Ein Tor verkürzt den Weg

Anzeige
1
Durch dieses Tor können Kinder und Jugendliche der Flüchtlingsunterkunft jetzt die Erich Kästner Schule erreichen. Dafür sorgten acht Zehntklässler, ihr Leiter Jörg Kowalczyck (vorn) und die Leitung der Flüchtlingsunterkunft Foto: ch

Bertini-Preis für Erich Kästner Schüler und ihren Zugang zum Flüchtlingsheim

Von Christian Hanke
Farmse
n Sie haben einen Zaun eingerissen, ein Tor einsetzen lassen und damit einen Durchlass für Flüchtlinge geschaffen - von einem Gelände, auf dem im Dritten Reich geistig und körperlich Behinderte, Homosexuelle und damals sogenannte Asoziale untergebracht waren. Mit dem Projekt „Zäune einreißen“, das heutige Flüchtlingshilfe mit Erinnerung an die Nazizeit verbindet, haben acht Schülerinnen und Schüler aus zehnten Klassen der Erich Kästner Schule einen Bertini Preis für junge Menschen mit Zivilcourage gewonnen.
Neben der Erich Kästner Schule befindet sich eine Flüchtlingsunterkunft. Viele Kinder und Jugendliche dieser Unterkunft an der August-Krogmann-Straße werden nebenan unterrichtet. Weil aber ein Zaun die beiden Einrichtungen trennte, müssen die Flüchtlingskinder einen 15-minütigen Umweg in ihre Schule zurücklegen.
Schulsozialarbeiter Jörg Kowalczyk regte die Zehntklässler an, den Zaun einzureißen. In bester Kooperation mit der Leitung der Flüchtlingsunterkunft baute Fabian Knöpfel, der Hausmeister der Unterkunft, ein gelernter Tischler, ein Holztor in den Zaun ein, an der Stelle, an der sich bereits ein verschlossenes Tor befand, durch das einst die Insassen des Nazi-“Versorgungsheims“ zur Feldarbeit ausrücken mussten. Nun nutzen es Flüchtlingskinder, um unterrichtet zu werden und am Nachmittag von Schülern der Erich Kästner Schule bei den Hausaufgaben unterstützt und betreut zu werden. Das Projekt soll weitergehen. Eine alte Garage wollen die Schülerinnen und Schüler in eine Begegnungsstätte umbauen – für Veranstaltungen und Nachmittagsbetreuungen, in der auch die Geschichte des Geländes dokumentiert werden soll.

Bertini-Preis:
Der Bertini-Preis wird an junge Menschen verliehen, die sich für ein solidarisches Zusammenleben in Hamburg engagieren. Der Name geht zurück auf den Roman „Die Bertinis“ , des Hamburger Schriftstellers Ralph Giordano (1923-2014), in dem er die Verfolgung und Erniedrigung, die viele Hamburger in der Nazi- Diktatur erlitten, geißelt. Die Preisverleihung ist alljährlich am 27. Januar, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Er wurde zum 17. Mal verliehen. (wb)
Anzeige
Anzeige
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
1 Kommentar
1.240
Elke Noack aus Rahlstedt | 03.02.2015 | 21:04  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige