Diagnose „manisch depressiv“: Ins Gespräch kommen

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Janine Heitmann leidet an Depressionen und geht mit dem Blog „Aus der Sicht“ an die Öffentlichkeit Foto: privat

Janine Heitmann, die selbst betroffen ist, betreibt einen Internet-Blog für depressive Menschen

Von Karen Grell
Wandsbek-Gartenstadt
Die Diagnose „Depression“ bedeutet für die Betroffenen häufig eine Zusammenfassung vieler offener Fragen, die ihr Leben bis dahin bestimmt haben, in einem einzigen Wort. Extreme Gefühle haben jetzt einen Namen bekommen, sind damit aber längst noch nicht unter Kontrolle gebracht. Janine Heitmann (33) kennt dieses Karussell der Emotionen und auch die Schwere der Erkrankung mit der Bezeichnung „manisch depressiv“, die auch als „Bipolare affektive Störung“ bekannt ist.

Krankheit hatte mich heftig im Griff

Um sich mit anderen austauschen zu können und auch das öffentliche Schweigen zu brechen, hat die junge Wandsbekerin im Internet einen eigenen Blog Aus der Sicht gegründet, auf dem Erkrankte in Kontakt treten können. „Die Krankheit hatte mich in den vergangenen Jahren so heftig im Griff, dass ich als kognitiver Pflegefall endete“, beschreibt die Wandsbekerin ihren Weg. Vor einem Jahr begann ihre Suche im Netz nach einer zeitgemäßen Seite für Betroffene.

Zwangloser Austausch

„Man findet viele Hilfestellungen in Foren und Blogs für Angehörige, zu selten jedoch für Betroffene“, stellte Janine fest. Vereine und Institutionen, die professionelle Hilfe anbieten, gäbe es jede Menge in Hamburg, ihr Wunsch war es aber, in angenehmer Atmosphäre mit Betroffenen ins Gespräch zu kommen, ohne gleich eine Gruppentherapie aufsuchen zu müssen. Keine Fahrtwege und die Erreichbarkeit zu jeder Tageszeit, haben auch andere schon von dem gerade erst im Juli eingerichteten Blog „Aus der Sicht“ überzeugt. Janine Heitmann möchte neben dem Austausch auch zur Aufklärung über die Krankheit beitragen, denn immer noch sei diese mit einem großen Tabu belastet. „Jetzt reiß dich doch mal zusammen“, sei immer wieder ein Satz, den Depressive zu hören bekommen.

Öffentlichkeit sensibilisieren

Janines größter Wunsch ist deshalb, den Betroffenen auch die Angst zu nehmen, sich in der Öffentlichkeit zu outen und ihr ständiges Leid zu thematisieren. „Ich habe in meinem Umfeld bisher eigentlich sehr positive Erfahrungen gemacht“, sagt sie. Noch seien die Nutzer ihrer Seite etwas zögerlich und statt Kommentare bekäme sie mehr Rückmeldungen per E-Mail. Für die nächsten Monate hofft Janine aber auf noch mehr Nutzer ihres Blogs und einen regen auch öffentlichen Austausch. „Ins Gespräch kommen bringt auch immer wieder ein ganzes Stück neue Stärke mit sich“.

Weitere Infos und Kontakt: Internet-Blog Aus der Sicht und Janine Heitmann auf Facebook
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