Bürger stoppen Motorsägen

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Schreyerring/Ecke Fehlingshöhe: Martin Kersting und Mariana Martins-Fernandes vom Stadtteilbeirat wehrten sich gegen die Baumfällungen, die bereits erste Spuren hinterlassen haben Foto: Haas
 
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Protestplakate an den für die Fällung vorgesehenen Bäumen Foto: Haas

Beirat geschockt: Für Umgestaltung in Steilshoop müssen 115 alte Bäume weg

Steilshoop Nur kurz kreischten die Motorsägen auf. Zwei Bäume waren schnell entastet, als empörte Anwohner und Passanten am Schreyerring zu Wochenbeginn die weiteren Arbeiten verhinderten. Zurück blieben jeweils ein kahler Baumstamm an der Ecke Fehlinghöhe sowie einer am Gropiusring. Sogar die Polizei war vor Ort, eilig sagte das Bezirksamt Wandsbek ein Gespräch mit den erbosten Steilshoopern zu.
Brodelnde Stimmung herrscht dann am vergangenen Dienstag im vollbesetzten Café Jetzt am Schreyerring. Anwohner, die großenteils schon seit den 1970er Jahren hier wohnen, entladen ihren Ärger. „Ohne Bäume ist es hier supertrist“, stellen überwiegend ältere Gäste fest. „Wir haben sie wachsen sehen, und die Baumpflanzung hat ja was gebracht.“ Sie erinnern daran, wie heiße Sommer das Viertel anfangs unerträglich aufheizten. „Das Schönste hier ist das Grün. Wozu soll jetzt alles wieder weg?“, fragen sie empört. Zugesicherte Nachpflanzungen helfen da nicht weiter: Ein Baum brauche doch zu seiner Entfaltung an die 20 Jahre. Ein junger Mann hat sogar gesammelt für Baumspenden anderenorts. Auch er möchte „die Bäume hier lieber erhalten und sie besser pflegen.

Der Plan steht fest, die Mittel sind gebunden


Bernd Baumgarten, Thorsten Hohenstein, Cornelius Bechen und Dirk Mecklenburg aus der Bezirksverwaltung Wandsbek bemühen sich im aufgeheizten Klima zunächst darum, ihre siebenjährige Planungsarbeit vorzustellen.
Das Projekt „Innovationsquartier Steilshoop“ solle den Stadtteil aufwerten, die Mittelachse attraktiver gestalten und einen neuen Event- und Marktplatz schaffen. Die aufwendige Umgestaltung bis 2017 werde finanziert durch das Rahmenprogramm „Integrierte Stadtteilentwicklung“ (RISE), sie sei deshalb an Zeitpläne gebunden.
Einen Preis dafür wollen die protestierenden Anwohner allerdings nicht hinnehmen – und sie hatten ihn bislang so nicht wahrgenommen: Insgesamt 115 der 30 bis 40 Jahre alten Bäume – darunter Platanen, Eichen, Kastanien – am Schreyerring und an der Fehlinghöhe müssten dafür geopfert werden. Zunächst 24 Bäume standen auf der Fällliste der vergangenen Woche, teilt Wirtschaftsreferent Cornelius Bechen in seiner Präsentation mit. „Sie stehen alle zu eng, sie behindern Rettungswege, ihre Wurzeln heben schon die Bodenplatten.“ Auch der Verlegung von Versorgungsleitungen stünden sie im Weg. Die Neuanlage eines Marktplatzes müsse zudem die Befahrbarkteit für Marktbeschicker gewährleisten. „Die heutigen Flächen sind mit Lastwagen nicht befahrbar“, so Bechen weiter. Die Pläne seien dem Stadtteilbeirat seit langem bekannt und waren im Stadtteilbüro ausgehängt.
Doch selbst für Mariana Martins-Fernandes, Sprecherin des Stadtteilbeirates und Dr. Martin Kersting von der Koordinierungskonferenz Steilshoop (KoKo) waren Zeitpunkt und Ausmaß der Baumfällungen so nicht klar. Wenigstens eine gemeinsame Begehung mit den Anwohnern wünsche sie sich vorher, sagt Martins. Zusammen mit Kersting wehrt sie sich jetzt gegen die vorgesehenen Baumfällungen.

Welche Art Zentrum wollen die Anwohner?


Alraune-Geschäftsführerin Petra Lafferentz unterstützt sie: „Das eigentliche Thema ist: Welche Art von Zentrum wünschen sich die Anwohner wirklich? Umgekehrt: Die vorhandenen Bäume in der Gestaltung des Zentrums einzubinden, wurde bei der Planung doch gar nicht überlegt.“ Lafferentz beklagt, dass jetzt schon auf privatem Grund sehr viele Bäume gefällt wurden, auch rund um das Stadtteil-Café seien sämtliche Schattenspender entfernt worden. Gefällt für den „Housing Improvement District“ (HID), dem mit den RISE-Plänen verzahnten Projekt, in das die ansässigen Grundeigentümer immerhin vier Millionen Euro investieren.
Bernd Baumgarten, der Leiter des Fachamtes Management des öffentlichen Raums entgegnet: „Wir können die Planung jetzt nicht mehr in Frage stellen.“ Aber Zeitknappheit sei hier kein Argument; die Anwesenden fordern mehrheitlich ein Baumfäll-Moratorium – als Bedenkpause mit mehr Mitspracherechten: „Wir sind doch konstruktive Leute!“
Am vergangenen Donnerstag wurde die Diskussion in der Bürgerfragestunde der Bezirksversammlung Wandsbek fortgesetzt. Die Linken sprachen sich für ein Baumfäll-Moratorium aus und für eine „ergebnisoffene Bürgerbeteiligung“ über einen Runden Tisch.
„Den Erfolg des Innovationsquartiers Steilshoop nicht gefährden“ lautete dagegen der Antrag der SPD- und Grünen-Fraktion, mit den Stimmen der CDU angenommen.
Er sieht in den Baumfällungen „einen vertretbaren Kompromiss zwischen Baumerhalt und der sozialen Stadtteilentwicklung“. Doch zuvor schon kam es zum Patt, so die Mitteilung von Lena Voß, Sprecherin des Bezirksamtes Wandsbek. Denn die Baum-Rebellen von Steilshoop hatten einen Stopp der Fällarbeiten erwirkt, durch eine eilige Eingabe in der Hamburgischen Bürgerschaft. Jetzt müsse die Eingabe geprüft werden, weitere Kommentare erübrigten sich.
Denn vom 1. März bis zum 30. September dürfen nach dem Bundesnaturschutzgesetz erst mal keine Bäume gefällt wer
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