Bundestagswahl 2017: Für wen die Erststimme?

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Das Hamburger Wochenblatt stellt die Direktkandidaten aus Hamburg-Wandsbek für den 19. Deutschen Bundestag vor Symbolfoto: thinkstock
 
Für Die Linke: Cornelia Kerth, (62), studierte Sozialwissenschaftlerin, lebt in Eilbek Foto: wb
 
Für die FDP: Wieland Schinnenburg, (58), Zahnarzt und Rechtsanwalt, lebt in Hohenfelde Foto: wb

Das Hamburger Wochenblatt stellt die Direktkandidaten aus Hamburg-Wandsbek für den 19. Deutschen Bundestag vor

Von Rainer Glitz
Hamburg-Wandsbek
Am 24. September 2017 wählen Sie den 19. Deutschen Bundestag. Damit bestimmen Sie, wer künftig in Deutschland regiert. Und das geschieht nach dem Prinzip der sogenannten personalisierten Verhältniswahl. Das heißt: Jeder Wahlberechtigte hat zwei Stimmen. Eine für die Partei im jeweiligen Bundesland, und eine für die jeweiligen Kandidaten für ein Direktmandat in den insgesamt 299 Wahlkreisen deutschlandweit. Politik wird immer von Menschen gemacht. Und diese Menschen, die sich in Ihrem Wahlkreis in Hamburg um Ihre Erststimme bemühen, wollen wir vorstellen. Allen haben wir dieselben Fragen gestellt. Den Auftakt machen die Kandidaten der Linken (Cornelia Kerth), der AfD (Dietmar Wagner,) und der FDP (Wieland Schinnenburg):

Wochenblatt: Warum haben Sie sich entschlossen, in die Politik zu gehen?
Schinnenburg: Das ist schon sehr lange her, ich bin seit 1981 in der FDP. Damals gab es eine sozial-liberale Koalition. Mir ist es so gegangen wie vielen anderen. Mich haben Dinge geärgert, die ich nicht gut fand. Die meisten Leute bleiben beim Ärgern, ich möchte etwas machen.

Wagner: Ich bin seit 40 Jahren ein politischer Mensch und habe auch Soziologie studiert. Ich war dann in der Gewerkschaft, im Personalrat und Betriebsrat und der kirchlichen Mitarbeitervertretung. Ich stand der Politik immer positiv gegenüber bis ungefähr vor vier Jahren. Da gab es Entwicklungen, die ich nicht mehr nachvollziehen konnte. Und deshalb bin ich in die Politik gegangen. Ich möchte da etwas ändern.

Kerth: Ich war seit frühester Jugend Mitglied einer politischen Partei, nämlich der SPD. Ich habe mit dieser Partei gebrochen, nachdem sie mit den Grünen zusammen an der Regierung beschlossen hatte, Bomben auf Jugoslawien zu werfen. Ich meine, dass Interessen in dieser Gesellschaft vertreten werden müssen. Und deshalb war ich dabei, als sich die WASG und später die Linke gründeten.

WB: Welche politischen Erfolge haben Sie erreicht?
Schinnenburg: Mein Lieblingsthema ist eine Drogenhilfeeinrichtung im Schanzenviertel, die haben wir damals erhalten. Ansonsten viel im Bereich Bildung. Ich war Wissenschaftssprecher, wir haben die Hamburger Hochschulen ein gutes Stück vorangebracht Anfang des letzten Jahrzehnts. Und da ist das Kita-Gutschein-System. Da war ich einer der Fachexperten. Das ist heute allgemein anerkannt und war auch bundesweites Vorbild. Das habe ich damals mit eingeführt, darauf bin ich bis heute stolz.

Wagner: Wir sind eine sehr junge Partei. Intern ist es schon ein Erfolg, wenn man als Bundestagskandidat aufgestellt wird. Aber in der großen weiten Welt habe ich noch keine Erfolge.

Kerth: Man erzielt einen Erfolg, wenn man in Wandsbek über zehn Prozent kommt. Aber auch die Linke als solche hat Erfolge erzielt, ohne sie würde es heute keinen Mindestlohn geben. Auch aus der Opposition heraus kann man Diskurse anstoßen und Forderungen vertreten, die in ihrer Notwendigkeit so auf der Hand liegen, dass sie irgendwann aufgegriffen werden.

WB: Was sind aktuell die wichtigsten Probleme in Ihrem Wahlkreis?
Schinnenburg: Es gibt, wie überall in Hamburg, Verkehrsprobleme. Die Stadt erstickt im Stau. Wir bräuchten mit Sicherheit eine bessere Ampelschaltung. Ein schönes Beispiel ist, wenn Sie von Wandsbek-Markt in die Innenstadt fahren. Sie stehen an jeder Ampel, da muss dringend was passieren. Dann ist da die pflegerische Versorgung. Wir haben im Moment noch genug Plätze in Seniorenheimen. Aber wir haben gerade in Wandsbek einen stark steigenden Bedarf an Pflegeheimplätzen. Und drittens gibt es in Wandsbek eine große afrikanische Gemeinde, die beziehen wir noch zu wenig ein.

Wagner: Die Bundestagswahl entscheidet, wer in der großen Politik ist, das heißt, wie die Gesamtzusammenhänge in Deutschland laufen. Wenn ich auf der einen Seite von der extremen Wohnungsnot in Wandsbek und ganz Hamburg höre, und auf der anderen Seite mitbekomme, dass in riesigen Mengen Wohnraum belegt wird von Personen, die eigentlich gar nicht mehr in Deutschland sein dürften, dann irritiert mich das.

Kerth: In Wandsbek leben sehr viele ältere Menschen. Da ist das Thema Rente sehr wichtig. Es geht aber auch um prekäre und befristete Beschäftigung, auch den Niedriglohnsektor. Und es geht um Wohnungen. Aber auch die Auseinandersetzung mit einer erstarkenden Rechten muss ein Thema sein. Da muss die Linke auch gegenüber der AfD ganz klar Position beziehen und Farbe bekennen.

WB: Wenn Sie gewählt würden, was wäre Ihre erste politische Initiative im Bundestag?
Schinnenburg: Mein oberstes Thema ist Bürokratieabbau. Ich habe eine Zahnarztpraxis. Da verwende ich die Hälfte der Zeit nicht für die Behandlung von Patienten, sondern für das Ausfüllen von Formularen. Wir haben mittlerweile im Gesundheitswesen und in anderen Bereichen, eine ausgeprägte Misstrauenskultur. Alles wird immer kontrolliert. Ich gehe lieber mit Vertrauen auf die Menschen zu.

Wagner: Da müsste man sehen, mit welchen Gruppierungen man das zusammen umsetzen kann. Gehen wir mal von dem tollen, aber unwahrscheinlichen Fall aus, dass wir an der Regierung beteiligt wären. Dann müssen wir in Deutschland wieder Rechtssicherheit in allen Bereichen bekommen. Angefangen bei der Einwanderungspolitik über die EU-Politik, die Geldpolitik in der EU, den Euro, bis hin zur Sicherheit innerhalb Deutschlands.

Kerth: Ich würde versuchen, ein Gesetz auf den Weg zu bringen, das alle faschistischen Parteien und solche, die sich am Programm der NSDAP orientieren, verbietet. Ein anderes Thema wären Waffenexporte. Deutschland ist einer der größten Waffenexporteure auf der Welt.

Hajduk: Ich würde mich sehr freuen, wenn wir in eine gestaltende Rolle kommen. Da müssten wir natürlich gucken, dass es zu einer guten Regierungsbildung kommt. Ich würde mich da als Mitglied des Vorstandes meiner Fraktion einbringen.

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