Dunkle Aussichten für Anwohner

Anzeige
Hildegard Segler ist über den Hallenneubau direkt vor ihrer Nase verärgert Foto: Sichting

Nachbarn der Stadtteilschule Bramfeld verärgert über Hallenneubau. Was die Behörde sagt

Von Mathias Sichting
Bramfeld
Die Freude über die neue Sporthalle war bei den Anwesenden des Richtfestes im November 2014 groß. Für sechs Millionen Euro entsteht auf dem Gelände der Stadtteilschule Bramfelder Dorfplatz, auf dem die alte Brandruine abgerissen wurde, ein zweigeschossiger Zubau mit Unterrichtsräumen (das Wochenblatt berichtete).
Als Anwohnerin Hildegard Segler aus dem benachbarten Trittauer Amtsweg den Artikel über das Richtfest las, war ihr nicht zum Lachen zumute. Mit dem Neubau wuchs an der Grundstücksgrenze des Mehrfamilienhauses der Rentnerin eine braun-schwarze Klinkerwand. Die nahe Fassade beeinträchtigt den Ausblick. Weniger Tageslicht dringt in die Räume der 68-Jährigen.

Wann wurde geplant?


„Hier in Bramfeld sagt man, dass der Plan für die neue Halle schon fertig in der Schublade gelegen haben muss. Man wartete angeblich nur noch auf den Abriss der alten Halle. So schnell geht das doch sonst mit der Planung nicht. Für einen Radweg werden ja schon 20 Jahre geplant, ganz zu schweigen von einer U-Bahnanbindung Bramfelds“, sagt Hildegard Segler. Diese Vermutung entkräftet Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde, der der Landesbetrieb Schulbau Hamburg (SBH) unterstellt ist: „Mit der Planung wurde im Januar 2013, also vier Monate nach dem verheerenden Brand der alten Halle, begonnen. Baubeginn war der 1. März 2014.“
Hildegard Segler steht in ihrem Wohnzimmer und blickt an ihren Pflanzen vorbei durch das große Glasfenster nach draußen. Die Fassade des Neubaus füllt das Blickfeld aus. Ohne den rustikalen Kronleuchter und dem Deckenfluter neben der Couch ist es in dem Raum neuerdings dunkel. Die braun-schwarze Fassade der Sporthalle schluckt das Licht im Trittauer Amtsweg.
„Wir haben im Vorfeld keine Informationen oder Ankündigungen über den Bau erhalten. Plötzlich stellen die uns so einen schwarzen Kasten vors Fenster. Die alte Turnhalle stand ja noch bestimmt zehn Meter zurück, daneben der Sportplatz. Das war in Ordnung“, so die 68-Jährige wütend. Seit 2009 wohnt sie im Trittauer Amtsweg. Warum „das neue Gebäude unbedingt eine so dunkle Fassade bekommen musste und so nah an die Grundstücksgrenze gesetzt wurde“, versteht sie bis heute nicht. „Ich weiß nicht, was das mit dem Schwarz soll. Da freuen sich doch nur die Graffiti-Künstler, die hier in Zukunft chillen“, vermutet Hildegard Segler. Die Bauarbeiten im zurückliegenden Sommer beschreibt die gelernte kaufmännische Angestellte als unerträglich. „Die haben sogar sonnabends ab 6.30 Uhr gearbeitet. Ich bin wegen des Lärms täglich in den Stadtpark oder den Volksdorfer Wald geflüchtet. Das war ja kein Zustand“, schimpft die Rentnerin. Mit dem Schullärm hat sie sich arrangiert. Das gehöre eben dazu, wenn man neben einer Schule wohnt.
„Wenn die Wohngegend schon im Wert gemindert wird, muss aber in Zukunft wenigstens Ruhe sein. Eine Pausenhalle mit Freitreppe gibt es ja jetzt“, so Segler. Auch ihre Nachbarin Hermine Joujan (76) muss, um den Himmel ein wenig zu sehen, ans Fenster oder auf den Balkon treten. „Das ist richtig deprimierend. Manche Nachbarn glauben ja noch, dass der ,Bunker‘ gestrichen wird“, so die Rentnerin aus dem Erdgeschoss. Sie wohnt seit 29 Jahren im Trittauer Amtsweg und ist mit der neuen Wohnsituation nicht mehr zufrieden.
Der SBH bringt Licht in die Sache. „Eine Beteiligung von Nachbarn im Zustimmungsverfahren wurde nicht vorgenommen. Die für den Beginn der Maßnahme erforderlichen öffentlich-rechtlichen Genehmigungen liegen allesamt vor“, weiß Daniel Stricker. „Der Abstand zur östlichen Grundstücksgrenze zum Mützendorpsteed beträgt an der schmalsten Stelle etwa fünf Meter. Im Norden zum Trittauer Amtsweg sind es vier Meter. Die baurechtlich vorgeschriebenen Abstände wurden nicht nur eingehalten, sondern sogar nicht einmal ausgenutzt. Die Fassade wird nicht mehr gestrichen.“ Hildegard Segler, Hermine Joujan und den anderen Nachbarn im Trittauer Amtsweg wird das nicht gefallen. Sie werden in Zukunft mit dem neuen Ausblick leben müssen. „An uns hat bei der Planung keiner gedacht. Ich habe sehr gerne hier gewohnt, aber jetzt bin ich nur noch betrübt“, sagt Hermine Joujan.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige