Der mühsame Wandel der Wandse

Anzeige
Zusammenfluss von Rahlau und Wandse beim Nordmarkteich Foto: je

Seit 30 Jahren pflegen Bachpaten das Gewässer

Von Martin Jenssen
Wandsbek/Tonndorf
Ein wichtiges Signal für den Schutz der Gewässer in Europa war die im Jahre 2000 erlassene „Europäische Wasserrahmenrichtlinie“, die vorschreibt, deren ökologischen Zustand zu verbessern. Viele Jahrhunderte war die Wandse für die Menschen ein „nützliches Gewässer“. Das Wasser wurde verschmutzt durch Mühlen und Fabriken. In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begannen die Maßnahmen zum Gewässerschutz, die gemeinsam von Stadt, Bezirk und ehrenamtlichen Helfern an der Wandse umgesetzt wurden. Bereiche wurden geschaffen, in denen sich seltene Tier- und Pflanzenarten wieder wohlfühlen. Die ehrenamtlich tätigen Bachpaten werden unterstützt von Verena Rabe (51), Bachpatenbetreuung in der Wasserwirtschaft im Bezirksamt Wandsbek. Das Wochenblatt besuchte mit der Expertin einige der idyllischen Plätze an Fluss und Bach.

Hoher Versiegelungsgrad

„Bereits 1986 wurden erste Bachpatenschaften übernommen, die an Wandse und Rahlau Müll beseitigen, Kiesbetten und umweltfreundliche Gewässerrandstreifen anlegten. Seit dem haben sich Schulen, Kitas, Vereine und Einzelpersonen engagiert“, erklärt Verena Rabe. Problematisch ist der hohe Versiegelungsgrad der Flächen in der Stadt, von denen das Regenwasser in angrenzende Gewässer geleitet wird. Das führt zu einer „Hochwasserwelle“, welche eine Belastung für die Lebewesen im Bach darstellt. Wichtig ist Regenwasser zurückzuhalten und Verdunstung und Versickerung zu fördern. Vorgeschaltete Rückhaltebecken ermöglichen dieses und geben auch in regenarmen Zeiten noch verzögert Wasser an den Bach ab. Kleine Maßnahmen der Bachpaten in der Bachsohle können die Situation für die Gewässertiere deutlich verbessern.

Seltene Vogelarten

Die vielfältige Gestaltung der Gewässer mit Strömungslenkern aus Steinen und Totholz sorgen für unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten und bieten Lebensräume für Kleinlebewesen wie Egel, Bachflohkrebs, Eintags- und Köcherfliegenlarven. Der Erfolg der Maßnahmen: Stichlinge, Bachschmerlen, Gründlinge und sogar Forellen leben in der Wandse. Auch seltene Vogelarten, wie der Eisvogel, fühlen sich dort heimisch. Auch Gewässerumfeld und Uferbereiche werden aufgewertet. So sorgen die Schwarzerlen in heißen Sommermonaten für Beschattung, so dass sich das Wasser nicht über 18 Grad aufheizt. Sorgen bereiten der Wasserwirtschaftlerin einige exotische Pflanzen (Neophyten), die die heimischen Pflanzen verdrängen wie der Riesen-Bärenklau. Die Bachpaten rücken auch ihnen zu Leibe und sorgen dafür, dass die Wandse ein Idyll für Spaziergänger bleibt.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige