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen, halte er nach wie vor für richtig, sagt Altmaier: „Damit hat Deutschland eine humanitäre Visitenkarte abgegeben.“ Deutschland könne die Flüchtlingskrise aber nicht allein lösen. Die Bundesregierung arbeite deshalb an einer europäischen Lösung. „Wir müssen da ein System aufbauen“, so der 58-Jährige. Bislang funktioniere die EU-weite Verteilung von Flüchtlingen noch nicht. Bei einer Waffenruhe werden nach seiner Einschätzung viele Syrer in ihre Heimat zurückkehren, viele würden aber auch in Deutschland bleiben. „Sie müssen Teil unseres Landes werden, unsere Kultur und Identität lernen“, erklärt der oberste Flüchtlingskoordinator.

Integration funktioniere nur, wenn die anerkannten Flüchtlinge Deutsch lernen und Arbeit finden. Auch der Kontakt zu den Deutschen sei wichtig, deshalb müssten Flüchtlinge auch in ländliche Regionen verteilt werden. Ghettos in den Großstädten seien tunlichst zu vermeiden, sagt der CDU-Politiker.
Arbeitsplätze seien derzeit genug vorhanden. Ein Drittel der jungen Syrer, die Englisch können, werden schnell einen Job finden. Ein weiteres Drittel brauche Zeit, Deutsch zu lernen. Die übrigen, Ältere oder Analphabeten, würden es sehr schwer haben. „Man darf die Wähler der AfD nicht verteufeln.

Die Leute machen sich Sorgen“, antwortet er auf Nachfrage. Anschauungsunterricht liefere seine 87-jährige Mutter, sagt der Saarländer, der aus einer Bergmannsfamilie stammt. Man müsse über Integration reden, aber auch über die Alltagskriminalität oder die extrem niedrigen Zinsen für Kleinsparer. „Bleiben wir optimistisch und lösen wir die Probleme“, gibt Altmaier den Farmsenern mit auf den Weg und bekommt Applaus.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige