Die Fledermäuse vom Rahlstedt-Center in Hamburg

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Noch halten die Fledermäuse Winterschlaf. Ende März, Anfang April werden die stark gefährdeten Tiere aktiv Foto: thinkstock
 
Hoch oben an der Fassade des Rahlstedt Centers an der Schweriner Straße sind Fledermauskästen montiert Foto: Möller

Seit sechs Jahren sind die Tiere in Nistkästen an der Fassade heimisch

Von Christa Möller
Hamburg. 14 Fledermausarten gibt es in Hamburg. Immerhin sechs davon fühlen sich rund um den Deepenhornteich in Meiendorf oder den Stauteich Höltigbaum wohl: Die Breitflügelfledermaus, der Große Abendsegler, die Zwergfledermaus, die seltene Zweifarbfledermaus, die Rauhhautfledermaus und die Wasserfledermaus, wie der Diplom-Biologe Holger Reimers von der Fachgruppe Fledermausschutz des Naturschutzbundes weiß. Aber auch mitten im Zentrum von Rahlstedt sind einige der geschützten Tiere mit etwas Glück zu beobachten. Hilfreich für ihre Ansiedelung sind spezielle Fledermaus-Nistkästen, die ihnen das Leben leichter machen. Wer die Fassade des Rahl-
stedt-Centers an der Schweriner Straße mal genauer betrachten, wird dort oberhalb des Eingangs zum Restaurant gediegene graubraune Kästen mit Schlitzen entdecken, deren Sinn sich dem Betrachter nicht unbedingt auf den ersten Blick erschließen will. Eine Rückfrage beim Center Management bringt Aufklärung: Die Kästen sind für die Fledermäuse und wurden 2008 angebaut. Hintergrund für die Montage der Kästen waren Naturschutzaspekte bei der Center-Sanierung.

Im April werden sie aktiv

„Hierzu haben wir als begleitende Fachplaner eine Umweltverträglichkeitsstudie sowie einen landschaftspflegerischen Begleitplan erstellt“, erläutert Landschaftsökologin Bea Sauer von Planula, Planungsbüro für Naturschutz und Landschaftsökologie in Hamburg. Darüber hinaus wurden unter anderem Nistkästen für Mauersegler aufgehängt, es erfolgte die Öffnung und naturnahe Gestaltung der Wandse in der Fußgängerzone nördlich des Centers sowie die Anlage von Teichen und Feuchtbereichen nördlich der Hagenower Straße. „Fledermäuse zählen gemäß Bundesnaturschutzgesetz zu den streng geschützten Arten. Zudem werden nahezu alle auf der Roten Liste in einer Gefährdungskategorie geführt. Weil bei der Sanierung der Immobilie Fledermausquartiere verloren gingen, mussten neue angebracht werden, um negative Auswirkungen auf die Fledermäuse zu minimieren“, erklärt Bea Sauer. Allerdings: Nicht überall funktioniert der Ausgleich auf Anhieb. „Fledermäuse wechseln zum Beispiel im Sommerhalbjahr häufiger ihre Quartierstandorte, unter anderem bedingt durch Sonneneinstrahlung und Erwärmung der Kästen. Daher werden in der Regel mehrere Kästen in räumlicher Nähe zueinander aufgehängt als nachgewiesene Plätze zerstört wurden, um den Tieren ein breites Spektrum an potenziellen Hangplätzen zu bieten und die Chance für eine Wieder-Ansiedlung zu verbessern“, weiß Bea Sauer, die bedauert, dass nur selten eine Überprüfung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen stattfindet, weil oftmals das Geld fehlt und die Naturschutzbehörden hoffnungslos überlastet seien. Holger Reimers, der an der Erstellung des Gutachtens beteiligt war, betont, dass auch die Fledermausarten, die nicht auf der roten Liste stehen, streng geschützt sind, „weil die Fledermäuse von Laien nicht zu unterscheiden sind.“

Gefährlich nur für Insekten

Gefährlich sind Fledermäuse übrigens nur für die Insekten und Spinnen, von denen sie sich ernähren. „Blutsaugende Arten gibt es in Europa nicht.“ Fledermäuse halten von Oktober/November bis März/April Winterschlaf, beispielsweise in Gebäuden oder im Freien unter anderem in Kaminholzstapeln. Fledermäuse bekommen normalerweise ein Junges, es gibt aber auch Zwillingsgeburten. Sie werden durchschnittlich vier bis acht Jahre alt, „einige Arten können aber auch weit über 20 Jahre alt werden“, so Reimers. Wer sich für die Tiere engagiert, kann sich freuen: Der Naturschutzbund zeichnet neue und auch schon bestehende „Fledermausfreundliche Häuser“ mit einer Plakette aus.

Infos im Internet unter nabu.de/tiereundpflanzen/saeugetiere/fledermaeuse
Verletzte Tiere melden unter dem Fledermaus-Nottelefon Tel.: 0700-35 33 37 62
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