Ein bewegtes Leben

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Helene Regler war in jungen Jahren eine aparte Schönheit. Ihre Ausstrahlung behielt sie bis ins Alter Foto: privat/wb

Hamburgs älteste Akrobatin Helene Regler mit 107 Jahren gestorben

Bramfeld Sie ist der Beweis dafür, dass Beweglichkeit für ein langes Leben sorgt. Körperlich und geistig. Als Akrobatin bereiste Helene Regler einst die ganze Welt, wurde unter anderem im Hamburger Hansa Theater gefeiert. Munter war sie auch als alte Dame in den vergangenen zwei Jahrzehnten, die sie im Max-Brauer-Haus in Bramfeld verbrachte. Jetzt ist Helene Regler dort im Alter von gesegneten 107 Jahren für immer eingeschlafen.
Im Mai 2014 hatte sie noch mit strahlendem Lächeln ihren 106. Geburtstag im Kreis von Betreuern und Mitbewohnern gefeiert. Wer Helene Regler in ihrem geradezu biblischen Alter so fröhlich sitzen sah, ahnte vielleicht, dass die weißhaarige Frau im Rollstuhl eine besondere Vergangenheit hat. Dass sie „Hamburgs älteste Akrobatin“ war, wie das Abendblatt 2008 bewundernd schrieb, wussten diejenigen, die sie schon länger kannten.

Artistik im Blut


Helene Regler stammte aus einer Artistenfamilie aus der Nähe von Hannover. Im Varieté, dem Unterhaltungsprogramm des 19. Jahrhunderts, wuchs sie auf. Nach dem ersten Weltkrieg startete die Karriere von Helene, genannt „Lisa Lisett“, auf der Reeperbahn. In den Zwanziger Jahren wurde sie als „Elastic Lady“ berühmt, tourte durch viele Spielstätten in Europa. Bis in die Dreißiger Jahre gab es gute Verdienstmöglichkeiten, wenn sie vor den Bauarbeitern der neuen Autobahn auftrat. Dann die „schlimme Zeit“, wie sich Helene Regler später erinnert, der Zweite Weltkrieg. An die Front musste sie, „zur Soldatenbelustigung“, wie sie es einmal gegenüber der Reporterin vom Hamburger Abendblatt ausdrückte.
Nach dem Krieg startete sie gemeinsam mit ihrem Mann, einem Artistenkollegen aus Bayern, durch. Es war Liebe auf den ersten Blick gewesen, als sich die beiden zufällig in einem Hotel in Königsberg an der Rezeption trafen. Dass Ludwig und seine Helene am selben Tag im Jahr 1908 geboren waren, erschien wie eine glückliche Fügung. Und war der Vorbote für eine lange, erfüllte Ehe, die Privates und Berufliches vereinte. Eine Liebe in der Manege des Lebens.

Trauerfeier am 19. Juni


Das Paar lebte in einem Reihenhäuschen in Bramfeld, bis zum Umzug 1994 in die Obhut des Max-Brauer-Hauses. Ihr Mann starb 2005, Helene Regler beeindruckte die Mitarbeiter des Seniorenheims durch ihre fröhliche Art und ihre Körperbeherrschung bis ins höchste Alter. (sta)

Am 19. Juni um 13 Uhr wird es eine Trauerfeier für Helene Regler im Friedhof in der Berner Chaussee 50 – 56 geben
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