Demo für den Abriss

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Mehr als 100 Mieter der WHW zogen durch Wandsbek, um für den Abriss zu demonstrieren Foto: Glitz

Weiter Streit um Häuser in der Josephstraße. Mieter ziehen zur Bezirksversammlung

Von Rainer Glitz
Wandsbek
Der Bauzaun an den Terrassenhäusern in der Josephstraße ist vorübergehend abgebaut worden, dafür gibt es an einem Stand Grillwurst und Bier. Die Wohnungsgenossenschaft Hamburg-Wandsbek von 1897 (WHW) hat zum Tag der offenen Tür geladen, mehr als 100 Mieter und Nachbarn sind gekommen. Es riecht muffig in den engen, nur 40 Quadratmeter großen Wohnungen. Die alten Nachtspeicherheizungen stehen noch in den Räumen. „Wir gehen davon aus, dass die Häuser abgerissen werden, wir haben rechtlich gute Aussichten“, erklärt WHW-Vorstand Detlef Siggelkow. Im Keller zeigt er den Hauptgrund für den geplanten Abriss: Die Wände sind feucht, überall sind Risse, und die Stahlträger sind verrostet. Im Haus gegenüber habe es Holzwürmer in den Treppen und überall Ameisen gegeben, berichtet ein früherer Mieter.

Gutachter für Abriss


Die WHW verweist auf das Gutachten eines Experten, das die mehr als 100 Jahre alten und nicht denkmalgeschützten Häuser in der Josephstraße als nicht erhaltenswert einstuft. „Die SPD hat sich mit diesem Gutachten gar nicht auseinandergesetzt“, kritisiert Ralf Niedmers, WHW-Vorstand und CDU-Bürgerschaftsabgeordneter. Gemeint ist Rainer Schünemann, Fachsprecher für Stadtplanung der Sozialdemokraten in der Wandsbeker Bezirksversammlung und Verfechter des Erhalts der Häuser. Als sich die Mieter, ausgerüstet mit WHW-Fahnen, Spruchbändern und Trillerpfeifen, in Richtung Wandsbeker Rathaus in Marsch setzen, wird der SPD-Politiker persönlich angegangen. „Wir sind hier, wir sind laut, weil Schünemann uns die Sozialwohnungen klaut“, skandieren die Demonstranten immer wieder. Am Eingang zum Bürgersaal haben sich einige Bezirkspolitiker zu einer kleinen Gegendemonstration versammelt, halten Schilder hoch wie „Josephterrassen retten!“

Besichtigung geplant


„Der Vorwurf, wir wollten Sozialwohnungen verhindern, ist absurd!“, kommentiert Rainer Schünemann die Demonstration. SPD und Grüne wollten den Neubau nicht blockieren, die alten Terrassenhäuser aber erhalten. „Zahlreiche Mails und Anrufe von Wandsbekern unterstützen uns dabei“, sagtt Schünemann. Die Genossenschaft zeige sich wenig kompromissbereit, sagt Oliver Schweim, Stadtplanungsexperte der Grünen. Er hat der WHW eine Querfinanzierung im Falle des Erhalts vorgeschlagen. „Es ist letztlich alles eine Frage des Geldes“, so Schweim. Der Gesprächsfaden solle nicht abreißen. Und so wird am Rande der Demonstration immerhin ein Besichtigungstermin in den in den Häusern in der Josephstraße vereinbart.
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