Campus schrumpft

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Visualisierung des Architektenentwurfs Foto: Hascher Jehle Architekten
 
Warnte vor Abstrichen bei der Qualität: Architekt Prof. Rainer Hascher Foto: Haas

Steilshooper Mega-Projekt vor Start unter Kostendruck

Steilshoop Etliche Monate später als geplant startet das Mega-Bauprojekt „Campus Steilshoop“: mit dem Auszug der berufsbildenden Schule H 20 in den Herbstferien. „Jetzt geht’s los!“ hieß es am vergangenen Mittwoch zum Info-Abend, den Andrea Soyka von der Stadtentwicklungsgesellschaft (Steg) moderierte. Rund 130 Gäste kamen in die Mensa des Bildungszentrums. Wie berichtet, soll das 35-Millionen-Euro-Projekt ab 2019 nicht nur die Grund- und Stadtteilschule am See beherbergen. Zudem entsteht ein Quartierszentrum, in das die vor Ort tätigen Bildungs- und Beratungseinrichtungen einziehen können. „Die bauliche Planung steht, sie wird jetzt nicht wieder diskutiert.“ Thomas Sies von Schulbau Hamburg stoppte resolut erste Fragen. Mit allen beteiligten Institutionen sei nach intensiver Mitsprache ein „guter Kompromiss“ erarbeitet worden. Architekt Prof. Rainer Hascher präsentierte zunächst seinen geänderten Entwurf: Um Kosten zu sparen, soll der Campus jetzt mit weniger Fläche auskommen als ursprünglich geplant. Landschaftsarchitekt Niels Blatt zeigte Pläne zur Gestaltung der Außenanlagen: Gepflasterte Wege, zudem ein „grünes Bett mit pflegeleichten Grasflächen und Gehölzsaum“ umrahmt den Neubau, Der Schulhof der Grundschule wird als geschützter Bereich abgetrennt.
Zu Baubeginn werde zunächst die Schule am See abgerissen, erläuterte Thomas Sies das Procedere. Der Abbruch erfolge „von hinten nach vorne“. Die Stadtteilschule bleibt während der Bauarbeiten vor Ort, wechselt zunächst in die Räume der H 20. Die noch ansässigen Vereine und Institutionen müssen bis zur Fertigstellung des Quartierszentrums ausweichen. So nutzt die VHS bereits die Räume der Schule an der Seebek in der Fabriciusstraße. Die Elternschule und der Verein Nordring beziehen eine Unterkunft am Edwin-Scharff-Ring. Während das Haus der Jugend in den Werkstattbereich des Bildungszentrums ausweicht. Der Eingang für den weiter stattfindenden Schulbetrieb werde verlegt. Die Zuwegung für die Baufahrzeuge hängt ab von der Verkehrsplanung, die auch die Schulwege absichert.

Architekt unzufrieden


Nachfragen aus dem Publikum bezogen sich auf Details zum zukünftigen Campus: Während rollstuhlgerechte Wege bedacht wurden, ist die Zukunft des Alraune-Tierhauses noch ungewiss, der Schachclub hat keine Bleibe. Die „ungünstige Verlegung“ der Elternschule ins Obergeschoss wurde moniert. Insbesondere die Einsparung von zwei kostenfreien Räumen für Vereine im zukünftigen Quartierszentrum stieß auf heftige Kritik. „Die beiden Räume waren ein Zugeständnis der Stadt anstelle eines Bürgerhauses. Jetzt wird ein Quartierszentrum geplant, das die Belange der Steilshooper missachtet“, protestierte Julian Georg, Linke-Fraktionsvorsitzender. Die jetzige Planung stelle eindeutig eine Verschlechterung dar. Er monierte eine „unsolide Finanzplanung“, die Expertise des Architekten werde missachtet. Das ursprünglich vorgesehene Raumprogramm scheitere, weil die Kosten für das Projekt schon zu Beginn viel zu niedrig angesetzt waren. „Sie reichen auch künftig nicht aus“, warnte Architekt Rainer Hascher. Für Schulen gäbe es einen „Kostenrichtwert“, auch für das künftige Quartierszentrum sei das Budget „klar begrenzt“, entgegnete Thomas Sies, weswegen Abstriche an der Bauausführung erforderlich seien, die ein beauftragter Generalunternehmer vornehmen wird. Es kam zum offenen Disput. „Wer als Bauherr den Architektenentwurf ohne die Überwachung der Regeldetails einem Generalunternehmer übergibt, reduziert die Qualität auf ein Minimum“, erklärte Prof. Hascher. „Im Grunde wird so der Schrott von morgen gebaut. Dann könnte man besser den sanierten Teil der Schule stehen lassen.“ Wie aus Einsparungen rasant galoppierende Kosten entstünden, zeige schon das Desaster der Elbphilharmonie, deren Bau einem Generalunternehmer übertragen wurde. Nach deutlichen Worten verließ der Architekt den Saal, während Sies beschwichtigte: „Klar, wenn man mehr Geld hätte, könnte man anders bauen.“ So gäbe es eben Linoleum statt Parkett. Dass der Architekt das Projekt nur bis zur Baugenehmigung begleite, sei „vertragskonform“. Schulbau Hamburg habe gute Erfahrungen mit Generalunternehmern, während der Architekt „nur seinen Kopf durchsetzen will“.
Gemischte Gefühle beherrschen die Steilshooper. Viele Bürger schätzen den sanierten Teil des Bildungszentrums im Osttrakt mit großzügiger Aula, Mediathek und einer Bühne, die sich auch open air bespielen lässt. Solche Finessen werden beim Neubau eingespart. Klaus Reimers, 48, ging hier schon zur Schule, wie auch seine Kinder. Er bringt die Stimmung auf den Punkt: „Ich befürchte, dass die großen Chancen für den Neubau so verpasst werden.“
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1 Kommentar
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Ilona Konrad aus Steilshoop | 22.10.2015 | 19:33  
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