Der Denkstein

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Alfred Schiedat war von 1959 bis 2006 im Kirchenvorstand „Guter Hirte“. Foto: Nadler

Seine Geschichte, seine Bedeutung. Eine kleine Stadtteilkunde

Von Silke Nadler.
Jenfeld. Er steht da, im Sommer wie im Winter, er ruht, durch die Jahreszeiten, durch die Zeit. Und ist ein großer Zeitzeuge: der Denkstein am Platz Ecke Denksteinweg und Bei den Höfen.Sein Sockel ist gemauert, sein Haupt ist ein Granit-Findling. Auf ihm stehen Namen und eine Inschrift. Ein Trauerkranz ziert ihn, dessen weiße Schleife im Wind flattert.
Immer mal wieder bleiben Fußgänger am Wegesrand stehen, überqueren die Fahrbahn, um ihm näher zu kommen, um zu sehen, worum es sich handelt.
Auch wir wollten es genauer wissen. Was ist das für ein Stein, und woher kommt eigentlich der Name der Straße? Wer hat hier so ein Gebilde errichtet?

Granitfindling

Näheres zu erfahren, war gar nicht so einfach. Mehrere Experten wussten ebenso wenig wie wir. Helfen konnte dann allerdings Alfred Schiedat, langjähriger Vorsitzender des Kirchenvorstandes vom Guten Hirten:„Der Stein oben drauf wurde einst bei Bauarbeiten in der Feldmark Jenfeld gefunden. Am 4. Juni 1926 wurde er als Kopf des Ehrenmals von der Bürgerschaft des Dorfes Jenfeld als Denkmal für die gefallenen Jenfelder Soldaten des Ersten Weltkriegs eingeweiht.“
Der Denkstein und auch der Platz um den Stein werden heute von der Stadt gepflegt und baulich unterhalten. Die Inschrift für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges wurde nach 1945 von der Freien und Hansestadt Hamburg angebracht.
Jedes Jahr zum Volkstrauertag wird vom Kulturkreis  Jenfeld e.V. in einer Feierstunde ein Kranz zu Ehren der Toten  aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg am Gedenkstein angebracht.
Alfred Schiedat ergänzt: „In einer Festschrift zur 675-Jahr-Feier Jenfelds wird vom 4. Juli 1926 berichtet: Zum Andenken an die Gefallenen des Weltkriegs von 1914 bis 1918 wurde am Zusammentreffen der Straßen „Bei Den Höfen“ und „Kirstenkamp“ ein Granitfindling als Ehrenmal eingeweiht  und der „Kirstenkamp“ in „Denksteinweg“ umbenannt. Von 138 Dorfbewohnen, die zum Kriegsdienst einberufen worden waren, sind 42 gefallen oder vermisst, jeder dritte Kriegsteilnehmer kehrte nicht mehr zurück.“ Grund genug, diesem Stein und seinem Sinn mit Achtung zu begegnen. Anwohner berichten aber: „Manche Hundehalter benutzen diese Stelle als Hunde-Toilette, das ist schade.“ Andere haben beobachtet, wie Jugendliche den Stein als Treffpunkt benutzen und respektlos mit ihm umgehen: „Da wird drauf rum geklettert, gegen getreten, drauf gespuckt. Die kapieren nicht, worum es bei dem Stein geht. Wenn es allzu hoch her geht, rufe ich die Polizei“, berichtet eine Nachbarin. Die Polizei käme dann auch, sorgt für Ruhe und Ordnung.
Aber es gibt auch andere Beispiele. Kürzlich blieb eine alte Frau, Margrit Wilckens, ehrfürchtig vor dem Denkmal stehen und fragte eine junge Anwohner-Passantin, ob sie wisse, worum es sich handele; sie selbst könne schlecht lesen. Silke Arff las vor, was auf der Gedenktafel steht, sie sprachen über den Stein und beschlossen, im Frühjahr den Denkstein zu schrubben,ihn von Moos und dem Dreck der Zeit zu befreien. „Dieser Stein ehrt die Gefallenen. In einer nahen Familie von mir gingen vier Söhne in den Krieg, und drei kamen nicht wieder! Diese Männer brauchen ein Andenken!“, sagt Margrit Wilckens.
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