Familie aus Hamburg braucht Hilfe

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Sandra Reikischke ist an Multipler Sklerose erkrankt. Mit der Diagnose begann ein neues Leben Foto: mdt
Von Marco Dittmer
Bramfeld

Sandra Reikischke hat die „Krankheit mit den tausend Gesichtern“. Multiple Sklerose veränderte ihr Leben und das ihrer vier Kinder. Nun sucht die Mutter seit Monaten eine rollstuhlgerechte Wohnung in Bramfeld.

Vor der Spritze am Abend hat Sandra Reikischke am meisten Angst. Sie weiß, danach geht es ihr schlecht. Sie kann kaum schlafen, hat Fieberschübe und manchmal auch Erstickungsanfälle, die rund 20 Minuten dauern, 20 Minuten in Todesangst, 20 Minuten voller Hilflosigkeit.

Vier Kinder

Sandra hat Multiple Sklerose (MS). Die tägliche Spritze soll verhindern, dass sie bald im Rollstuhl oder einem Krankenbett liegt. Auf den ersten Blick sieht man der 36-jährigen Bramfelderin die Krankheit nicht an. Kurze schwarze Haare und ein fester Händedruck zur Begrüßung, auf dem Tisch steht ein Adventskranz, im Zimmer nebenan spielen zwei ihrer vier Kinder. Gerade hat sie eine gute Phase. Sie hofft auf ein schönes Weihnachten, ohne Beschwerden. „Ich muss für meine Kinder stark bleiben. Sie sollen ein normales Leben haben“, sagt die Alleinerziehende. „Normal“ ist für die 36-jährige Bramfelderin seit einem Jahr nichts mehr. Im November 2015 wartet sie im Krankenhaus auf die Diagnose zu dem tauben Gefühl in ihrem linken Arm. „Ich habe mir nur wenig Sorgen gemacht. Es war ja nur ein Kribbeln“, sagt Sandra Reikischke. Als der Arzt dann durch die Tür tritt, folgen ihm zwei Seelsorger. Der Rest rauscht an ihr vorbei wie ein Film.

Krankheit mit tausend Gesichtern

Die meisten Betroffenen sind wie Sandra zwischen 20 und 40 Jahre alt, wenn sie die Diagnose MS bekommen. Mit der Krankheit beginnt ein neues Leben. Multiple Sklerose ist eine entzündliche Erkrankung des Zentralennervensystems, die Schaltzentrale für die Koordination von Bewegungen und äußerlichen und innerlichen Reizen. Die folgenden Entzündungen bewirken, dass die Botschaften des Gehirns nicht mehr richtig übertragen werden können. Zu Beginn der Erkrankung werden häufig Seh-, Gang- und Sensibilitätsstörungen beobachtet. „Krankheit mit den tausend Gesichtern“ wird MS auch genannt. Sandra hat schon viele kennengelernt. Einmal wachte sie morgens auf und war auf dem rechten Auge blind, ein anderes Mal versagten ihre Beine mitten beim Spaziergang mit ihren Kindern oder der Kaffee läuft ihr aus der Nase, weil sie nicht mehr schlucken kann. Viele dieser Symptome bilden sich nach einiger Zeit zurück, andere dagegen bleiben.

Suche nach größerer Wohnung

Ihr größtes Problem ist aber die kleine Wohnung. Die fünfköpfige Familie lebt in einer 58-Quadratmeter-Wohnung an der Bramfelder Chaussee im ersten Obergeschoss. Abgesehen davon, dass die Bleibe viel zu klein für die Familie ist, ist absehbar, dass Sandra bald auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Doch die Wohnungssuche ist schwer und langwierig. Seit Monaten sucht sie eine neue Wohnung in Bramfeld und Steilshoop. „Sobald meine Krankheit bekannt wird, bekomme ich eine Absage“, sagt Sandra.

Frauen häufiger betroffen

Rund 200.000 Menschen leben in Deutschland mit MS, weltweit sind es rund zwei Millionen. Trotz der Forschung können Mediziner nicht viel über die Ursachen der Nervenkrankheit sagen. Studien zeigen, dass Frauen zweimal so häufig an MS erkranken wie Männer. Und: Die Zahl der Betroffenen nimmt ab, je näher man am Äquator lebt. MS ist nicht heilbar, kann jedoch auch über lange Zeit ohne Beeinträchtigungen verlaufen. Es gibt leichte und schwere Formen. Sandra Reikischke hat eine schwere Form. Bei ihr schreitet die Krankheit kontinuierlich voran. „Ich habe einen guten Arzt, Physio- und Ergotherapeuten gefunden. Die helfen mir sehr“, sagt die 36-Jährige. Doch sie weiß auch: Bei jedem Schub ist alles anders.

Haben Sie ein Wohnungsangebot für die Familie? Schreiben Sie uns an wbv.redaktion@hamburger-wochenblatt.de
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2 Kommentare
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Rainer Stelling aus St. Georg | 17.12.2016 | 11:42  
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Roswitha Kiers aus Eppendorf | 22.12.2016 | 18:14  
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