Bundestagswahl 2017: Wer steht zur Wahl?

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Das Hamburger Wochenblatt stellt die Direktkandidaten aus Hamburg-Wandsbek für den 19. Deutschen Bundestag vor Symbolfoto: thinkstock
 
Für die SPD: Aydan Özoguz, 50, von Beruf Sprachwissenschaftlerin, lebt in Rahlstedt Foto: wb

Das Hamburger Wochenblatt stellt die Direktkandidaten von SPD, CDU und Grüne aus Hamburg-Wandsbek für den 19. Deutschen Bundestag vor

Von Rainer Glitz
Hamburg
Der Landeswahlausschuss hat 16 Parteien für die Bundestagswahl am
24. September zugelassen. Das gilt auch für deren Landeslisten und die Direktkandidaten in den sechs Hamburger Wahlkreisen. Damit können jetzt die Stimmzettel gedruckt werden. Diese werden bereits ab dem 15. August an alle verschickt, die schon die Briefwahl beantragt haben. Das ist online möglich. Ab dem 21. August werden die Wahlbenachrichtigungen verschickt. Darin enthalten ist ein Formular, mit dem die Briefwahl auch per Post beantragt werden kann. Damit Sie wissen, wer zur Wahl steht, stellt das Hamburger Wochenblatt die Kandidaten vor. Diesmal von CDU (Eckard Graage), SPD (Aydan Özoguz) und Grünen (Dennis Paustian-Döscher).

Wochenblatt: Warum haben Sie sich entschlossen, in die Politik zu gehen?
Aydan Özoguz: Ich habe vor
16 Jahren für die Körber-Stiftung gearbeitet und dort bei Projekten auch Politiker zusammengebracht, ich hatte viele Kontakte. Eines Tages fragte mich Olaf Scholz, ob ich mir vorstellen könnte, selber Politik zu machen. Das habe ich mir überlegt und „ja“ gesagt, ich wollte selber im Parlament mitgestalten.

Eckard Graage: Das ist so lange her, dass ich es gar nicht mehr richtig weiß. Aber: Mein Grundsatz ist, ich möchte nicht gerne bestimmt werden von anderen Menschen. Ich möchte selbst mitbestimmen. Das ist der Grundsatz von Demokratie: Mitbestimmen.

Dennis Paustian-Döscher: Da gab es zwei Gründe. Einmal müssen Minderheiten in unserem Land besser unterstützt werden. Das war 1994, damals gab es noch den Paragraphen 175 des Strafgesetzbuches. Der hat eine Sittenwidrigkeit homosexueller Handlungen festgestellt. Es gab zudem ein Staatsbürgerschaftsrecht, das noch aus Kaisers Zeiten stammte. Um das zu ändern, habe ich mich politisch engagiert.

WB: Welche politischen Erfolge haben Sie erreicht?
Özoguz: Mein Amt als Beauftragte der Bundesregierung gibt es seit 39 Jahren, aber ich habe es erstmals geschafft, ein vernünftiges Budget für das Amt zu bekommen. Damit kann ich z.B. das riesige Ehrenamt bei den Flüchtlingen strukturieren, organisieren und fördern. Und wir haben Gesetze geändert: Flüchtlinge, die bleiben, können jetzt schnell eine Ausbildung machen, arbeiten und
sofort Deutsch lernen.

Graage: Das ist eine ganze Menge, so Kleinigkeiten zum Teil etwa im Bereich Jugend. Da ist der Jugendclub Rahlstedt in der Siedlung Boltwiesen und andere Jugendhilfeeinrichtungen in Wandsbek, die wir in der Zeit eröffnen konnten. Die sind ja auch auf unserem Mist gewachsen. Das sind Einrichtungen, die man dann auch wirklich sieht.

Paustian-Döscher
: Bald haben wir die „Ehe für alle“, das ist ein wesentlicher grüner Erfolg. Wir haben ein neues Staatsbürgerschaftsrecht, der Atomausstieg ist durchgesetzt. Für mich persönlich sind da eher kommunalpolitische Erfolge. Wir haben es 2015 geschafft, dass kein Mensch in Hamburg obdachlos geworden ist, als die großen Zuzugswellen gekommen sind. Ich habe mit auf den Weg gebracht, dass wir Möglichkeiten bieten, dass diese Menschen sich integrieren können.

WB: Was sind aktuell die wichtigsten Probleme in Ihrem Wahlkreis?
Özoguz: Zu mir kommen Menschen, die das Gefühl haben, man hilft ihnen nicht bei der Arbeitssuche oder bei Problemen mit dem Vermieter. Viele sorgen sich vor Altersarmut oder sind davon betroffen. Immer wieder gibt es das Bedürfnis nach Information: Was bedeuten die Entscheidungen in Berlin für uns in Wandsbek?

Graage: Das wichtigste Problem ist immer noch die Integration der Menschen, die zu uns kommen. Egal ob als Flüchtlinge oder Menschen, die bleiben wollen. Es hat sich im Moment etwas entspannt, so dass die Einrichtungen ausreichen. Wohnen, Integration und Arbeit schaffen für Leute, die bei uns bleiben: Das ist das größte Problem, das wir vor uns haben. Aber das ist ein lösbares Problem.

Paustian-Döscher: Der demographische Wandel ist gerade in Wandsbek eine große Herausforderung. Der Anteil der Menschen über 60 ist hier besonders hoch. Das müssen wir generationengerecht angehen. Wir müssen verhindern, dass Menschen in Altersarmut rutschen. Gleichzeitig müssen wir es schaffen, dass das Ganze für die junge Generation bezahlbar bleibt.

WB: Wenn Sie gewählt würden, was wäre Ihre erste politische Initiative im Bundestag?
Özoguz: Familien stärken: Gerade wenn Frauen wegen der Kinder aus dem Job gehen und später nicht mehr zurückkommen können. Das ärgert mich. Wir brauchen ein gesetzliches Rückkehrrecht in Vollzeit und mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das wollen übrigens auch viele Väter. Ich kämpfe auch für ein stabiles Rentenniveau, die Solidarrente nach einem langen Berufsleben und Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente.

Graage: Ich würde am liebsten in den Bereich Wirtschaft und Finanzen gehen und helfen, die Vorschläge im CDU-Wahlprogramm umzusetzen. Dass wir Familien und Jugendliche stärken, dass wir Schule und Ausbildung stärken. Um damit auch den demographischen Wandel im Endeffekt in den Griff zu kriegen. Wir brauchen Leute, die gut ausgebildet sind und nachher das Geld verdienen für uns Ältere, wenn wir in Rente sind.

Paustian-Döscher: Wir brauchen dringend ein zinsloses und flexibles Gründerdarlehen. Viele Projekte von Gründern scheitern, weil sie zu wenig Geld haben. Da ist unsere Idee, ihnen ein Gründerdarlehen zu gewähren, damit sie finanziell auf der sicheren Seite sind.

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