Die Baumskulptur neben der Kapelle

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Peer Oliver Nau (li.) und Matthias Habel an der Baumskulptur. Die Arbeiten werden noch fortgesetzt. Foto: rdm

Wie aus einer Roteiche ein Kunstwerk wird

Von Reinhard Meyer
Rahlstedt. Die Stürme im Oktober vergangenen Jahres stellten Matthias Habel, Geschäftsführer der Verwaltung des Rahlstedter Friedhofs, vor eine große Herausforderung: Die amerikanische Roteiche neben der Kapelle, durch Pilzbefall geschwächt, wurde so stark beschädigt, dass ein Fortbestand aus Sicherheitsgründen nicht möglich war. Mit ihren rund 125 Jahren war die mächtige Eiche Teil der Geschichte des Rahlstedter Friedhofs. Matthiass Habel suchte nach einer Möglichkeit, den Baum zu erhalten. Das Astwerk wurde bis auf den Stamm und tragende Äste entfernt. Er bat den Holzskulpturisten Peer Oliver Nau um den Entwurf für eine Baumskulptur, über den gemeinsam mit dem Kirchengemeindeverband abgestimmt wurde.
Das Kunstwerk
Welche Botschaft vermittelt diese monumentale Baumskulptur dem Besucher? In den Stamm hinein hat Peer Oliver Nau mit seiner Motorsäge Geschichten aus dem Leben hineingearbeitet: eine Frau mit Einkaufstaschen und tanzende Mädchen, dazu Rosen und Blätter. Die Ebene darüber soll weniger die Kreuzessymbolik andeuten, sondern - wie das Wölkchen rechts - den Übergang vom Sterben in den Himmel. Die Figuren oben stellen einen Mann dar der weiß, dass er gehen muss, und die Frau hinter ihm, die ihn halten will, aber nicht kann. Der überlebensgroße Spalt auf der Rückseite wird mit einem Schlitz versehenen – der Ewigkeitsbriefkasten. Er soll Briefe an die lieben Verstorbenen aufnehmen, sie fallen zu Boden und werden dort vergehen. Üblicherweise erwarten Trauernde auf einem Friedhof künstlerisch-religiöse Sinndeutungen vom Tod und einem Leben danach. Die Botschaft dieser kraftvollen Baumstruktur ist umfassender: Sie schließt das Leben ein. Der Standort so dicht am Eingang zum Friedhof erweist sich als Fügung: Die Trauernden stehen mit Staunen und Nachdenklichkeit vor der über die Zeit hinausweisenden Baumskulptur, die ihre schützenden Arme über sie auszubereiten scheint.
Seit vergangenem Herbst steht auf dem Kriegsgräberfeld Bernd Stöckers Christstatue vom leidenden Christus. Mit anspruchsvoll-künstlerischen Darstellungen, die sich mit dem auseinandersetzen, was Menschen auf dem Friedhof bewegt, möchte Matthias Habel die Öffentlichkeit auf den Rahl-stedter Friedhof aufmerksam machen.
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