Ein Paradebeispiel für Integration

Anzeige

Die Nachbarschaftsmütter von Hohenhorst helfen Familien und Flüchtlingen im Alltag

Von Christa Möller
Hohenhorst
So multikulti wie der Stadtteil sind auch die Ehrenamtlichen, die sich hier engagieren – beispielsweise für das niedrigschwellige Angebot Nachbarschaftsmütter Hohenhorst. Die Frauen bieten Müttern und Familie kostenlose Hilfe an, stammen aus elf verschiedenen Ländern: Türkei, Afghanistan, Ghana, Marokko, Mali, Libanon, Ägypten, Tunesien, Nigeria, Polen und Deutschland und sprechen Arabisch, Paschtu, Twi, Farsi und Efik. So können die 17 Frauen bei Arztbesuchen oder Behördengängen sowie im Schulbereich als Sprachmittlerinnen agieren. Vor ihrem Einsatz haben alle eine Schulung absolviert und dafür ein Zertifikat bekommen. Mit allen Frauen gab es Erstgespräche, wobei die hohe Bildungsmotivation deutlich wurde, wie Sozialpädagogin Wiebke Meyer berichtet, die das im März 2014 gestartete Projekt gemeinsam mit Kollegin Yukiko Takagi-Possel koordiniert. „Wir sind mit der Beratungsstelle „Auf Kurs“ Ende 2011 im „Haus am See“ gestartet“, sagt sie. „Eine unserer Arbeitsaufgaben war es, das Ehrenamt im Stadtteil zu fördern.“ Vorbild für das durch Spenden finanzierte Projekt Nachbarschaftsmütter, dessen Träger der Verein „Erziehungshilfe“ ist, waren die ähnlich konzipierten „Inselmütter“ in Wilhelmsburg. Renata Sakarya, 45, aus Polen engagiert sich in der schulischen Elternarbeit und leitet einen Nähkursus an der Schule Potsdamer Straße. „Wir sind eine große Familie, helfen uns gegenseitig“, sagt die Mutter von drei Kindern. Das sagen auch ihre Mitstreiterinnen: Amele Delphine Ayivon, aus Togo, die 41-jährige hat drei Kinder zwischen fünf und elf Jahren, ist über eine Freundin zum Projekt gekommen. Die Afghanin Lisa Hamidullaa, 42, ihre Kinder sind zwischen sieben und zwölf Jahre alt, suchte einen kleinen Job, hat über das Projekt viel Wissen und Kontakte gewonnen. Isabel Flores, 43, aus Honduras, Mutter von fünf Kindern zwischen neun und 16 Jahren, hat viel gelernt über das hiesige Schulsystem. Für sie war es unter anderem interessant, etwas über Stressbewältigung zu erfahren. Als sie vor Jahren nach Deutschland kam, hätte auch sie gern etwas mehr Unterstützung gehabt. „Deswegen bin ich hier.“„Wir haben festgestellt, dass die Nachbarschaftsmütter auch einen eigenen Entwicklungsprozess durchlaufen“, stellt Yukiko Takagi-Possel fest. So hat eine beispielsweise eine Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin abgeschlossen. Viele berichten, dass sie aus der eigenen Isolation herausgetreten sind, ihr Selbstbewusstsein stärken und über die Nachbarschaftsmütter viele Kontakte knüpfen konnten. Einige haben das Projekt im Laufe der Zeit aus unterschiedlichen Gründen verlassen, deshalb gab es jetzt eine neue Schulungsgruppe, an der Renata Sakarya und weitere sechs Frauen erfolgreich teilgenommen haben. „Zu den Aufgaben der Nachbarschaftsmütter gehört es, die Familien über das deutsche Bildungs- und Gesundheitssystem zu informieren“, erklärt Wiebke Meyer. Sie sind damit ein Paradebeispiel für gelungene Integration. Im Rahmen ihrer dreimonatigen Schulung, die 80 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten umfasste, haben die Nachbarschaftsmütter alle rund zwanzig relevanten Einrichtungen im Stadtteil kennengelernt, darunter Grundschulen, Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen und Mütterberatungsstellen, ebenso wie die beiden Bürgernahen Beamten. Außerdem unterstützen sie die Flüchtlingsarbeit im Stadtteil. Die Nachbarschaftsmütter haben Sprechzeiten an den Grundschulen im Stadtteil und beim Gesundheitsamt in Wandsbek, wo sie Beratung auch auf Arabisch und Twi anbieten können. Im Mai werden über 330 Familien an der Grunewaldstraße erwartet, dort werden erste Informationen ebenso willkommen sein wie der Sprachfundus, den das Projekt anbieten kann, wie Wiebke Meyer weiß. Die Nachbarschaftsmütter, die für ihr Engagement eine Aufwandsentschädigung bekommen, dürfen bis zu 21,5 Stunden pro Monat aktiv sein. Pro Jahr erreichen 20 Nachbarschaftsmütter rund 100 Familien – ein Erfolg, der – nicht nur – die beiden Koordinatorinnen freut.

Die Nachbarschaftsmütter über die Beratungsstelle Auf KURS im Haus am See, Schöneberger Straße 44, Telefon 668 51 41 11. Sprechzeiten: dienstags, 15-17 Uhr, donnerstags 10 – 12 Uhr
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige