Das Endkauf-Zentrum

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Noch kann das EKZ mit einem Supermarkt werben, aber Rewe zieht bald aus Foto: Hertel

Auch Rewe verlässt jetzt das EKZ Steilshoop. Centermanagement schweigt

Von Michael Hertel

Steilshoop. „Der Letzte macht das Licht aus“ - dieser Spott geht derzeit unter den Kunden und Einzelhändlern des Einkaufzentrums Steilshoop um. Immer mehr Läden schließen. Jetzt macht der letzte große Supermarkt im EKZ dicht. Ein Ortstermin.

Schon das Parkhaus bietet einen Vorgeschmack auf das Einkaufzentrum: düster, marode, versifft. Man muss kein Fachmann sein, um zu erkennen: Hier ist seit Jahrzehnten nicht mehr investiert worden. Immerhin: Einen freien Parkplatz bekommt man immer. Ich betrete den Haupteingang. Der erste Eindruck: ein Eiscafé mit leckeren Kuchen auf gut besuchter Außenfläche.

Doch gleich dahinter beginnt die öde Leere. Überall verschlossene Türen, beklebte Glasflächen. Ein paar Kunden huschen wie Gespenster durchs Bild. Ein türkischer Gemüsehändler zurückhaltend: „Schauen Sie sich selbst mal um.“ Wir finden nicht viel: einen Filialbäcker, einen Lottoladen. Es gibt noch mehr – ein Ober- und Untergeschoss. Dort schneidert „Meister Daryush“, der seinen vollen Namen nicht nennen möchte, immer noch fleißig. Vier Kunden im Laden – alles gut? „Bei mir geht es noch, aber wenn noch mehr Läden schließen, weiß ich nicht, wie es weitergeht“, sagt er.

Wir treffen Jörg Bley (46) und Sohn Pierre (11): „Es ist eine Schande. Ich kenne das Einkaufszentrum seit 1987. Seit 2006 geht es hier bergab. Jetzt macht Rewe dicht und Rossmann wohl auch zum Jahresende. Ich wohne nur 50 Meter entfernt, aber demnächst muss ich wohl alles in Bramfeld einkaufen“, schimpft er. 2006 – ein Schlüsseldatum. Damals übernahm der dänische Investor Henrik Nygaard Johansen das Haus von der Fundus-Gruppe, die mit dem Komplex auch nicht glücklich war.

Kemal Kurt (67), Inhaber eines Schuh- und Schlüsseldienstes und Vorsitzender der Werbegemeinschaft, kennt Johansen persönlich: „Er ist eigentlich ganz kulant. Aber er muss etwas tun – 60 Prozent der Läden sind schon raus.“ Schade, dass das Center-Management zur Situation nichts sagen will. Ein Steilshooper zeigt auf eine makellose blaue Kachelfläche in einem Durchgang: „Hier sollte eigentlich seit 30 Jahren der Ausgang zum U-Bahnhof Steilshoop sein.“ Offensichtlich das Symbol für den Geburtsfehler des EKZ.
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