Bleibt hier die Küche kalt?

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Das Pottkieker-Team in der Küche Foto: mkb

Arge bringt Sozialprojekt in Gefahr. „Pottkieker“ sucht Mitarbeiter

Von Martin Kranz-Badri
Dulsberg
Das Sozialrestaurant „Pottkieker“ stand in seinen fast 20 Jahren schon mehrfach kurz vor dem Aus. Anfang 2014 retteten zuletzt Abendblatt-Leser mit großzügigen Spenden den finanziellen Fortbestand. Der neu gegründete Förderverein Pottkieker e.V. stellte das Sozialprojekt auf eigene Füße. Seitdem ist der vorige Träger „Mook wat“ nur noch Dienstleister für den Pottkieker. Doch jetzt erreichte wieder ein Hilferuf die Wochenblatt-Redaktion: die Stadtteilküche bekomme über die Arbeitsagentur kein Personal mehr und eine Mitarbeiterin werde an eine andere Stelle versetzt. Der laufende Betrieb könne so kaum noch aufrechterhalten werden.

Das Wochenblatt war vor Ort


Etwa 30 Ältere, meist Damen, drängeln sich durch die Tür und bezahlen 1,50 Euro Eintritt für Kaffee und Kuchen satt. Man kennt sich nicht nur untereinander, sondern auch die Angestellten grüßen die Ankommenden mit Namen. Wobei „Angestellte“ zu diesem Zeitpunkt schon falsch ist. Seit 14.30 Uhr, also nach dem regulären Mittagstisch, haben alle acht Helfer frei. Sie sind außerhalb ihrer Arbeitszeit hier, um den alten Damen und Herren einen fröhlichen Nachmittag zu bereiten. Es ist nämlich durchaus möglich, dass über die Feiertage kein Besuch zu Omi und Opi kommt und neben einem Gottesdienstbesuch dies der einzige gesellschaftliche Kontakt für die meist allein wohnenden Rentner ist.
Christel Knebel ist etwa jeden zweiten Tag hier, doch andere kommen täglich: „Es leben viele alleine. Man freut sich den ganzen Tag schon auf das Mittagessen und pflegt seine Kontakte. Dazu kommt, etwas Anderes können wir uns schlichtweg nicht leisten. Und wir ältere Menschen, gerade mit Rollator, sind nicht überall gern gesehen. Aber hier sind wir willkommen.“ Der engagierte Akkordeonspieler setzt wieder ein, er spielt „La Paloma“. Einige summen mit. Später wird er Liedblätter austeilen, dann kommt richtige Festzeltstimmung auf und es wird geschunkelt. „Man fühlt sich richtig wohl, man ist nicht einsam hier, sondern kommt schnell ins Gespräch. Auch heute Nachmittag beim Singen. Das kann man uns hier nicht einfach wegnehmen“, sagt Christel Knebel.

Projekt durch Kürzungen in Gefahr


Die Arge hat bisher Langzeitarbeitslosen im Pottkieker eine Qualifizierung im Küchen- und Hauswirtschaftsbereich angeboten. Die knappen Haushalte sorgen jetzt für Kürzungen, die sich im Pottkieker direkt auswirken. Die Pottkieker-Chefin Carmen Krüger seufzt: „Dieses Auf und ab macht mich unglaublich müde. Der Bezirk sagt: super Projekt, die Sozialbehörde sagt: super Projekt. Jetzt haben wir über die Spenden Geld und dann haben wir keine Menschen, die hier arbeiten dürfen.“ Die Küchenleiterin ergänzt: „Wir sind manchmal zwölf Stunden hier und bekommen nur sechs bezahlt. Und das nur auf Ehrenamt.“ Begonnen hat sie im Pottkieker als Ein-Euro-Jobberin, seit 2008 hat sie die Küchenleitung. Sie ist die einzige fest angestellte Kraft. An ihrem Beispiel erkennt man den Gedanken des Sozialprojekts: Teilnehmer starten mit einer Qualifizierungsmaßnahme, kommen in einen 450-Euro-Job und integrieren sich als Teilzeitkraft wieder ins Berufsleben: „Seit Januar 2015 wird hier jedoch stet ig Personal abgebaut“, so Carmen Krüger. Die Küchenleiterin hofft auf mehr Kontinuität: „Ich wünsche mir, dass wir mal ruhig durchs Jahr gehen können. Und nicht Monat für Monat bangen, wenn jemand wieder einen Arge-Termin hat.“ Bis vorgestern hieß es, dass eine langjährige Mitarbeiterin zu einem anderen Träger wechseln sollte. Carmen Krüger setzte sich ein und konnte den Vertrag doch noch bis zum Jahresende verlängern. Sonst wäre nach acht Jahren heute der letzte Tag für Silvia Kudwien im Pottkieker gewesen.

Hilfe tut Not


Carmen Krüger wünscht sich engagierte Helfer, egal woher, egal ob sie Vorkenntnisse haben oder nicht: „Wir brauchen einfach Leute, die helfen, die hier mitarbeiten. Über „Tagwerk“ können Langzeitarbeitslose bis zu 100 Euro im Monat und über Bildungsgutscheine bis zu 200 Euro im Monat anrechnungsfrei dazuverdienen.“ Nicht viel, aber neben der kleinen finanziellen Anerkennung kommt augenscheinlich die familiäre Arbeitsatmosphäre dazu.
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