Der „Hunne“ muss zurück nach Berlin

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Nur noch wenige Tage in Wandsbek zu sehen: Der „Hunne zu Pferd“ vor der Schule Bovestraße Foto: Je
Hamburg. Seit 85 Jahren reitet der „Hunne“ in Hamburg. „Er gilt nach Meinung vieler Bewohner als das eindrucksvollste Kunstwerk Wandsbeks“, schreibt der Historiker Michael Pommerening in seinem Buch „Wandsbek - Ein historischer Rundgang“. Jetzt muss der „Hunne“ zurück nach Berlin. Er soll ein Schmuckstück der Museumsinsel werden.
Die letzten Jahre verbrachte der „Hunne zu Pferd“, wie er richtig heißt, auf einem Sockel vor der Schule an der Bovestraße. Die Bronzefigur des Bildhauers Erich Hösel (1869 – 1953) zeigt einen auf einem Pferd sitzenden hunnischen Krieger. Sein Pferd scheut vor einem am Boden liegenden Totenschädel. Die Berliner Nationalgalerie hatte das bedeutende Kunstwerk 1929 nach Hamburg ausgeliehen. Nun war der „Hunne“ lange genug in Wandsbek, finden die Verantwortlichen der Alten Nationalgalerie. Noch in diesem Monat wird er mit einem großen Lkw auf die Museumsinsel in Berlin gebracht.
Im Hintergrund der Aktion steht die Gefahr, dass der „Hunne zu Pferd“ geklaut und von Verbrechern eingeschmolzen werden könnte. In Berlin wurde bekannt, dass es in Hamburg in den letzten Jahren immer häufiger zu spektakulären Diebstählen von wertvollen Bronzefiguren kam. In Schrecken versetzt wurden die Verwalter des Berliner Kunstschatzes vor allem, als die gemeinen Bronze-Diebe nicht einmal davor zurückschreckten, den Bronze-Löwen „Triest“ von Hagenbecks Familiengrab auf dem Ohlsdorfer Friedhof zu klauen.
Weitere spektakuläre Diebstähle: Die nackte „Eva“ vor dem Ortsamt in Rahlstedt und „Der Redner“, der ebenfalls vom Ohlsdorfer Friedhof geklaut wurde. Aus dem Eichtalpark verschwand 2010 die Skulptur „Das junge Weib“ von Otto Stichling (1866-1912). Auch diese Bronze-Figur war eine Leihgabe der Berliner Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
„Der Hunne zu Pferd“ wurde 1895 von Erich Hösel erschaffen. Der preußische Minister für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung stellte das Kunstwerk im Jahre 1929 der Schule zur Verfügung. Vor acht Jahren wurde die Skulptur im Auftrag des Kulturamtes restauriert.
Der Bildhauer Erich Hösel wurde 1869 in Annaberg im Erzgebirge geboren. 1886 trat er der Kunstakademie in Dresden bei und wurde dort ein Atelierschüler von Johann Schilling. Auf seinen Studienreisen kam Hösel weit in der Welt herum. Neben seiner bildhauerischen Tätigkeit lehrte er an der Kunstakademie in Kassel. Im Jahre 1903 wurde er Leiter der Gestaltungsabteilung der berühmten Porzellanmanufaktur in Meißen. Hösels „Hunnenkrieger“ entstand um 1905 auch als rund 32 cm lange und 30 cm hohe Porzellan-Nachbildung. Heute ist diese Meißener Porzellanfigur ein begehrtes Sammlerobjekt.
Vor der Schule an der Bovestraße hatte Michael Pommerening eine Tafel aufgestellt, die das Kunstwerk erklärt, gleichzeitig aber auch auf den bedeutenden Schulbau verweist. Es war die erste Schule Wandsbeks nach dem Ersten Weltkrieg und typisch für den Hamburger Baustil unter Fritz Schumacher. Wenn der „Hunne zu Pferd“ nach Berlin geritten ist, will Michael Pommerening eine neue Gedenktafel vor der Schule anbringen. (je)
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