„Die Wehr ist Familie“

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Natascha Wronski trägt den Helm mit der Nummer 2911 Foto: Rebaschus
 
Der Turm der Wache wurde saniert, damit die Fledermäuse nicht mehr gestört werden Fotos: reba

Natascha Wronski, Hamburgs einzige Wehrleiterin, wurde wiedergewählt

Von Matthias Rebaschus
Hamburg. Gemütlich wie auf dem Lande geht es in der Berner Kuhkoppel zu: Kleine Siedlungshäuser sind dort aufgereiht, umgeben von Grün. Kaum Autos in der schmalen Straße, himmlische Ruhe.
Doch es kann ganz schnell ungemütlich werden, wenn Hilfe in Not gefragt ist. Gut, dass am Ende der Kuhkoppel die Wache der Freiwilligen Feuerwehr steht. Und die Chefin wohnt nur wenige Schritte entfernt. Natascha Wronski ist Hamburgs erste und einzige Frau an der Spitze einer Wehr; sie wurde gerade im Amt der Wehrführerin für weitere sechs Jahre gewählt.
Eine fröhliche Frau, deren Lebensmittelpunkt hier in der Kuhkoppel liegt, in dem Quartier, das inoffiziell „Berner Siedlung“ heißt.  Die Fröhlichkeit breitet sich massiv in dem großen Raum ihres Häuschens aus: ein gemütlicher Tisch, etliche Stühle, Turngeräte  und viel Spielzeug für die zweijährige Tochter Kira. Natascha Wronskis Eltern wohnen  nur zwei Straßen entfernt. Vater Andre ist Chef aller 87 freiwilligen Feuerwehren in Hamburg und seit fast 40 Jahren bei der FF.  Bruder Alexander ist Maschinist bei der FF Berne. Er ist einer von 21 Männern und drei Frauen in der Wehr. „Er muss damit leben, dass ich ihm die Befehle gebe“, sagt die  31-Jährige, die im sonstigen Leben Optikerin ist.
Offensichtlich geht das Familiäre ganz wunderbar. Denn: „Die Wehr ist Familie. Ohne könnte ich nicht“, sagt Natascha Wronski knapp. Das bedeutet: 60 bis 80 Einsätze pro Jahr; von Haustieren, die von Bäumen gerettet werden müssen, über vollgelaufene Keller bis zum Großfeuer. „Hinzu kommen drei bis sechs  Stunden jede Woche Büroarbeit in der Wache“, sagt sie.
Die 1926 erbaute Wache aus roten Backsteinen passt zum Gartenlauben-Charme. Zwei Löschfahrzeuge stehen dort: Ein LF 16-12 und ein LF KATS Der Teich dahinter ist gepflegt und sauber wie alles. Im Turm hausen Fledermäuse. Briefkasten, Grillecke und Schautafeln zeigen auch, wie Kameradschaft mit Stolz gepflegt wird. Lebenspartner Mike ist kein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, doch er unterstützt Natascha Wronski aus Überzeugung. Natascha Wronski lächelt: „Anders geht es auch nicht.“
Schon als Kind hatte sie Spaß an der Feuerwehr. Der Vater nahm sie mit.  Familiär formuliert heißt das: „Er hat mich schon als Kleinkind reingehoben.“
Denn: „Feuerwehr ist für mich ganz normal, anders kenne ich es nicht“, sagt sie.  Mit elf Jahren trat sie der Jungendfeuerwehr Sasel bei, weil es in Berne keine Jugendfeuerwehr gab. Mit 18 Jahren wurde sie „aktives“ Mitglied, wurde Gruppenführerin, Maschinistin, Kraftfahrerin Klasse C und Jugendwartin. Zu Chefin wurde sie vor sechs Jahren gleich im ersten Wahlgang mit Zweidrittelmehrheit gewählt. Und die Männer in der Wehr?
„Die verstellen sich nicht, wenn ich da bin, das hat sich eingespielt“, sagt sie blickt lächelnd auf ihre bunten, langen Fingernägel, und dann ändert sich ihre Stimme, wird knapp: „Ich kann auch anders.“ Sie meint: auf den Tisch hauen, was „manchmal nötig“ sei. Doch dann lächelt sie wieder: „...wirklich nur manchmal.“
Die „Eff-Eff“ mit ihren Ehrenamtlichen unterstützt die Berufsfeuerwehr. Freiwillig ohne Lohn. Auch ohne Angst? „Ja, wir sind Kameraden. Auf alle kann ich mich hundertprozentig verlassen.“ Auch bei Großfeuern. Vor zehn Jahren war sie unter den 150 Einsatzkräften, als eine Lagerhalle brannte. Die Flammen und die Rauchsäule waren kilometerweit zu sehen. Nach Stunden hatte die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle und die Nebengebäude gerettet.
Der Stolz auch auf die heimelig-schöne Wache an der Kuhkoppel schwingt in jedem Satz mit. „Im Winter haben wir den Turm saniert, damit wir die Fledermäuse nicht stören.“
Ihr Helm Nummer 2911 hängt neben Stiefeln und Jacke ganz rechts an der Wand hinter dem LF 16/12. Und ihr Platz im  Feuerwehrauto?
„Ich sitze vorn auf dem Beifahrersitz“, sagt sie. Und lächelt dann: „Manchmal fahre ich auch selbst eine  Einsatz.“
Wer mal reinschnuppern will: Die Jugendfeuerwehr ist montags ab 18 Uhr im Feuerwehrhaus (Kuhkoppel 24) Ansprechpartner für die Jugend ist Michael Knabe (mobil: 0162 36 46 875). Die aktive Wehr ist jeden ersten und dritten Montag  im Haus.
Es gibt auch einen Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Berne unter der Leitung von Andre Wronski. Im Verein kann jeder helfen, der nicht aktiv sein will. (reba/wb)

Kontakt über die Internetseite ff-berne.de oder Tel.: 644 03 86
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