Experiment: Ein Leben ohne Plastik

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Künstlerin und Modedesignerin Sandra Ritter macht einen Selbstversuch und will innerhalb von 100 Tagen alle Kunststoffe aus ihrem Alltag verbannen, um weniger Müll zu produzieren Foto: kg
 
Sandra Ritter entwirft eigene Produkte, die frei von Kunststoffen sind Foto: kg

Der 100-Tage-Selbstversuch einer Künstlerin aus Hamburg-Wandsbek

Von Karen Grell
Wandsbek
Ist es möglich, in nur 100 Tagen jede Art von Plastik aus der eigenen Wohnung zu verbannen? Kleidung und den gesamten Alltag möglichst frei von Kunststoffen zu gestalten? Die Modedesignerin Sandra Ritter (30) macht seit kurzem den Selbstversuch und dokumentiert jeden einzelnen Schritt in ihrem Internetblog „Plastikfrei in 100 Tagen“. Ihre Wohnung ist nach über der Hälfte der Zeit, die sie sich für das Experiment genommen hat, fast Farben frei. Mehl, Reis und Gewürze bewahrt die 30-Jährige heute statt in bunten Plastikbehältern mit Luft dichtem Verschluss in braunen Papiertüten auf, die sie mit Holzklammern verschlossen hält. Besteck und Küchengeräte sind aus Metall, die Teller aus weißer Keramik, der Tisch, das Bett und ein Stuhl aus Holz.

Konsequent umgestellt

Für die gerade selbstgenähten Gardinen hat sie durchscheinenden Baumwollstoff genutzt und für die Gardinenstange ein Kupferrohr ausgesucht. All das hört sich zunächst ganz einfach an, die Wohnung sieht auch richtig gemütlich aus. Doch Sandra Ritter will noch einen Schritt weitergehen: „Ich wollte die Extreme ausprobieren und werde auch die Holzregale jetzt austauschen, weil an den Halterungen noch Plastikteile enthalten sind.“ Nur wer ganz genau hinsieht, der bemerkt, wie viel Plastik auch dort noch versteckt ist, wo man nur Naturmaterialien vermutet.

Biogurke in Folie eingeschweißt

Biogurken, in Folie verschweißt. Brot, in Papiertüten mit Plastikfenster verpackt. Billige Kleidung, die schon nach kurzer Zeit entsorgt werden muss – all das hat Sandra Ritter zum Nachdenken gebracht. Sie ist sich sicher: „Wer weg will von den stetig wachsenden Müllbergen, der muss auch weg vom Plastik.“ Um durch den Wandel im eigenen Leben nicht noch zusätzlichen Abfall zu produzieren, hat die junge Design-Studentin, die jetzt kurz vor ihrem Abschluss steht, alles das, was sie nicht mehr benutzen möchte, im Internet angeboten.

Ausnahmen bei Telefon und Waschmaschine

Eine Einschränkung musste sie bereits machen: „Bei den Elektrogeräten, wie dem Telefon und der Waschmaschine, konnte ich nicht auf Plastik verzichten.“ Dennoch versucht sie weiter, auch in ihrem Blog, wertvolle Tipps an andere weiterzugeben und sich auf ihrem Weg immer weiter vom Plastik zu entfernen: Haarwaschmittel aus Naturprodukten. Seife, die ganz einfach herzustellen ist. Kleidung, Putztücher und Taschen – alles hat Sandra Ritter selbst hergestellt, alles ist natürlich frei von Kunststoffen.

Kleidung selbst entwerfen

Als Modedesignerin kreiert sie sogar ihre eigene Kleidung. Für die Stoffe nutzt sie naturbelassene Baumwolle. Wo bei herkömmlichen Kleidungsstücken Verschlüsse sitzen, hält bei Sandra Ritter eine Kordel den Mantel zusammen. Selbstverständlich verzichtet die Künstlerin auch auf Kosmetik, die fast ausschließlich in Plastikverpackungen zu bekommen ist. Ein nächstes großes Ziel hat die Designerin noch vor sich: Neben dem Plastik freien Leben will sie auch noch vegan werden. Mit der Produktauswahl wird es dann noch ein bisschen enger, das Leben an sich fühle sich aber schon jetzt ein ganzes Stück freier an, sagt Sandra Ritter.

Weitere Infos zum Selbstversuch: Blog Plastikfrei in 100 Tagen und Plastikfrei in 100 Tagen auf Facebook
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