Ein „Baum des Lebens“ in Hamburg

Anzeige
Der Lebensbaum auf dem Rahlstedter Friedhof ist ein buntes und fröhliches Kunstwerk Foto: Sichting

Skulptur wird am Freitag auf dem Rahlstedter Friedhof eingeweiht

Von Mathias Sichting
Hamburg. 125 Jahre lang stand die Amerikanische Roteiche auf dem Rahlstedter Friedhof in unmittelbarer Nähe zur roten Backsteinkapelle. Der Baum wurde zum Wahrzeichen für einen der schönsten Friedhöfe Hamburgs. Eine schwere Pilzerkrankung hatte vor Jahren die Wurzeln stark geschädigt und den unteren Stammbereich komplett ausgehöhlt. Die Folge: Das Absterben großer Kronenbereiche. Ein Baumsachverständiger bescheinigte der Eiche eine Stand- und Bruchsicherheit bis ins Jahr 2015. Starke Stürme gaben der ausgedünnten Krone aber vorzeitig den Rest. Ein anderthalb Meter langer Riss führte letztlich zur Fällung der 125 Jahre alten Eiche.
In den vergangenen zwei Jahren hat der Holzbildhauer Peer Oliver Nau aus den Resten des Stammes eine Skulptur geformt. Am kommenden Freitag, 25. April soll das Kunstwerk um 17 Uhr eingeweiht werden.
„Jeder hat eine andere Vorstellung von dem Danach - ich möchte die Hoffnung nähren, dass es dem Verstorbenen nicht schlecht geht. Vielleicht sogar die Idee, dass man zu Ihnen kommen kann, wenn die Zeit so weit ist“, erzählt Peer Oliver Nau über die Idee zu seinem Lebensbaum. In den großen Hohlraum in und unter der Eiche können beispielsweise Briefe an Verstorbene eingeworfen werden. Nur eines von vielen aufwendig gestalteten Details.
Pastor Johannes Calliebe-Winter freut sich darüber, dass mit dem Kunstwerk aus einem absterbenden Baum etwas neues geschaffen wurde. „Der Glaube an die Wiederauferstehung ist die Grundhoffnung unseres Christseins“, so Calliebe-Winter. ,,Das neben dem stillen Gespräch am Grab nun auch der Briefkasten im Baum zum Gespräch mit den Verstorbenen genutzt werden kann, bereichert unseren Friedhof sehr und ermöglicht besonders Familien eine neue Möglichkeit mit der Trauer umzugehen‘‘, so der Pastor weiter.
500 Stunden hat Peer Oliver Nau an dem Baum des Lebens gearbeitet. Zum Teil mit einer Kettensäge. Ein ungewöhnliches Werkzeug für die Arbeit auf einem Friedhof. Um so erstaunlicher ist das detailverliebte Ergebnis. „Das Besondere an dem Kunstwerk: Es ist bunt, es ist fantastisch, es wurde mit einer lauten Kettensäge ausschließlich vor Ort gefertigt“, erklärt Nau stolz. Die regelmäßige Arbeit auf dem Friedhof hat ihn sehr geprägt. „Mit Rahlstedt verbindet mich jetzt meine Arbeit. Rahlstedt ist ein Stadtteil, der Hamburg zu Hamburg macht“, schwärmt er abschließend von seinem langjährigen Arbeitsort auf dem wunderschönen Rahlstedter Friedhof.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige