Claudius-Grab verfällt

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Die aus Eisen gearbeiteten Grabkreuze von Matthias und Rebecka Claudius sind stark verwittert Foto: Jenssen
 
Prunkbauwerk auf dem historischen Friedhof: das Schimmelmann-Mausoleum

Sanierung kostet 10.000 Euro. Friedhof verwildert

Von Martin Jenssen
Wandsbek. Der Rasen ist gemäht. Das Schimmelmann-Mausoleum, das bedeutendste klassizistische Bauwerk in Nordeuropa, wird gepflegt und betreut. Die Wege wurden ausgebessert. Ansonsten aber herrschen Kraut und Rüben auf dem historischen Wandsbeker Friedhof. Das Suchen der Gräber von prominenten Wandsbeker Persönlichkeiten, die dort ihre letzte Ruhe fanden, ist eine Aufgabe für Dschungelforscher geworden. Die Grabstätten sind vom Unkraut überwuchert.
„Der Friedhof bietet einen traurigen Anblick. Es muss dringend etwas geschehen“; sagt Ingrid Voß, Vorsitzende des Bürgervereins Wandsbek. „Plätze mit so großer historischer Bedeutung gibt es nur wenige in Wandsbek.“

Initiative von Pastor und Historiker gegründet

Der Bezirk, für die Pflege des Grundstücks verantwortlich, sollte sich Gedanken machen, wie der Friedhof im Herzen Wandsbeks wieder zu einem Schmuckstück werden kann.
Die Bürger tun es schon. Die Initiative „Historischer Friedhof 2015“, ins Leben gerufen von Pastor Richard Hölck und dem Rechtsanwalt und Historiker Michael Pommerening, bemüht sich um Spenden für die Rettung des Friedhofs. Außerdem sollen Paten gefunden werden, die sich um die Gräber der Verstorbenen kümmern. Im Moment aber ist der Friedhof in einem äußerst beklagenswerten Zustand. Die Grabkreuze von Matthias Claudius und seiner Frau Rebecka müssten saniert werden. Sie sind nicht leicht zu entdecken, obwohl sie immerhin zu den wenigen Gräbern gehören, die nicht unter dem Unkraut verborgen sind.
Die Inschriften auf den unscheinbaren Kreuzen, die am äußersten Rand des Friedhof stehen, sind kaum zu entziffern. Die ehemals golden leuchtenden Inschriften sind verblasst. Die Erneuerung der Grabanlage sollte möglichst bald angegangen werden, denn große Jubiläen stehen bevor. Das Jahr 2015 wird ein Claudius-Jahr. Im Januar 2015 wird der 200ste Todestag und im August der 275ste Geburtstag des Dichters gefeiert. Die Gedenktage werden Claudius-Anhänger aus aller Welt dazu veranlassen, Wandsbek einen Besuch abzustatten. Dem Bezirk wird es nicht zum Ruhm gereichen, wenn sich der Friedhof dann immer noch als „Unkrautacker“ präsentiert. „Allein die Restaurierung der Grabkreuze von Matthias und Rebecka Claudius wird 10 000 Euro kosten“, erklärt Michael Pommerening. Diese Verschönerung wenigsten ist gesichert. Pommerening: „Dafür hat sich ein Sponsor gefunden!“
Doch was nützt das, wenn der andere Teil des Friedhofs eine Wildnis ist. Auch für die anderen Gräber müssen Paten gefunden werden. So stehen zum Beispiel das Grab von Generalleutnant Friedrich Phillipp Victor von Moltke (1768-1845) sowie die Gedenktafel für Helmuth James Graf von Moltke (1907-1945), dem Begründer des Kreisauer Kreises, versteckt und heruntergekommen am Rande des Friedhofs. Völlig zugewuchert ist die Grabstädte der Familie Luetkens (Lederfabrikanten, die den Wald im Eichtalpark anlegten). Im Gebüsch versteckt und nur von der Rückseite zu sehen ist der Grabstein für Wandsbeks Ehrenbürger Friedrich Puvogel. Überwuchert auch das Grab von Caroline Rebecka Schröder, der Tochter von Matthias Claudius.
Wandsbeks historischer Friedhof ist 390 Jahre alt. Er wurde 1623, während des 30jährigen Krieges von Pastor Holtzmann, dem ersten Wandsbeker Prediger angelegt. Holtzmann wollte damit den Bau einer Kirche in Wandsbek vorantreiben. Er hatte Erfolg. Die Kirche wurde 1633 errichtet
Der reiche Kaufmann Graf Heinrich Carl von Schimmelmann (1724-1782) und der arme Dichter Matthias Claudius (1740 -1815, „Der Mond ist aufgegangen“) sind die berühmtesten Wandsbeker Persönlichkeiten, die auf dem Friedhof ihre letzte Ruhe fanden. Auf der Nordseite des Friedhofs steht das prunkvolle Schimmelmann-Mausoleum, in dem sich Sarkophage aus Carrara-Marmor befinden. Weit ab, am andren Ende des Friedhofs, stehen die unscheinbaren Kreuze für den Dichter und seine Frau.
Matthias Claudius wurde 1771 Redakteur des „Wandsbecker Bothen“ , einer Zeitung, die Schimmelmann für die Wandsbeker Bürger herausgab. Der „Bothe“ erschien viermal in der Woche mit vier Druckseiten. Das „Blatt“ hatte eine Auflage von rund 400 Exemplaren, und dennoch wurde der „Wandsbecker Bothe“ in ganz Deutschland berühmt, weil Claudius es erreichte, dass die bedeutendsten Dichter seiner Zeit für die Zeitung schrieben. Finanziell war der „Wandsbecker Bothe“ nicht erfolgreich. Deshalb wurde er 1775 wieder eingestellt. „Wir meinen, der historische Friedhof in Wandsbek ist ein wahres Kleinod! Er ist ein wertvoller kultureller Schatz, um den sich die Wandsbeker Bürgerinnen und Bürger verdient machen sollten“, so bitten Pastor Richard Hölck und der Historiker Michael Pommerening um Unterstützung bei ihren Bemühungen, den Friedhof wieder zu einem Schmuckstück werden zu lassen. (je)
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