Die Zukunft der Thomaskirche

Anzeige
Die Thomaskirche an der Meiendorfer Straße ist die zweitälteste evangelische Kirche in Rahlstedt Foto: rdm
 
Anwohner, Nutzer und Kirchenkreis diskutieren über die Zukunft des Kirchengebäudes Foto: rdm
Hamburg: Meiendorfer Straße |

Das Experiment in Meiendorf geht weiter: Kirche und Besetzer diskutieren

Von Reinhard Meyer
Meiendorf
Die vom Kirchenkreis Hamburg Ost geduldete Nutzergruppe der Thomaskirche hatte am 7. Juni rechtsverbindliche Voraussetzungen für einen Mietvertrag und Klärung der Finanzierungsfrage bis zum 31. Juli zugesagt (das Wochenblatt berichtete). Sie hat diese Zusagen nicht eingehalten. Der Kirchenkreis hat die Frist nun auf unbestimmte Zeit verlängert. Theo Christiansen, vom Kirchenkreis mit dem Mandat der Verantwortung für die Thomaskirche beauftragt, hatte die Anwohner am 31. Juli in die Thomaskirche eingeladen, um ihnen zu erklären, wie es weitergehen soll. Gekommen waren auch Propst Hans-Jürgen Buhl und Pastor Johannes Calliebe-Winter vom Kirchengemeindeverband Rahlstedt. Etwa 30 interessierte Besucher hatten im Saal des Gemeindehauses Platz genommen.

Kirche seit 2016 ungenutzt

Christiansen skizzierte vorab kurz die Veränderungen der Thomaskirche in den vergangenen Jahren: Aufgabe durch die Gemeinde Meiendorf-Oldenfelde aus Kostengründen, Umwidmung in die Jugendkirche mit neun Trägergemeinden, Schließung der Jugendkirche im Oktober 2016, weil sich die Mehrheit der Gemeinden aus dem Projekt zurückgezogen hatte. Seitdem war das Gemeindehaus ungenutzt. Theo Christiansen sieht sich nun mit dem Problem eines langen Leerstandes der Thomas-Kirche konfrontiert. Für ein solches, nicht mehr genutztes Gebäude besteht die Gefahr der Vernachlässigung.

„Ein Experiment für beide Seiten“

Seine Sorge wird durch Propst Buhl bestätigt: „Es gibt in Hamburg keinen Markt für eine Kirche dieser Größe“, betont er. Daher sei die Reaktion auf die Besetzung der Thomaskirche am 4. Juni eher pragmatisch bestimmt gewesen. Man habe überlegt, ob ein Übereinkommen mit den Nutzern möglich wäre, das ihnen die Nutzung der Thomaskirche zu für den Kirchenkreis verantwortbaren Bedingungen auf Zeit erlaubt. Nach Christiansen sind die Nutzer jetzt im Gespräch mit einem Rechtsanwalt, um die Frage einer Vereinsgründung zu klären. Diese Klärung soll im Herbst abgeschlossen sein. Dieser neue Verein wird dann der Partner des Kirchenkreises sein. „Ein Experiment für beide Seiten“, kommentiert Propst Buhl.

Anwohner: Angst vor zweiter Flora

Die Nutzer waren mit etwa zehn jungen Menschen vertreten. Während manche Anwohner deren soziales Engagement lobten, fürchteten andere eine zweite Rote Flora mit „rechtsfreien Räumen und brennenden Autos“. In seinem Schlusswort machte Propst Buhl deutlich, dass er in der Bereitschaft zu starkem sozialem Engagement der Nutzer eine gewisse Nähe zu christlichen Werten sehe. Er verlangte jedoch von der Nutzergruppe, das Banner mit dem Wort „Besetzt“ von der Kirchenfassade zu entfernen. Die Stimmung unter den Besuchern der Thomaskirche am Ende des Abend: „Es bleibt ein Unbehagen.“

Lesen Sie auch: Thomaskirche in Meiendorf weiter besetzt

Lesen Sie auch: Meiendorf: Ex-Jugendkirche besetzt

Lesen Sie auch: Jugendkirche von Hamburg Ost geschlossen
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige