Ein schlechtes Geschäft für die Stadt

Anzeige
Das Wandsbeker Rathaus wurde 2006 verkauft und zurück gemietet Fotos:Glitz

Die Linke in Wandsbek kritisiert Verkauf des Rathauses vor sieben Jahren

Wandsbek. Das Gebäude des Bezirksamtes hat eine wechselvolle Geschichte. Als „Stormarnhaus“ war es in den Jahren 1922/23 nach Plänen des bekannten Architekten Fritz Höger errichtet worden. Bis 1943 blieb es Sitz der Kreisverwaltung Stormarn. 1949 wurde es zum Bezirksamt Wandsbek, das zuständig ist für 411.000 Einwohner. Im Jahr 2006 wurde das repräsentative Wandsbeker Rathaus mit knapp 12.000 Quadratmetern Fläche vom damaligen CDU-Senat zusammen mit 35 weiteren städtischen Gebäuden verkauft. So sollten Sanierungskosten gespart und Einnahmen für Investitionen erzielt werden, die Gebäude wurden zurückgemietet. Das Bezirksamt gehört seit Dezember 2010 der Bayernfonds Immobilienverwaltung in München, einer Tochter der Bayerischen Landesbank.
Die aktuellen Besitzverhältnisse hatte die Wandsbeker Bezirksfraktion der Linken bereits im Sommer vom aktuellen SPD-Senat erfahren und noch einmal nachgehakt. Eine kleine Anfrage der Rahlstedter Bürgerschaftsabgeordneten Dora Heyenn ergab, dass die Gebäude Schloßstraße 60 und Robert-Schumann-Brücke 8 einen Verkehrswert von 11,9 Millionen Euro hatten. Die Jahresmiete liegt bei mittlerweile einer guten Million Euro, wobei es eine Mieterhöhung von insgesamt neun Prozent gab. Bis Ende 2018 seien die Einnahmen der Stadt so aufgefressen, befürchtet Julian Georg, Vorsitzender der Linksfraktion in der Wandsbeker Bezirksversammlung. „Ab 2019 dürfte die Stadt rechnerisch etwa eine Million Euro Verlust pro Jahr machen. Hier wird der Irrsinn der Privatisierung besonders deutlich“, kritisiert Georg. Mit der Summe könnte sehr viel für die soziale Infrastruktur des Bezirkes getan werden. „Stattdessen verschenken wir das Geld an einen privaten Immobilienfonds“, so der Bezirkspolitiker weiter. Der Bayernfonds verspricht nach Angaben der Linken eine Ausschüttung von 5,5 Prozent pro Jahr.
Die Instandhaltungskosten für das Wandsbeker Rathaus muss der Mieter, also die Stadt, tragen. Größere Baumaßnahmen müssen laut Vertrag mit dem Vermieter abgestimmt werden. Die Stadt trug dabei bislang den Großteil der Kosten, etwa beim Einbau eines zusätzlichen Aufzuges im Innenhof des Bezirksamtes. Der Mietvertrag endet im Mai 2031, ein Rückkaufsrecht wurde vom CDU-Senat nicht vereinbart. So gebe es für den aktuellen Senat auch keine Möglichkeit, den Vertrag zu ändern, kritisiert Georg. Fazit: Kein gutes Geschäft für Hamburg. (rg)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige