Die Ziegenflüsterin

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Svenja Furken bei einer Kuschelpause mit ihren Milchziegen Foto: Keil/wb

„Zärtliche Tiere“: Svenja Furken bietet Wanderungen über Höltigbaum an

Von Manuela Keil
Bezirk Wandsbek Sie liegen friedlich im Gras und strahlen eine große Ruhe aus. Die neun Thüringer Wald Ziegen sind Vertreter einer alten Haustierrasse, die in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kurz vor dem Aussterben stand. Sie sind in jeder Hinsicht eine Überraschung: Größer als die Ziegen, die der Besucher aus Streichelzoos kennt, stupsen sie den Besucher nicht oder bedrängen ihn nach Futter. Die seltenen Milchziegen, mit ihrer ungewöhnlichen weißen Fellzeichnung im Gesicht, lassen sich anstandslos anfassen. Es scheint, als würden sie die Berührungen genießen.
„Das sind sehr zärtliche Tiere“, sagt Svenja Furken, die seit zwei Jahren geführte Touren mit ihren Ziegen anbietet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern seit neun Jahren auf einem Hof am Rande von Ahrensburg.

Auf die Natur
aufmerksam machen

„Mein Hauptanliegen ist es, auf die Natur aufmerksam zu machen“, so die 40-Jährige. Sie hat sich in der Vergangenheit ehrenamtlich als Vogelwartin im Naturschutzverein Jordsand engagiert und später mehrere Jahre für die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein in einem Forschungsprojekt im Naturschutzgebiet Höltigbaum gearbeitet. Dorthin führen sie auch ihre Trekkingtouren mit den Ziegen. Kinder und Erwachsene erfahren dabei viele neue Dinge über die Natur. Sie erhalten auf den vier Kilometer langen Wandertouren naturkundlichen Unterricht oben drauf. Wurden die Wanderungen anfangs etwas zögerlich angenommen, werden sie mittlerweile gut nachgefragt. Neben einigen öffentlichen Touren bietet Svenja Furken auch individuelle Gruppenführungen an. Dreimal die Woche zieht sie dann mit Ziegen, Eltern und Kindern von ihrem Hof aus los. Nach einigen Metern werden die Ziegen abgeleint. Sie bestimmen im weiteren Verlauf das Tempo der Wanderung.
Für viele Teilnehmer, die bestimmte Ziele mit diesem „Trekkingtermin“ verbinden und eine möglichst große Strecke schaffen wollen, ist das ungewohnt. „Gerade die Städter sind fasziniert von der Natur im Höltigbaum und von den Ziegen“, sagt Svenja Furken, die zudem Schafe - 16 ostpreußische Skudden, ebenfalls eine alte Haustierrasse sowie bretonische Zwergschafe und Hühner - hält. „Es ist nur ein Hobby. Wollte man von Schafen leben, bräuchte man 800 Tiere“, fügt sie hinzu.
Spricht Svenja Furken über ihre Tiere und ihr Engagement für alte Haustierrassen, spürt man ihre Leidenschaft. „Es ist ein Drama, wenn alte Haustierrassen aussterben. Diese Tiere liefern wertvolle Genressourcen. Früher hatte jede Region ihre eigene Rinderrasse. Dies ergab ein buntes Bild sowie eine riesige genetische Vielfalt. Heute gibt es nur wenige auf Milch oder Fleisch spezialisierte Rassen. Somit wäre eine weltweite Seuche ein Desaster – auch für den Menschen.“
Übrigens nimmt Svenja Furken, die einige ihrer Ziegen auch an Fahrgeschirr und einen kleinen Wagen gewöhnt hat, am kommenden Sonntag, 29. Juni, im Museumsdorf Volksdorf um 11 Uhr am Pferde- und Bauernumzug teil.
Anlass ist der Festtag Johannishöge und Schafschur. Weitere Infos unter www.wanderziege.de (wb)
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