Ein Leben für den Gast

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Jahrzehntelang begrüßte und verabschiedete Fiete Dreyer als Chefportier die Gäste des Grand Hotel Elysée Fotos: Dagmar Gehm
 
Eigentümer Eugen Block gratuliert seinem treuen Mitarbeiter zum Jubiläum

Fiete Dreyer ist seit 25 Jahren Chefportier im Hotel Grand Elysée Hamburg

Von Dagmar Gehm
Rotherbaum Wenn sie ihn entdecken in seiner roten Uniform mit den goldenen Tressen und Knöpfen, so würdevoll, so aufrecht, scheint auch durch die Gäste ein Ruck zu gehen. Vielleicht, weil sie sich durch seinen Anblick daran erinnert fühlen, dass trotz aller Lockerheit, die in den Luxushotels Einzug gehalten hat, der Gast noch immer König ist und sie diese royale Haltung auch selbst zum Ausdruck bringen sollten. Wenigstens für einen kurzen Moment.

Nur selten noch sieht man Fiete Dreyer vor dem 5-Sterne-Superior Hotel Grand Elysée Hamburg. Der Chefportier hat seine Tätigkeit vor zwei Jahren in ein Büro im Inneren verlagert. Trotzdem, die Uniform trägt der 77-Jährige nach wie vor mit Stolz. „Fiete, das geht so nicht“, soll sein Chef, Hoteleigentümer Eugen Block, gesagt haben, als sich Dreyer nach Beendigung seines Einsatzes am Eingang der eleganten Dienstkleidung entledigt hatte. „Du musst wieder Uniform tragen.“ „Ich war froh darüber“, berichtet das Urgestein im Grand Elysée Hamburg am Dammtor, „denn viele Stammgäste, die mich jetzt an der Tür vermissen, lassen anrufen, um mich zu begrüßen.“ Obwohl sein richtiger Vorname Friedrich lautet, nennen ihn die meisten Fiete.

Als Lagermeister und Staplerfahrer hatte er gearbeitet, bis ihn ein Arbeitsunfall ausbremste und er unter 14 Bewerbern beim Elysée ausgewählt wurde. Vom Garagenwart zum Chefportier, von der Tür ins Büro. Als Institution des heutigen 511-Zimmer-Hauses konnte er nicht einfach von der Bildfläche verschwinden. Das sah auch Unternehmer Eugen Block so und erfand eigens für seinen langjährigen Mitarbeiter eine neue Stelle, die es vorher nicht gab. Zweimal pro Woche für je einen halben Tag. Innerhalb des Mitarbeiterrats muss er sich nun um die Belange der Azubis kümmern, als Sprachrohr zweier Welten, die er selbst aus dem Effeff kennt. Eine Tätigkeit, die ihm am Herzen liegt. „Aufhören? Warum?“, meint der gefragte Rentner. „Ich nehme doch niemandem den Arbeitsplatz weg“.
Eugen Block weiß den loyalen Mitarbeiter zu schätzen: „Fiete
hat immer für das Unternehmen gedacht“, lobt ihn der Chef. „Er war pünktlich und stets da, wenn er gebraucht wurde.“ Klingt nach einem guten Arbeitszeugnis, aber das braucht der 77-Jährige nicht mehr. „Viele Gäste hat er auf Augenhöhe begrüßt“, fährt Eugen Block fort, „oft einen schlagfertigen Spruch abgegeben, damit sie gleich beim Eintreten die heitere Atmosphäre des Hauses spürten.“
Welche Eigenschaften ein guter Portier außerdem benötigt? „Er muss mit Menschen umgehen können. Freundlichkeit und Respekt sind wichtig, Diskretion die oberste Pflicht!“ Denn Fiete Dreyer könnte endlos aus dem Nähkästchen plaudern. Doch nur einige Anekdoten lassen sich ihm entlocken.

Viele Geschichten aus dem „Nähkästchen“


Wie das Erlebnis mit dem Gast, der seine Ehefrau im Hotel vergaß, was ihm erst auffiel, nachdem der Portier ihn angerufen hatte. Schmunzelnd erinnert er sich auch an die arabische Prinzessin, „die bei ihrer Anreise drei Koffer dabei hatte und bei ihrer Abreise 18. Außerdem pflegte sie im Nichtraucherzimmer zu rauchen, so dass der Feuermelder ansprang und regelmäßig die Feuerwehr anrückte. Auf den Hinweis, dass die Einsätze sehr teuer seien, antwortete die reiche Raucherin trocken: „Die Feuerwehr muss auch leben!“ – und paffte weiter. Nicht immer hat der Portier selber Trinkgeld bekommen. Egal – „ich habe jeden genauso freundlich behandelt. Das gehört zur Routine.“

Viele Künstler hat er kennengelernt, die ihre Werke unter der Schirmherrschaft von Christa Block in der „Galerie im Elysée“ ausstellen. Den Großen dieser Welt ist er begegnet, Helmut Schmidt hat er Kaffee gebracht, als er auf seinen Chauffeur wartete, nach Konzerten von Udo Jürgens säckeweise Blumen versorgt, mit Schauspieler Heinz Reincke Platt geschnackt. Dann war da noch der Berliner Schauspieler, der mit seiner Freundin im Elysée abstieg, was wiederum der Ehefrau missfiel, die deren Tasche in seinem Auto entdeckte. Es bedurfte einigen Geschicks von Fiete Dreyer, die Geliebte aus dem Zimmer in ein Taxi zu schleusen, das er in die Garage bestellt hatte und ihre Tasche unauffällig aus dem Auto zu entfernen. Trotzdem verließen beide Eheleute das Geschehen mit zerkratzten Gesichtern und wurden seither nie wieder gesehen.
Unvergesslich auch die Marotte eines bekannten Sportmoderators, der während einer Fußball-WM vom Hotel aus zu Analysen zugeschaltet wurde. An seiner Kleidung, die im Zimmer hing, hatte seine Frau überall eine Notiz angebracht: Zum Beispiel ‚NDR‘ mit jeweiligem Datum. Damit ihm auch ja kein modischer Fauxpas passieren konnte.

„Die vergangenen 25 Jahre waren die schönsten meines Lebens“, sagt der Witwer, der privat in Horn wohnt. „Ich hoffe, dass ich es körperlich schaffe, noch ein paar Jahre so weiterzumachen.“ Und irgendwie verabschiedet Fiete Dreyer die Gäste des Grand Hotel Elysée dann doch noch persönlich. Zumindest wenn sie mit ihrem Auto aus der Garage rollen. In Lebensgröße wünscht er ihnen bei der Ausfahrt auf einem leuchtenden Display „Aufwiederbuchen!“
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