Eine Chance für alle

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Philipp Huynh (rechts) erläutert Schülerin Dewina Leuschner einen Abschnitt aus dem Lehrbuch Foto: Christa Möller
 
Dewina Leuschner weiß: Englisch ist wichtig Fotos: Christa Möller

Die Otto-Hahn-Schule macht Kinder fit in Englisch

Von Christa Möller
Jenfeld. Je früher, desto besser: Englisch lernen steht bereits in der Grundschule auf dem Stundenplan – bilingualer Unterricht, also fremdsprachlicher Unterricht in verschiedenen Fächern, wird allerdings nicht an jeder Schule angeboten. An der Otto-Hahn-Schule in Jenfeld gibt es schon seit Längerem das Angebot eines bilingualen Moduls in der Begabtenförderung ab der sechsten Klasse.
Mehrere Englisch-Lehrer stehen dafür bereit. Schülerin Dewina Leuschner (13) hat sich für diesen Wahlkursus entschieden, weil sie „Herausforderungen mag“. Die Billstedterin, deren schlechtestes Schulfach Sport ist - da hat sie eine 2 - besucht eine so genannte Forscherklasse. Statt mit bilingualem Unterricht hätte sie sich alternativ beispielsweise mit dem Thema Bachpatenschaft befassen können. In der Begabtenförderung wechseln alle drei Monate die Module, so dass sie außerdem an der Mathe-Olympiade, einem Deutsch-Wettbewerb und dem Wettbewerb Jugend forscht teilnehmen kann. Weitere Unterrichtsfächer in Englisch würden ihr gut gefallen, denn „Englisch ist ja eine wichtige Sprache heutzutage.“
Das findet auch Lehrer Philipp Huynh. Die Schüler fragten ihn, „warum sich eigentlich die Amerikaner immer überall auf der Welt einmischen“. Er erklärte ihnen, was es mit der amerikanischen Unabhängigkeit auf sich hat. „Der Kampf um die Freiheit sei der Bezug in die Gegenwart.“ Wenn seine Schüler nicht perfekt Englisch sprechen und nicht jedes Wort verstehen, macht das nichts - wichtig sei ihm, dass sie den Zusammenhang begreifen. Das fällt Dewina Leuschner leicht. Ein richtiges Lieblingsfach habe sie nicht, erzählt die Dreizehnjährige, aber „Mathe ist cool“. Nach der Schule trifft sie sich gern mit Freunden, geht Reiten und fährt gern Fahrrad. Für die erfolgreiche Teilnahme am bilingualen Modul kann sie Punkte sammeln, um wie am Gymnasium nach nur acht Jahren Abitur zu machen.
An der Otto-Hahn-Schule gibt es ab dem nächsten Schuljahr einen weiteren bilingualen Zweig ab der siebten Klasse: Ab Februar nächsten Jahres wird mit Johannes Timpe ein zweiter Lehrer für den neuen „Bili-Kurs“ eingesetzt. Von dem Angebot profitieren beispielsweise Schüler mit afrikanischen Wurzeln, die zuhause Englisch sprechen, aber mit der deutschen Sprache Probleme haben, wie Lehrer Philipp Huynh erläutert.
Er hat im Referendariat eine spezielle bilinguale Ausbildung nebst zusätzlicher Prüfung absolviert und ein Semester in Kalifornien studiert, wohin er fast jedes Jahr einmal reist, um Freunde zu besuchen. Im vergangenen Schuljahr unterrichtete er Dewina im Rahmen des bilingualen Moduls.
Für den Unterricht nutzt er das gleiche Lehrbuch, wie es auch an Gymnasien verwendet wird. „Ich habe das ausprobiert, das kann man auch an einer Stadtteilschule machen“, sagt er über das Sprachverständnis seiner Schüler. Wichtig seien interkulturelle Kompetenz und Textkompetenz. Unter anderem lernen die Kinder wie man in Englisch Statistiken auswertet. „In der Begabtenförderung können die Kinder das teilweise schon“, weiß er.
Kurzfristig wechseln
„Wenn das für einzelne Schüler zu schwierig ist, können sie noch kurzfristig in den Geschichtskurs wechseln“, erläutert Philipp Huynh, dessen Schüler nicht nur afrikanisch-stämmig sind, sondern auch aus Osteuropa, Indien und natürlich Deutschland kommen – entsprechend der Bevölkerung im Stadtteil. Da trifft es sich gut, dass das Fach, das er bilingual unterrichtet, „Mensch und Gesellschaft“ heißt. Hausaufgaben gibt es übrigens kaum, „höchstens Vokabeln lernen“, sagt der gebürtige Würzburger, der vergangenes Jahr aus Baden-Württemberg nach Jenfeld kam. „Ich bin hier glücklich, weil hier viele verschiedene Kulturen sind“, erläutert Huynh, an dessen Schule Inklusion gelebt wird. So hat er auch mit schwer erziehbaren Schülern zu tun. Doch das sei für ihn kein Problem: „Wenn man sie richtig fördert, sind sie ganz gut dabei.“ (cm)
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