Der Weg zur Einheit im Rückblick

Anzeige
Sie eröffneten die Ausstellung: Der stellvertretende Bezirksamtsleiter Frank Schwippert, Staatsministerin Aydan Özoguz (r.) und Iris Gleicke, Beauftragte der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer Fotos: Grewe

Ausstellung im Bezirksamt nimmt Phase der deutschen Geschichte in den Fokus

Von Elke Grewe
Hamburg. Es ist der 30. September 1989. Seit Wochen nimmt der Ansturm von DDR- Flüchtlingen, die in den Westen ausreisen wollen, vor der Deutschen Botschaft in Prag zu. Dann der Augenblick, auf den alle sehnlichst gewartet haben: Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher tritt kurz vor 19 Uhr auf den Balkon der Prager Botschaft und verkündet: „Ich bin heute zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise…“ Der Rest des Satzes geht im Jubel tausender DDR-Bürgern unter, die zum Teil schon Wochen auf ihre Ausreise warten. Einer von ihnen ist Frank Schröter aus Barth bei Stralsund. Er berichtet dem Hamburger Wochenblatt anlässlich der Ausstellung „Der Weg zur Deutschen Einheit“ im Bezirksamt Wandsbek: „Ich erinnere noch genau: Alle standen unter Schock, konnten die Nachricht gar nicht fassen. Mit einem Bus wurde ich dann erst nach Passau, dann zu Verwandten nach Wuppertal gebracht.“ Der 53-jährige Frührentner denkt noch heute mit Schrecken an sein Leben im DDR-Regime zurück: „Als Schüler wurde ich ein Jahr und drei Monate lang wegen Republikflucht inhaftiert. Meine neue Freiheit war ein unbeschreibliches Gefühl.“
Wie schwierig und unter welchem großen Einsatz des DDR-Volkes der Weg zur endgültigen deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 war, zeigen die 19 Plakate mit anschaulichen Bildern und Texten in der Ausstellung im Bezirksamt Wandsbek, die noch bis zum 31. Juli zu besichtigen ist. Eröffnet wurde sie von der Staatsministerin für Migration, Flüchtlinge und Integration Aydan Özoguz, der Parlamentarischen Staatssekretärin und Beauftragten der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer Iris Gleicke und dem stellvertretenden Bezirksamtsleiter Frank Schwippert. Schwippert hob in seiner Rede besonders den friedlichen Ablauf der größten Leipziger Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 hervor. „Damit hatte niemand gerechnet und das ist bis heute beispielhaft. Wir dürfen unsere Geschichte nicht vergessen. Deswegen ist diese Ausstellung so wichtig!“
„Wenn ich an die 25 Jahre, die in unter einer Diktatur in Thüringen lebte, denke, finde ich, wir haben in den letzten Jahren viel erreicht und den Rest schaffen wir auch noch“ , sagte Iris Gleicke in ihrer Rede. Sie hat, wie die meisten DDR-Bürger damals, vom Reisen geträumt: „Paris war immer mein Traumziel“, so die Politikerin. Heute ist sie begeisterte Italien-Urlauberin und lebt weiter in ihrem Heimatort Schleusingen in Thüringen.
Ein Plakat der Ausstellung widmet sich dann auch dem Thema „Die neue Freiheit. Visafrei bis Hawaii“. Spätestens im Sommer 1990, nach dem Mauerfall im Herbst und der Wiedervereinigung ein Jahr später, steht für viele DDR-Bürger der erste West-Urlaub an. „Nur wenige schaffen es dabei bis Hawaii, vielmehr stehen die Lüneburger Heide oder die bayerischen Alpen auf dem Programm. Andere nutzten die D-Mark, um mit dem Reisebus nach Paris, London oder Rom zu fahren. Nicht mehr die Obrigkeit, sondern die eigene Unternehmngslust sowie das Bankkonto entscheiden nun, wie weit die Welt offensteht.“ So ist auf dem Ausstellungsplakat weiter nachzulesen: „Reisefreiheit“ wird von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum „Wort des Jahres“ 1989 gewählt.
„Die Ausstellung ist ein wichtiger Beitrag zur Auseinandersetzung mit der Geschichte von Diktatur und Demokratie im Europa des 20. Jahrhunderts“, betonte Aydan Özoguz.

Bis 31. Juli im Bezirksamt Wandsbek, Schloßstraße 60, Mo - Mi 8.30-16 Uhr, Do 8.30-18 Uhr sowie Fr 8.30-13 Uhr für Besucher geöffnet. Der Eintritt ist frei
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige