Eine Wohnung verzweifelt gesucht

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Abdel Salam Zantah und seine Tochter Shahed leben seit 16 Monaten in einer Erstaufnahmeeinrichtung Foto: nik
 
Ein elf Quadrater großer Container ist das Zuhause von Shahed und Abdel Salam Zantah Foto: nik

Seit 16 Monaten sucht ein Vater für sich und die Tochter. Malteser starten Helferprojekt in Rahlstedt und suchen Ehrenamtliche

Von Nicole Kuchenbecker
Rahlstedt
Abdel Salam Zantah lebt gemeinsam mit seiner Tochter Shahed seit 16 Monaten in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Rahlstedt. Eine Unterbringung in einer Folgeunterkunft ist nicht möglich. Es gibt keinen Platz. Die Suche auf dem freien Markt ist schwer, da der Wohnungsmarkt hoffnungslos überlaufen ist. Für Menschen wie Zantah will der Maltester Hilfsdienst nun in Rahlstedt ein Wohnungs-Projekt etablieren. Dafür werden ehrenamtliche Helfer gesucht.

Elf Quadratmeter für zwei Personen

Elf Quadratmeter groß ist das Reich von Abdel Salam Zantah hier in Deutschland. Gemeinsam mit seiner acht Jahre alten Tochter lebt der aus Syrien stammende Mann in einem Container auf dem Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung (EA). Bunte Girlanden und Stofftiere sollen dort über den kahlen Standard der Unterbringung in einer Erstaufnahmeeinrichtung hinweg täuschen. Der 50 Jahre alte Flüchtling gewährt einen Blick in sein persönliches Leben – einen Container, der mit zwei Betten, einem Tisch, zwei Stühlen und einem Schrank eingerichtet ist. Rosafarbenes Spielzeug ist unter einem der Stühle verstaut; hier und da lugt ein Stofftier hervor. Das zeugt von Leben.

Selbstbestimmungsrecht leidet

Während Shahed fleißig in der Schule lernt, sucht ihr Vater nach einer Wohnung. Doch das ist schwer. „Es gibt einfach keine Wohnungen“, sagt er schon fast resignierend. Seit neun Monaten ist er auf Wohnungssuche in der Hansestadt. Anforderungen hat Zantah keine. Er möchte einfach nur eine Wohnung. Ein Zuhause. „Hauptsache, wir sind sicher und eigenständig“, sagt der Mann. Doch dieser Traum wird nicht einfach zu erfüllen sein. Das wissen auch Sabine Krafft (38) und Nina Martin (34), Mitarbeiterinnen im Sozialmanagent der Malteser Erstaufnahmeeinrichtung in Rahlstedt. Daher wollen sie jetzt ein neues Wohnungs-Projekt für Flüchtlinge in ihrer Unterkunft starten. Dabei sollen die Geflüchteten ganz praktische Hilfe erfahren. Denn schon sprachliche Barrieren und Unwissenheit, wie der Wohnungsmarkt in Deutschland funktioniert, erschweren das Finden einer Wohnung erheblich. Und so kommt es nicht selten vor, dass Flüchtlinge mit einem Aufenthaltstitel noch monatelang in einer EA verweilen. Die Privatsphäre in einer Erstaufnahmeeinrichtung lässt zu wünschen übrig. Es gibt keine eigenen Toiletten und Badezimmer. Keine Küche. Gegessen wird das, was auf den Tisch in der gemeinsamen Kantine kommt. Das Selbstbestimmungsrecht leidet.

Helfer für die Wohnungsuche gesucht

„Die Menschen können auch nicht nach Schleswig-Holstein oder ein anderes Bundesland ausweichen“, sagt Martin. Wer in Hamburg einen Aufenthaltsstatus hat, muss hier bleiben. Ausnahmen sind die Aufnahme einer Tätigkeit oder Ausbildung in einem anderen Bundesland. Doch das sei eher selten der Fall, wissen die Frauen. Doch was ist eine Schufa-Auskunft? Wie setzen sich Nebenkosten zusammen? Was wird an Miete vom Jobcenter übernommen? Mit diesen Fragen sehen sich Flüchtlinge konfrontiert; diese zu beantworten ist nicht einfach. Daher werden jetzt Ehrenamtliche gesucht, die den Flüchtlingen praxisnah unter die Arme greifen. Ehrenamtliche, die selbst schon mal auf der Suche nach einer Wohnung waren, sich mit Bewerbungsverfahren oder der Online-Anzeigensuche auskennen. „Wir sind da ganz offen“, sagt Sabine Krefft, „wir können hier auch Workshops anbieten.“ Laptops und Internetverbindung sind vorhanden. Die Zeiteinteilung der Helfer ist frei. (nik)

Wer kann helfen?

Wer helfen möchte, meldet sich bei Susanne Behem-Loeffler, Telefon 0160/94 66 24 85 oder per E-Mail: susanne.behem-loeffler@malteser.org. Das Projekt startet ab sofort
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