„Ein sinnerfülltes Leben trägt einen durchs Alter“

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Alida Gundlach im Kreis „ihrer „Hunde. Mit dem TV hat sie abgeschlossen, doch eine Tiersendung würde sie gerne moderieren Foto: H. Ohge
 
Mike war schwer traumatisiert und musste einen Maulkorb tragen

TV-Moderatorin Alida Gundlach über ihren Verein „Tierwork“. 2014 möchte sie einen Not- und Gnadenhof eröffnen

Von Silvia Stammer
Hamburg. Gutes zu tun, hält jung: Dafür ist Alida Gundlach, flotte 70, das beste Beispiel. Als Moderatorin vor allem durch die NDR-Talkshow bekannt, der sie 18 Jahre lang ein Gesicht gab, engagiert sie sich seit langem privat dort, wo Hilfe gebraucht wird. Das WochenBlatt sprach mit Alida Gundlach über ihren Verein „Tierwork“, Pläne und warum es gut tut, für andere da zu sein.

WochenBlatt: Frau Gundlach, waren Sie heute schon mit Ihrem Hund spazieren?
Gundlach: Klar, bei uns zu Hause geht jeder Tag los mit dem Versorgen von Hunden, Katzen und Schafen. Bis vor kurzem hatte ich noch fünf Hunde, alles ältere Tierschutzhunde, derzeit sind es zwei.

WB: Wie groß ist Ihr Herz für Tiere?
Gundlach: Riesig! Wobei in den letzten Jahren meine Schwerpunkte des sozialen Engagements in anderen Bereichen lagen, im Bereich Umwelt, Senioren oder Kinder – ich bin immer noch Botschafterin der MitKids-Patenschaften der Ehlerding-Stiftung. In der Krebshilfe habe ich mich engagiert, weil mir das als Betroffene auch ein Anliegen ist. Schon meine Großeltern brachten mir bei, dass man abgeben soll, also gab ich immer meinen Zehnten, wie es im Mittelalter hieß. Aber um Tiere habe ich mich schon früher gekümmert.

WB: Warum haben Sie dann Ihren eigenen Tierschutzverein gegründet?
Gundlach: In allen Bereichen hat sich etwas bewegt. Entweder wurden die Gesetze verbessert oder es gab mehr Hilfe. Nur im Tierschutz ging es in den letzten 40 Jahren stetig bergab. Wir hatten in Europa bereits ein Tierschutz-Gesetz, das Streunertötungen verbot. Dieser Passus ist in neun europäischen Ländern gestrichen worden, Streunertötungen sind inzwischen gang und gebe. In Ostblockländern, Spanien oder Italien werden neue Tötungsstationen aufgebaut, um möglichst viele streunende Tiere qualvoll umzubringen.

WB: Aber Sie hätten sich doch auch in bestehenden Vereinen mehr einbringen können?
Gundlach: Bis 2011, vor der Fußball-EM in der Ukraine, habe ich an Tierschutzvereine gespendet oder kostenlos für sie den Hamburger Tierschutzverein moderiert. In der Ukraine musste ich dann sehen, wie Streunertiere mit Haken und Netzen eingefangen und lebendig in Schredder und Öfen geworfen wurden, mit Genehmigung der ukainischen Regierung. Mord für Sport! Nur um die Straßen für Touristen zu „säubern“. Was ich da gesehen und gehört habe, die Schreie, die Bilder, das vergesse ich nie mehr.

WB: Gab es keinen Protest der Tierschützer gegen diese grausamen Aktionen?
Gundlach: Auch einige deutsche Tierschutzorganisationen waren spektakulär vor Ort mit sogenannten Klinomobilen: Sie haben Streuner von der Straße gefangen, sie kastriert und am Fundort wieder ausgesetzt. Natürlich groß von den Medien begleitet. Zehn Minuten später kamen die ukrainischen Mörder und steckten die Tiere in den Schredder. Solche Aktionen waren gut für eine Spenden-Aufruf-Maschinerie, aber die Hunde wurden doppelt gequält. Da habe ich beschlossen, selbst etwas zu unternehmen, auch wenn ich nur einzelne Tiere rette. Inzwischen konnte ich mit meinem Team in 14 Monaten 106 Tiere befreien und unterbringen.

WB: Schildern Sie ein Beispiel…
Gundlach: Wir erhielten einen Hilferuf aus Bochum. Ein junger Schäferhund wurde bei Ebay angeboten. Wenn er nicht verkauft würde, sollte er eingeschläfert werden. Ihm ging es ganz dreckig. Eine sektenähnliche Gruppe hatte ihn schwer misshandelt und gefoltert. Er war als Welpe aus Polen geholt worden und vegetierte zwei Jahre lang in einem Zwinger. Der arme Kerl wusste: Jedes Mal, wenn die Tür aufgeht, kommen Schmerzen. Er war abgemagert, zitterte und knurrte. Zu Dritt haben wir ihn in einer Nacht- und Nebel-Aktion dort rausgeholt.

WB: Ist so ein Tier noch zu retten?
Gundlach: In Deutschland winkten alle Tiertherapeuten ab: Mike – so heißt er - hätte seine Prägephase im schlimmsten Zustand verbracht, sei nicht sozialisierbar und könnte nur eingeschläfert werden. Für mich wäre aber die Tötung dieses zweijährigen Hundes wie eine Bankrotterklärung gewesen. Dann hätten diese Sadisten ihr Ziel erreicht und ein Lebewesen vernichtet. Mit Mühe fand ich ein Schweizer Therapiezentrum, das ihn unter anderem mit einer sogenannten Welpentherapie behandelt hat. Und vor zwei Wochen konnte er in eine tolle Familie vermittelt werden.

WB: So eine Behandlung ist bestimmt sehr teuer?
Gundlach: Alles zusammen hat 8000 Euro gekostet. Manche sagen: du bist verrückt, soviel Geld für ein Tier auszugeben! Aber danach hat dieses von Menschen gemarterte Lebewesen eine komplett normale Zukunft.

WB: Kann es dann auch bald Alida Gundlachs Tierhof geben?
Gundlach: Ja, das stimmt, wir haben sogar schon ein Objekt im Auge, in der Nähe von Harburg. Wir brauchen aber nicht nur den Hof, sondern auch den Unterhalt für zwei Jahre, das alles kostet sehr viel Geld. Zu gern würden wir unseren Not- und Gnadenhof 2014 eröffnen, bis dahin möchten wir weiter Geld sammeln und Menschen zum Mitmachen gewinnen.

WB: Derzeit läuft die bundesweite Woche des bürgerschaftlichen Engagements. Warum tut es gut, anderen zu helfen?
Gundlach: Es gibt viele Menschen, die nicht nach links und rechts gucken, egozentrisch dahinleben, und oft ein sinnentleertes Leben führen. Das ist traurig. Ich glaube, dass man so auch viel schneller altert. Ich bin 70 und merke nichts davon. Ein sinnvolles, erfülltes Leben trägt einen, auch durchs Alter. Den Menschen, die sagen, „das Elend hört nie auf, wo soll man denn anfangen?“ antworte ich: beim ersten Schritt.

INFO:

Alida Gundlach, Tochter einer Italienerin und eines Niederländers, machte seit den 70er Jahren Karriere in Radio und Fernsehen, moderierte bis 2002 die NDR-Talkshow. Heute lebt die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen mit ihrem Mann Burckhard in der Nordheide südlich von Hamburg. Dort hat auch der Verein Tierwork mit derzeit rund 300 Mitgliedern und 15 ehrenamtlichen Helfern seinen Sitz. Der Jahresbeitrag beträgt 50 Euro. Tierwork hat großzügige, prominente Unterstützer wie Carlo von Tiedemann, die Schriftstellerin Charlotte Link, Wolfgang Joop, die Schauspieler Nina Hoger und Ralf Bauer.
Weitere Infos unter www.tierwork.de (Spendenkonto: tierwork e.V., Volksbank Jesteburg, BLZ: 240 603 00, Kto: 490 2218 000)
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