Eine echte Wunderkiste

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Die Bücherzelle an der Tonndorfer Hauptstraße Foto: je

Tonndorfer Mini-Bibliothek in ausgedienter Telefonzelle ist ein Erfolg

Von Martin Jenssen
Tonndorf Es ist eine Wunderkiste. Man weiß nie, was man findet. Immer bietet sie etwas Neues. Immer entdeckt man eine Überraschung in der Tonndorfer Bücherzelle. Es handelt sich dabei um eine ehemalige Telefonzelle der Telekom, die vor einem Jahr aus Berlin nach Tonndorf geholt und zu einer Mini-Bibliothek umgebaut wurde. Aus dem hässlichen Entlein der Telekom wurde so ein schöner Schwan für die Tonndorfer. Und die sprechen von einer unglaublichen Erfolgsgeschichte. Mehr als 9.000 Besucher haben innerhalb eines Jahres in der Zelle nach Büchern gestöbert. Meistens waren sie dabei erfolgreich.

Täglich 25 Besucher


Die Zahl der Besucher wurde durch den mechanischen Türzähler ermittelt. Es bedeutet, dass täglich 25 Menschen die Bücherzelle besuchen, sich Bücher herausnehmen oder ausgelesene Bücher einstellen. „Ich muss sagen, dass diese Zahl meine Erwartungen bei weitem übertrifft. Das ist ein tolles Ergebnis für das Buch an sich, für den Stadtteil und für das Prinzip Bücherzelle“, sagt Steffi Karsten, Initiatorin der kulturellen Einrichtung. Die kleine Bibliothek an der Tonndorfer Hauptstraße gegenüber vom „Tondo“ ist ein Symbol für den Zusammenhalt der Bürger geworden. Durch das muntere Design des bekannten Sprayers Johan Lucht leuchtet die kleine Bücherhalle wie ein kulturelles Denkmal in Tonndorf. Abgesehen von kleineren Delikten wie einem heraus gedrückten Fenster, das ohne großen Aufwand wieder repariert werden konnte, und einem gestohlenen Hocker gab es im ersten Jahr kaum Schäden an der Bücherhalle. Die Initiatorin: „Immerhin hat der Leuchthocker von Ikea drei Monate gehalten, bevor er verlustig ging.“ Da in dem Stadtteil keine öffentliche Bibliothek vorhanden ist, arbeiten viele Bürger mit an der Bücherzelle, sorgen dafür, dass sie stets mit Büchern gefüllt und sauber ist. Fleißige Paten der Bücherzelle sind Renate Mardtfeld, Karina Hetmank mit Tochter Mette (3), Jacky Wendt mit Tochter Fee (7), die jeweils an ihren festen Tagen einmal pro Woche nach dem Rechten sehen, Bücher sortieren und sauber machen. Steffi Karsten: „Durch den Einsatz der Paten ist die Zelle stets gepflegt. So ist es immer eine Freude, an einen aufgeräumten und gut sortierten Ort der Kultur zu kommen.“ Die Besucher zum Ausleihen der Bücher kommen auch aus benachbarten Stadtteilen nach Tonndorf.

Von Simmel bis zur Gute-Nacht-Geschichte


Dabei geht es nicht nur um bedeutende Literatur. Gesucht wird alles, von Simmel über das Fachbuch Elektrotechnik bis hin zur Gute Nachtgeschichte für die Kleinen. Ob Reise- oder Kinderbücher, Fachliteratur, Belletristik oder antiquarische Bücher – es gibt nichts, was nicht getauscht wird. Für alles findet sich ein Liebhaber. Steffi Karsten: „Es erfüllt mich mit Freude in einem Stadtteil zu wohnen, wo solche privaten Angebote so ankommen und geschätzt werden.“
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