„Brutaler Kahlschlag“

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Mehr als 50 alte Bäume wurden in Farmsen-Berne abgeholzt Foto: Glitz

Investor fällt Dutzende Bäume für neue Häuser. Nachbarn protestieren ohne Erfolg

Von Rainer Glitz
Farmsen-Berne
Schon von weitem hört man das Geräusch der Motorsäge, ein Bagger greift sich auf dem Baugrundstück Beim Farenland 42 bis 46 einen weiteren Baum. Davor türmt sich bereits meterhoch ein Haufen aus zersägten Stämmen und Zweigen. „Ich bin schockiert über die Brutalität dieses Kahlschlages, hier wurden vollendete Tatsachen geschaffen“, sagt Anwohnerin Sabine Thiel.
Mehr als 50 teils sehr alte Bäume habe es gegeben,  dazu kleinere und viele Sträucher. Wie ein Wald sei das 5.500 Quadratmeter große Grundstück gewesen, sagt Thiel: „Für uns im Quartier waren die Bäume auch Lärmschutz und Abgasfilter.“ Und viele Tiere hätten dort gelebt: Igel, Spechte und sogar Fledermäuse.„Für eine Bebauung im Einklang mit Nachbarschaft und Natur“ setzt sich die Bürgerinitiative ein, die Sabine Thiel und ihr Mann gründeten.
„Denn es geht uns gar nicht darum, den Neubau von Einfamilienhäusern und Doppelhaushälften zu verhindern“, sagt Elmar Thiel. Es seien mit 15 aber zu viele, außerdem würde in dritter Reihe gebaut – dies sehe der Bebauungsplan nicht vor. „Eine Lösung für Wohnen und Natur wäre für alle Beteiligten besser gewesen“, sagt Sabine Thiel. Und dann sei da noch der Artenschutz. Ein Gutachten, das keine Gefahr für Fledermäuse attestierte, sei halbherzig durchgeführt worden, so die Anwohner. Sie haben nicht nur 100 Unterschriften gesammelt, sondern auch einen Anwalt eingeschaltet und Akteneinsicht beantragt. Womöglich verstößt die Rodung der Bäume gegen EU-Richtlinien. „Wir wollen da nachhaken, zumindest um sicherzustellen, dass so etwas nicht wieder passiert“, erklärt Sabine Thiel.
Dass die bebaubare Fläche des Grundstückes in Farmsen-Berne überschritten wird, gibt das Bezirksamt Wandsbek zu.
Die Voraussetzungen für eine entsprechende Befreiung lägen aber vor, das Vorhaben füge sich in die Eigenart der näheren Umgebung ein, so Bezirksamtssprecherin Lena Voß auf Anfrage. Eine Bebauung in dritter Reihe  existiere in der Nachbarschaft bereits: Unter anderem auf dem Grundstück von Sabine und Elmar Thiel. Die Fällgenehmigung sei korrekt, drei Bäume würden stehen bleiben. Probleme beim Artenschutz habe auch eine Mitarbeiterin der Umweltbehörde vor Ort nicht erkannt. „Die von den Nachbarn behaupteten schützenswerten Lebensräume für Fledermäuse und Spechte existieren nicht“, so Voß. Die Thiels überzeugt das nicht: Sie wollen nach 15 Jahren aus Farmsen-Berne wegziehen.

Kontakt: Bürgerinitiative Beim Fahrenland
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7 Kommentare
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Elke Noack aus Rahlstedt | 31.01.2015 | 08:16  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 01.02.2015 | 11:17  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 01.02.2015 | 12:22  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 01.02.2015 | 13:43  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 01.02.2015 | 15:16  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 02.02.2015 | 13:16  
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Eleonore Heilmann aus Bramfeld | 19.02.2015 | 19:42  
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