Es kracht beim Gleisausbau

Anzeige
Die Bürgerinitiative will keine zusätzlichen Bahngleise direkt vor der Haustür. Die Lärmbelästigung sei bereits extrem Foto: Grell

S-4 Pläne: Bewohner am Küperstieg fürchten noch mehr Lärm und fühlen sich desinformiert

Tonndorf Gläser klirren in den Vitrinen, Wände bekommen Risse und im Sommer bei offenem Fenster zu schlafen ist unmöglich. So geht es den Bewohnern im Küperstieg, die sich jetzt zusammen mit der Bürgerinitiative gegen die Trassenführung der geplanten S4 wehren wollen. „Schon jetzt ist die Situation grenzwertig“, beschreibt Familie Premke mit drei kleinen Töchtern die Lage vor Ort. Mit direktem Blick auf die Lärmschutzwand und ständigem Geruckel und Gequietsche ist sie oft am Limit angelangt. „Geplant sind jetzt noch weitere Gleise und eine Verbreiterung der Trasse“, sagen sie. „Güterzüge können wir vor der Haustür nicht gebrauchen.“ Laut der Antwort auf eine kleine Anfrage des SPD Bürgerschaftsabgeordneten Ole Torben Buschhüter seien die Anwohner zu jeder Zeit in die Planungen mit einbezogen worden. „Stimmt nicht“, so die Mieter, die nach eigenen Angaben zwar vereinzelt Briefe mit Vermessungsterminen und Ankündigungen zu Bodenproben bekommen hätten, sich aber insgesamt sehr schlecht informiert fühlen.
Ein ganz frisch markierter Vermessungspunkt verläuft genau 50 Zentimeter vor den Haustüren des Küperstiegs entlang. „Wenn hier die neue Lärmschutzwand entlanglaufen soll, dann müssen diese Häuser weg“, vermutet Claus-Peter Schmidt, einer der Mieter der ersten Reihe und Mitbegründer der Bürgerinitiative. Die ohnehin schon schmalen Grundstücke müssten bei den 16 Metern, die von der Bahn jetzt maßgeblich verlangt werden, auf ein Minimum reduziert werden.
„Wenn hier noch einmal gebaut wird und wir die Trasse direkt vor der Nase haben, dann sind wir weg“, bestätigt Familie Premke ihren Ärger. Trotz monatelangem Kampf für wenigstens einen kleinen Spielplatz für die Kinder, sei nichts passiert und das kleine Stückchen Rasen vor der Haustür nun ohnehin schon der einzige Fleck zum Spielen. „Dabei sollte hier familienfreundlich gebaut werden“.
Die neue Güterbahntrasse, die laut Schmidt zwischen Skandinavien und Italien quer durch Europa verlaufen soll, müsse um die Stadt herumgeführt werden.
„Mitten in den Wohnbebauungen ist das unzumutbar“. Da die Informationen der Deutschen Bahn nur schleppend oder gar nicht bei den Bewohnern eintreffen, wollen diese sich gegen das Vorgehen der Bahn wehren, „bevor es zu spät ist“, so Schmidt. „Rollen erst die Güterzüge durch die Vordergärten ist ein Wohnen hier unmöglich“. (kg)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige