Ein Kitchen-Coach mit Herz

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Kitchen Coach Ursula Amelang ist mit Begeisterung für die Jugendlichen aktiv Foto: wb

Ursula Amelang aus Oldenfelde kocht mit jungen Flüchtlingen

Von Christa Möller
Oldenfelde
Ursula Amelang kocht zuhause in Oldenfelde jeden Tag – aber nicht besonders gern, wie sie sagt. Dass sie trotzdem zweimal monatlich noch außer Haus zum Kochlöffel greift, und das mit großer Begeisterung, das hat einen besonderen Grund. Als „Kitchen Coach“ assistiert sie regelmäßig in der Erstversorgungseinrichtung an der Stargarder Straße. Ein Aufruf der Gruppe OH:JA (Oldenfelde hilft jugendlichen Asylbewerbern) hatte sie angesprochen. In der Unterkunft leben rund 50 jugendliche männliche Flüchtlinge zwischen 14 und 18 Jahren aus Eritrea, Afghanistan, Irak, Iran, Syrien. Sie gehen zur Schule und haben Deutsch-Förderunterricht, bekommen psychologische Betreuung, verpflegen sich selbst und müssen dabei mit wenig Geld auskommen. Unterstützung beim sparsamen Wirtschaften bieten zweimal wöchentlich die „Kitchen Coaches“, werden doch von der Behörde pro Kochtag nur 1,50 Euro pro Kopf für maximal zehn Personen als Zuschuss gewährt. Gewürze bringt Ursula Amelang auch schon mal von zuhause mit, sie hat längst gelernt: „Die Jugendlichen essen gern scharf – aber für Süßes sind die meisten auch zu haben.“ Das Kochen ist kein Pflichtprogramm, wer Lust und Zeit hat kommt. Bis zu zwölf junge Leute nehmen an der Mahlzeit teil, am vorherigen Kochen beteiligen sich immer zwei bis drei, die von jeweils zwei „Kitchen Coaches“ angeleitet werden. Sie will den Jugendlichen, die ein schweres Schicksal erlitten haben, „einfach nur ein wenig Normalität vermitteln.“ Ihr bringt der Kontakt zu den Jungs großen Spaß, und das Vergnügen ist beidseitig. „Wenn einer etwas erzählt, hören wir zu, aber wir fragen nicht nach.“ Manche seien witzig, manche still, manche lebhaft, manche desinteressiert – aber immer freundlich. Die Jungs kommen gern, wenn ihr Zeitplan das zulässt.“ Was auf den Tisch kommt, ist auf alle Fälle fleischlos. „Halal einzukaufen ist schwierig“, sagt Ursula Amelang. Also gibt es beispielsweise Gemüsesuppe und als Nachtisch Waffeln und Datteln. Oder Couscous mit Gemüse und Obstsalat. Oder Rahmspinat mit Rührei und Salzkartoffeln. Spinat? Für die Flüchtlinge? Da musste erstmal ein visuelles Wörterbuch Arabisch-Deutsch zu Rate gezogen werden, das erste Hilfe bei der Kommunikation bietet. „Sabanich!“ Die meisten mochten das unbekannte Gericht. Fremd war ihnen auch der Sparschäler, mit dem die Wurzeln geschält werden sollten. Wurzeln? Wieder half das Büchlein. „Karotten kennen sie“, weiß Ursula Amelang jetzt. Nur der norddeutsche Ausdruck war den Jungs nicht geläufig. Und wie schält man nun mit Sparschäler? Der erste Versuch war schmerzhaft, jetzt klappt auch das. Ursula Amelang, die gemeinsame Reisen mit ihrem Mann ebenso genießt wie geführte Stadtspaziergänge, Ausflüge, Theater- und Konzertbesuche, ist seit etwa fünf Jahren als Leselernhelfer beim Verein Mentor aktiv und Mitglied beim Sozialwerk „Milchkanne“ des Bürgervereins, dem auch ihr Mann angehört. Nach dem Ruhestand hatte die ehemalige Bankkauffrau eine ehrenamtliche Einsatzmöglichkeit gesucht. Ausschlaggebend war der Gedanke: „Wenn mein Sohn auf Hilfe angewiesen wäre und eine Mutter in einem anderen Land helfen würde, dann wäre ich auch froh.“

Infos zur ehrenamtlichen Tätigkeit für minderjährige Flüchtlinge beim Landesbetrieb Erziehung und Beratung: www.hamburg.de/basfi/start-soziale-verantwortung/
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4 Kommentare
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Rainer Stelling aus St. Georg | 08.06.2016 | 09:26  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 12.06.2016 | 20:04  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 13.06.2016 | 14:11  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 13.06.2016 | 17:32  
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