Einsatz auf vier Pfoten

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Der 14-jährige Mert aus Kirchsteinbek genießt den Kontakt zur Golden Retriever-Hündin Ayla Foto: cb/wb

Malteser bilden Hunde für Therapie behinderter Kinder aus

Von Claudia Blume
Wohldorf/Sasel Ayla ist die Lieblingstherapeutin vieler Kinder im „Neuen Kupferhof“ in Wohldorf-Ohlstedt. Sie hat lange, blonde Haare, wunderschöne braune Augen und – vier Pfoten. Die Golden Retriever-Hündin arbeitet einmal pro Woche im neuartigen Kurzzeit-Zuhause für Kinder mit Behinderungen und deren Familien. Die Kinder kuscheln mit ihr und verstecken Leckerlis in perforierten Bällen, mit denen Ayla lustigen Nasenball spielt. Ängstliche Kinder, die sich nicht so nah an das Tier herantrauen, lassen Naschereien über eine Rutsche kullern und freuen sich über die schnelle Reaktion des Hundes. Kleine Rollstuhlfahrer führen den Vierbeiner sogar im Garten an der Leine spazieren.
„Wir sind das Highlight hier“, sagt Besitzerin Anette Bethge. Die strahlenden Gesichter der Kinder als auch ihrer Eltern lassen keinen Zweifel daran. Gewonnene Freude, Zutrauen, Stolz und neuer Lebensmut wirken noch lange nach, wenn der oft mühselige Alltag wieder eingekehrt ist.
Über eine Anzeige war die Musiklehrerin auf den Malteser Hilfsdienst aufmerksam geworden, der Hundehalter für ehrenamtliche Besuche in Pflegeheimen, Behinderteneinrichtungen und Kindergärten sucht. „Das ist etwas für uns“, wusste die agile Saselerin sofort und meldete sich für die mehrmonatige Ausbildung und Prüfung an. Zunächst wurde getestet, ob Hund und Halter überhaupt geeignet sind. Kein Problem für die vierjährige Ayla mit ihrem ausgezeichneten Sozialverhalten und Grundgehorsam.

Eignungstest

Zudem muss der Hund eine hohe Toleranzschwelle haben und Unruhe ertragen. Rollstühle und Krücken dürfen ihn nicht verunsichern. Er darf auch nicht bei unkontrollierten Berührungen zuschnappen, etwa wenn ihm Spastiker ins Ohr kneifen und ihre Hand selber nicht lösen können. „Diese Situation haben wir schon öfter gemeistert“, erinnert sich
Anette Bethge, „Ayla sucht dann meinen Blick, mit dem ich ihr Kraft und Ruhe vermittle. Sie verlässt sich auf mich, dass ich sie aus der misslichen Lage befreie und wartet geduldig – sie ist ein Schatz, den ich gerne mit anderen teile.“

Einstündiges Programm

Greift die Hundeführerin dienstags früh zur Tasche mit Spielzeugen und Leckerli-Boxen, weiß Ayla sofort, wohin es geht. „So schnell wie sie kann ich gar nicht am Auto sein“, sagt Anette Bethge und lacht. Oft sind jede Woche andere Kinder im „Neuen Kupferhof“, mit dem das Team arbeitet. Ayla stört das nicht, geduldig schleppt sie zum x-ten Mal einen Ball zurück – „für mich apportiert sie ihn nicht halb so gerne“, bemerkt ihre Besitzerin. Nach einer Stunde ist Schluss. „Das Programm ist nicht nur für die Kinder anstrengend, sondern auch für den Hund. Den Rest des Tages verschläft Ayla meistens.“
20 Hunde und ihre Halter haben die Malteser bisher schon ausgebildet und suchen weiterhin Interessierte, da der Bedarf groß ist. Die Einsätze ehrenamtlicher Besuchshunde ist für die Einrichtungen übrigens kostenlos. (wb)
Infos: Tel. 040/209 40 80 www.maltester-hamburg.de
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