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Die Theaterpädagogin Ulrike Krogmann engagiert sich für Flüchtlinge im Helferkreis Litzowstraße Foto: Netzow

Ulrike Krogmann holt Flüchtlinge auf die Bühne

Von Kirsten Netzow
Wandsbek
„Die Flüchtlinge haben bei ihrer Ankunft oft einen großen Drang zu erzählen, was ihnen passiert ist“, weiß Ulrike Krogmann. Sie ist eine von über 100 Helferinnen und Helfern des Unterstützerkreises, die seit Dezember 2013 den Menschen in der Flüchtlingsunterkunft in der Litzowstraße mit vielen Hilfsangeboten zur Seite stehen.
Krogmann ist eine der Leiterinnen des Playback-Theaters Kaleidoskop, die Gruppe probt regelmäßig im Kulturschloss Wandsbek. Da die Unterkünfte in der Litzowstraße nur wenige hundert Meter von dort entfernt sind, war ihr schnell klar, „dass man dort etwas machen muss.“ So ist sie eine von mehreren Aktiven im Koordinationskreis des Netzwerkes. Welcher Unterstützer hat welche Kapazitäten? Welche Unterstützung wird benötigt? Welche finanziellen Mittel müssen akquiriert werden? All das sind Fragen, mit denen sich Krogmann und ihre Kolleginnen dort beschäftigen.
Einen ganzen Monat lang widmete sich das Kulturschloss mit mehreren Veranstaltungen dem Thema „Flucht und Asyl“. Auch hier war Krogmann maßgeblich an der Realisierung einer Fotoausstellung beteiligt, die die Lebensumstände der Flüchtlinge in den Containern in der Litzowstraße dokumentiert. „Wir wollten den Ist-Zustand nach der Ankunft zeigen, was Menschen aus dieser Situation machen“, sagt die gebürtige Stuttgarterin über das Ziel der Ausstellung.

Wöchentliche Proben


Der Schwerpunkt ihrer ehrenamtlichen Arbeit bezieht sich jedoch auf die Theaterarbeit mit den Flüchtlingen. Zusammen mit ihrer Kollegin Dorothea Erl vom Kaleidoskop Theater probt sie einmal wöchentlich mit momentan sechs Teilnehmern aus den Unterkünften Litzowstraße und Holstenhofweg. Deren Berichte der schlimmen Erlebnisse und Eindrücke während der Flucht werden von den anderen Mitspielenden szenisch umgesetzt, so geben diese dem Erzählenden eine direkte Spiegelung. Viele seien erfreut, wenn sie die Qualität dieser Rückkopplung für sich entdeckt hätten. „Sie begreifen, dass es um sie geht“, so Krogmann. „Durch das Spiel können die Ungerechtigkeiten in der Welt dargestellt werden. Die Gemeinschaft kann das dann teilen, darüber reden und aktiv werden“, so die Theaterpädagogin über die Möglichkeiten des Playback-Theaters. Aber nicht nur für die Flüchtlinge ist die Schauspielerei ein großer persönlicher Gewinn. „Viele der anderen Unterstützer kommen zu den Aufführungen und fühlen sich dann bestärkt in ihrem Engagement für die Menschen“, sagt die 48-jährige.
Neben den Behördengängen und den Deutschkursen sind die Probentermine ein fester und regelmäßiger Bestandteil im neuen Alltag der Flüchtlinge. „So trägt die Theaterarbeit auch zur Strukturierung und Rhythmisierung des neuen Lebens bei“, sagt Ulrike Krogmann. Fahrten zum Probenort, das Schreiben von Entschuldigungen für Mitwirkende, die mal aufgrund der Proben eine Deutschstunde verpassen – um die Bühnenarbeit herum gibt es sehr viel im Ehrenamt zu tun für Krogmann, die mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Barsbüttel wohnt.
Sehr beeindruckt zeigt sie sich über den Einsatz ihrer ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen im Netzwerk. „Gerade viele Ältere schieben hier etwas an“, sagt sie erfreut. Und sie ist sich sicher, dass das Berichten über diese Arbeit im Familien-und Bekanntenkreis aktivierend ist für die Bereitschaft, Flüchtlingen zu helfen – auch über den Stadtteilteil hinaus, so hofft sie.
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