Boizenburger Weg wird Straße der Dichtkunst

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Sebia und Schekina haben für ihren Kissenbezug einen eigenen Spruch entwickelt Foto: kg
Von Karen Grell

Das KulturWerk Rahlstedt verwandelt den Boizenburger Weg jetzt für zwei Wochen in eine poetische Galerie. Mit Gedichten, Sprüchen und Zitaten bemalte Kopfkissenbezüge werden dann an Fassaden, zwischen den Bäumen und über der Straße hängen und den Boizenburger Weg zu einer poetischen Meile machen.

Für die Sammlung der Zitate hat die Künstlerin Viola Livera mit 22 Schülern und unbegleiteten jungen Geflüchteten der Stadtteil- und Kulturschule Altrahlstedt zunächst eigene Sprüche und Gedichte gesammelt und auch im Viertel nachgefragt, um die Poesie „praktisch von der Straße aufzusammeln“.
Was ist aber eigentlich Poesie und was kann sie bewirken, war bei diesem Projekt die Frage, die im Mittelpunkt stand. Ob in einem romantischen Liebesbrief, einem bekannten Gedicht, einem Spruch aus dem Poesiealbum der Großmutter oder dem eigenen Verse der Schüler – alles was poetisch klang, wurde in den vergangenen vierzehn Tagen zusammengetragen und soll jetzt dem Stadtteil gezeigt werden.
„Home is, where my heart is“ oder „es gibt nichts Wichtiges, außer man fühlt es“ sind Sprüche, die jetzt überall in der Straße zu sehen sein sollen. Die Stadtteilschüler führten mit Unterstützung der Künstlerin auch Interviews mit Anwohnern, Ladenbesitzern und Passanten durch, die sie auf der Straße und in den Geschäften ansprachen und nach poetischen Sätzen, Erinnerungen oder spontanen Ideen fragten. „Ein Tag, an dem man nicht gelächelt hat, ist ein verschenkter Tag“, war der poetische Beitrag der Stadtteilpolizisten und „wer nichts Gutes zu sagen hat, soll lieber schweigen“, meinte ein Ladenbesitzer aus einem der umliegenden Geschäfte.

„Uns hat dieses Projekt der poetischen Woche super gefallen“, kommentieren Avsin und Sebia (20), denn zusammen mit der Deutschlehrerin Anja Heiligtag habe man sich einmal ganz anders mit Sprache und Texten beschäftigt, als im regulären Unterricht. „Besonders spannend sei das Unterwegssein im Stadtteil und das Sammeln der vielen verschiedenen Zitate gewesen, von denen jedes einzelne seinen ganz eigenen schönen Klang hatte. „Wir hätten nie vermutet, wie viel Poesie in Rahlstedt und in uns selber steckt“, sagen die Schüler beim Bemalen der Kissenbezüge, die sie auch nach der Ausstellung noch weiter nutzen wollen. Die gesamten zwei Wochen sind zudem in einem Film festgehalten worden, der ausschnittsweise zur Eröffnung der Ausstellung zu sehen sein soll. Extra mit wasserfesten Farben beschrieben können die Bezüge auf jeden Fall bei allen Wetterlagen in der Straße hängenbleiben. Stephan Zörnig, Mitglied des KulturWerks, ist von dem Projekt begeistert: „So kann die Lyrik zusammen mit den Schülern einmal den Weg in die Öffentlichkeit finden.“ Das gesamte poetische Material steht jetzt auf den Kissenbezügen, denn „Kissen regen ja bekanntlich zum Träumen an.“
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