Eine Bayerin auf der Wandsbeker Wiesn

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Reporterin Silvia Stammer bat fürs Foto zünftige Öjendorfer Burschen vor den Süßwarenstand (v.r.): Tom, Mario, Andreas, Mikel und Martin in Lederhos’n und Karohemd Foto: mdt
 
Centermanager Frank Klüter beim Fassanstich. Bis 3. Oktober dauert die Wandsbeker Wiesn Foto: mdt

Eindrücke einer eingewanderten Hamburgerin im weiß-blauen Festzelt

Wandsbek Seit mehr als 20 Jahren lebt die Journalistin Silvia Stammer (49) in Hamburg. Was die gebürtige Bayerin unter anderem an der Hansestadt so mag, ist die Chance, immer wieder Neues zu entdecken. Auch beim Feiern. Die Wiesn und bayerische Volksfeste kennt sie von Kindesbeinen an. Aber eine Wiesn in Wandsbek?
Hier ihre Eindrücke vom ersten Besuch: Traditionen aus der Heimat sind richtig geil. Das merkt man aber manchmal erst, wenn man woanders lebt und in der neuen Heimat immer öfter auf Altbekanntes trifft. Weiß-blaue Deko, Haxn, Festbier, Live-Musik: Was ich als gelebtes Brauchtum aus Bayern kenne, ist im Norden als Party-Kultur angekommen.
Für den Premierenbesuch auf der Wandsbeker Wiesn habe ich mich in ein schwarz-rotes Dirndl geworfen. Das ist kein politisches Statement, sondern der überschaubaren Zeit beim Einkaufsbummel geschuldet. Dabei ist die Auswahl riesengroß: War es früher höchstens im Trachtenfachhandel in Alsternähe möglich, im Herbst ein Dirndl zu kaufen, bieten jetzt von der Boutique bis zum Kaufhaus viele Geschäfte fesche Klamotten an.
Das Festzelt auf dem Wandsbeker Markt wirkt von außen eher unscheinbar und klein. Dabei bietet es 1.200 Plätze. Und drinnen – Respekt! Geschmackvoll weiß-blau, eine bekannte bayerische Brauerei liefert das Festbier, das Essen vom Leberkäs bis zur Haxn ist appetitlich links vom Eingang in großen Glasvitrinen angerichtet. Die „Wilden Engel“ spielen schon kräftig auf, bevor Quarree-Manager Frank Klüter mit dem Fassanstich die 16-Tage-Gaudi offiziell eröffnet. Gleich noch ein ganz großer Pluspunkt fällt ins Auge: den Hamburger Männern stehen Lederhos’n und Karohemd supergut! Richtige norddeutsche Mannsbilder sind das.
Ob Klüter oder die Öjendorfer Burschen, die ich vorm Zuckerwaren-Stand um einen Fototermin bitte, ob Geschäftsfreunde, Medien-Kollegen oder Festwirt Christian Kostiuk: Guat schaut’s ihr aus!
Und die Damen erst! Vom Edel-Dirndl bis zur Girlie-Tracht ist alles dabei, was Frauen schick macht. Modische Grenzen gibt’s nicht, und manches Dekolleté würde Münchnerinnen neidvoll erblassen lassen.
Beim Fassanstich wird’s jedoch ein bisserl schwierig. Center-Manager Klüter gibt sein Bestes. Doch zuerst bringt ihn ein falscher, weil nicht zur Öffnung passender Zapfhahn ins Schwitzen. Dann kriegt er eine XXL-Bierdusche ab, weil im zweiten Versuch die Dichtung des Fasses nicht mehr sitzen will, wie er später sagt. Das Publikum ist gnadenlos und singt „Du kannst nach Hause gehen, du kannst nach Hause gehen…“
Klüter nimmt’s sportlich: „Jetzt weiß ich, warum der Bezirksamtsleiter nicht den Anstich machen will…“ Thomas Ritzenhoff trägt an diesem Abend statt locker-grauem Anzug einen dunkelblauen Trachtenjanker. Kleiner Tipp für 2016: In München lässt sich Bürgermeister Dieter Reiter vom Brauer Helmut Huber in die Kunst des Anzapfens einweisen. Vielleicht gibt er auch Hamburgern einen Workshop?
Bei der Stimmung braucht sich Wandsbek zur Wiesn-Eröffnung jedenfalls nicht zu verstecken. Ab 19 Uhr wird auf Tischen und Bänken getanzt, das Bier fließt in Strömen. Die Security sorgt für Ordnung, leider gibt es trotzdem manchmal Zwischenfälle.
Fazit: Schade, dass es draußen am Wandsbeker Markt aus Platzgründen nicht mehr Karussells, Buden oder wenigstens einen Schießstand gibt, eine Wiesn kann noch mehr sein als Festzeltgaudi. Vielleicht gibt es eines Tages sogar einen (Trachten)umzug mit Hamburger Vereinen. Aber Feiern wie die Bayern kann man in Wandsbek allemal.

Weitere Infos: Oktoberfest Hamburg
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