Ehrenpreis für Hamburger Bad-Retter

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Die Barsbütteler Schwimmhalle. 700 Kubikmeter Wasser fasst das große Schwimmbecken
 
Georg Thies setzt sich seit vielen Jahren lang für den Erhalt der Barsbütteler Schwimmhalle ein Foto: Christa Möller

Georg Thies kämpfte für den Erhalt der Barsbütteler Halle – mit Erfolg

Hamburg. Für sein ehrenamtliches Engagement hat die Gemeinde Barsbüttel Georg Thies Ende Oktober en Ehrenpreis der Gemeinde verliehen. Sein Verdienst ist nichts Geringeres als der Einsatz für eine ganz besondere Freizeiteinrichtung, die Barsbütteler Schwimmhalle.
Wenn Thies im 28 Grad warmen Wasser seine Runden dreht, ist es in der Schwimmhalle noch recht übersichtlich. Zweimal die Woche ist der Senior bereits morgens um sechs Uhr hier aktiv. Aus gesundheitlichen Gründen zieht er dabei das Rückenschwimmen vor. „Als Vierzehnjähriger habe ich mir das in der Lehmkuhle zwischen Berne und Rahlstedt selbst beigebracht“, erzählt er. Aufgrund seiner Berufstätigkeit kam er immer früh morgens in die Schwimmhalle. Dort kam ihm 1997 zu Ohren, dass die 1977 erbaute Halle geschlossen werden sollte. 830.000 D-Mark Verlust waren der Gemeinde zuviel. „Die Grünen haben damals plakatiert: „Rettet die Schwimmhalle“ und eine Bürgerinitiative gegründet. Der habe ich mich angeschlossen“, sagt Georg Thies. Später wurde aus der Bürgerinitiative ein Förderkreis, es wurden Unterschriften gesammelt und ein Bürgerbegehren eingereicht – erfolglos. „Dann haben wir ein Konzept entwickelt und erreicht, dass die Gemeindevertreter gesagt haben, das sollten wir probieren.“ Die Idee dahinter sah einen rein ehrenamtlichen Einsatz vor, um die „enormen Personalkosten“ einzusparen. „Die Wasseraufsicht haben wir an Schulen und Vereine delegiert, das übernehmen Lehrer und Übungsleiter.“ Für den privaten Badebetrieb wurde die DLRG um Hilfe gebeten.
Am 1. August 1998 wurde die Halle nach fast acht Monaten wieder geöffnet. In der Anfangsphase war Georg Thies 180 Stunden im Monat im Einsatz – im Schwimmbad oder Zuhause am Computer. „Das war praktisch ein Fulltime-Job“, sagt der 75-Jährige, der auch den Vorsitz des neu gegründeten Fördervereins Schwimmhalle Barsbüttel übernommen hatte. Mehrere Regalmeter Aktenordner haben sich im Laufe der Jahre angesammelt – stumme Zeugen eines überaus engagierten Einsatzes. Heute ist Christian Wienke erster Vereinsvorsitzender.

Rettungstaucher trainieren im Bad

Kreis und Landesregierung unterstützten das Barsbütteler Projekt nicht - im Gegensatz zu vielen örtlichen Politikern und Verwaltungsmitarbeitern. Angespornt habe ihn der Ausspruch einiger Kritiker: „Das schaffst du nicht.“ Nun gerade, sagte er sich. Heute ist die Schwimmhalle sieben Tage in der Woche geöffnet. Freizeitschwimmer, Kinder der Barsbütteler sowie umliegender Schulen – auch aus Hamburg - und Vereinsmitglieder profitieren von dem Einsatz der inzwischen etwa 60 Ehrenamtlichen, die für den reibungslosen Badebetrieb sorgen. Mittlerweile ist ein Schwimmmeister eingestellt worden und nach dem Ausstieg von Georg Thies vor sechs Jahren auch eine Verwaltungskraft. Zu 35 Prozent wird die Halle öffentlich genutzt, zu 46 Prozent von Vereinen und zu 13 Prozent durch die Schulen. Die noch freien Kapazitäten werden beispielsweise durch Hamburger Vereine genutzt. Die Gemeinde Barsbüttel zahlt jährlich 115.600 Euro Zuschuss. Immerhin 50.000 Schwimmer wurden im vergangenen Jahr gezählt, die Höchstzahl liegt bislang sogar bei 60.000. „Wir sind ein reines Sportbad mit fünf Bahnen á 25 Meter“, sagt Georg Thies, der sich „seinem“ Schwimmbad noch immer verbunden fühlt. Da verwundert es wenig, dass auch die Rettungstaucher der Hamburger Berufsfeuerwehr hier trainieren. Und „der FC Voran Ohe ist einer unserer größten Vereine, der hier regelmäßig Wettkämpfe veranstaltet.“
Eine Million Euro hat der Verein, der im Laufe der Jahre diverse Sanierungsmaßnahmen in Angriff genommen und unter anderem die Fliesen rund ums Schwimmbecken, das Hallendach sowie Pumpen, Filter und Lüftungsanlagen erneuert hat, dank guter Wirtschaftsführung schon investieren können. Der Förderverein ist längst Vorbild für andere Gemeinden. Doch nicht alle schaffen, was in Barsbüttel gelang. 330 Mitglieder zählt der Verein aktuell. Einer der langjährig Engagierten ist der zweite Vorsitzende Karl-Heinz Becker, der seit dem Neustart jeden Dienstag von sechs bis acht Uhr die Aufsicht bei den Frühschwimmern führt.Der gebürtige Hamburger Georg Thies, der seit 1970 in Willinghusen lebt, freut sich mit seiner Frau Gertrud über die gewonnene Freizeit, ist aber selbstverständlich noch Vereinsmitglied und steht immer wieder gern zur Verfügung, wenn er beratend helfen kann wie bei technischen Fragen zur Beckenheizung. (cm)

schwimmhalle-barsbuettel.de
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