Diskussion über US-Wahl mit Schmidt-Tochter

Anzeige
Susanne Schmidt-Kennedy (l.), Johannes Thimm und Aydan Özoguz diskutieren über Donald Trump Foto: rg

Susanne Schmidt-Kennedy, Aydan Özoguz und Johannes Thimm sprechen über Trump in Jenfeld

Von Rainer Glitz
Jenfeld
„Die Befürworter des Brexit haben die Abneigung gegen Einwanderung genutzt, Ängste und Neid geschürt“, sagt Aydan Özoguz. Ähnlicher Populismus habe auch die US-Wahl beeinflusst, so die Wandsbeker SPD-Bundestagsabgeordnete vor den geladenen Gästen in der Helmut-Schmidt-Universität. Sie hatte eigentlich zur Podiumsdiskussion zum Thema EU-Austritt Großbritanniens und nicht zur US-Wahl zwei Tage zuvor eingeladen. Doch schnell wird klar: Das spannendere Thema ist der Überraschungssieg des Immobilien-Milliardärs Donald Trump gegen die Favoritin Hillary Clinton. Ehrengast ist die Wirtschaftsjournalistin Susanne Schmidt-Kennedy, Tochter von Altkanzler Helmut Schmidt. Die Veranstaltung findet nicht nur an der nach ihm benannten Hochschule statt, es ist auch noch dessen erster Todestag. Sie sei am Tag nach der US-Wahl gerade aus dem Bett gekommen, als sie vom Triumph Trumps hörte, sagt Susanne Schmidt-Kennedy: „Ich dachte zuerst, mein Mann macht Witze.“ Der Brexit sei nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was nun auf Europa zukomme, so die Wirtschaftsjournalistin, die seit Jahrzehnten in England lebt. „Jetzt werden auch in Europa andere Populisten gefeiert, wir müssen uns auf ein raues Klima vorbereiten“, glaubt auch Aydan Özoguz. „Ich habe zwar an einen Sieg Clintons geglaubt, aber alles war möglich“, sagt Johannes Thimm, Amerika-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik. Trump habe seine Positionen oft gewechselt. „Ich wage keine Prognose, was von Trumps Versprechen ernsthaft durchgesetzt wird“, so der USA-Experte. Das gelte für angedrohte Strafzölle genauso wie das künftige Engagement Washingtons in der NATO oder die Gesundheitsreform. „Die Kohleförderung wieder zu verstärken, ist jedenfalls keine gute Idee“, sagt Thimm. Sollte Trump Milliarden für neue Brücken, Straßen und Schulen ausgeben, könne dies sogar Jobs schaffen. Trump könne aber nicht gleichzeitig Steuern senken und die Staatsverschuldung abbauen, ist sich Thimm sicher. Die Angst vor den Konsequenzen der Globalisierung und dem Wegfall von Industriearbeitsplätzen hätten die Wahl womöglich entschieden, erklärt Susanne Schmidt-Kennedy: „Die Sorgen gibt es auch in Großbritannien oder Deutschland, und das nicht ganz unbegründet.“ Die Sicherheitslage ändere sich durch Trumps Wahl. „Die EU muss sich jetzt zusammenraufen“, so die Wirtschaftsjournalistin. Allein: Es fehle die Einigkeit.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige