Einrichtungen einfach wegkürzen?

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Die Kinder sammeln Unterschriften, um gegen die geplante Kürzung des Hamburger Senats zu protestieren. Foto: kg

Protest gegen Sparpläne

Von Karen Grell
Farmsen. Am U-Bahnhof Farmsen haben Kinder und Jugendliche jetzt Unterschriften gesammelt, um gegen die geplanten zehn Prozent Einsparungen des Hamburger Senats zu protestieren. Im Bereich der offenen Kinder- und Jugendarbeit und der Förderung von Familien soll der Rotstift angesetzt werden. Das ausschlaggebende Argument dafür von Seiten der Regierung ist die Einführung der verlässlichen Ganztagsschule, die sich dann um die Betreuung der Kinder kümmern wird und zusätzliche Angebote in Jugendeinrichtungen angeblich unnötig mache.
„Nicht mit uns“, meinen die Farmsener und Berner Kids, die sehr wohl ihren Bauspielplatz, ihren Jugendclub und die anderen Angebote im Stadtteil nutzen möchten. „Schule und Freizeiteinrichtungen, dazwischen liegt ein riesiger Unterschied“, meinen die Jugendlichen, die sich in der Freizeitlounge und im Jugendclub Weißenhof wie in einem zweiten Zuhause fühlen und dort viele Angebote wahrnehmen können, darunter Hausaufgabenhilfe, Tanzkurse und Theaterprojekte. Besonders beliebt sind in den Jugendeinrichtungen natürlich auch die Partys, die hier den perfekten Rahmen finden, um unter ein wenig Kontrolle und doch authentisch gefeiert werden zu können. Die Mitarbeiter der Einrichtungen im Stadtteil, denen schon jetzt Mittel und vor allem auch Personal fehlt, sehen durch die geplanten Kürzungen eine noch größere Welle der Verantwortung und erhöhtem Arbeitsaufwand auf sich zukommen.
Schon jetzt arbeiten sie viele Stunden ehrenamtlich, da der Bedarf immer größer wird und die bezahlten Stunden nicht mehr ausreichen. „Die Eltern sind oft überlastet und froh, wenn die Kinder bei uns Unterstützung bekommen“, sagt das Team. Gerade die persönlichen Sorgen wie Schulstress oder Liebeskummer wollen nicht in der Schule, sondern an einem neutralen Ort besprochen werden. Wer im Jugendclub mit Freunden auf einem Sofa sitzt, weit weg vom Kampf um gute Noten und mehr Anerkennung bei den Klassenkameraden, der kann sich öffnen für ein Gespräch, der kann sich auch nach langer Suche nach einem Ausbildungsplatz wieder Mut zusprechen lassen oder einfach von dem erzählen, was woanders keinen Platz findet. „Immer nur in der Schule sein, da hab ich das Gefühl, gar keine Freizeit mehr zu erleben“, bedauern die Kids aus Farmsen die Entscheidung der Politiker. „Die hatten doch früher bestimmt auch einen Jugendclub oder haben zumindest davon geträumt“. Mit viel Engagement haben die Jugendlichen in allen Stadtteilen Hamburgs jetzt gegen die Sparmaßnahmen Unterschriften gesammelt und auf Bannern ihre Meinung gesagt: „Nicht mit uns!“
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