Familie aus Libyen hat in Farmsen Sicherheit gefunden

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Ahmed und Samar mit ihren Töchtern Celina (6 Monate) und Sama Foto: wb

Ahmed und Samar: „Wir sind glücklich hier“

Farmsen Vor 17 Monaten kamen sie von Libyen nach Deutschland, um endlich in Sicherheit leben zu können. Ihr Weg war voller Gefahren, Geduldsproben und Vorurteile. Heute haben sie für ihre Tochter Sama einen sicheren Platz in der SterniPark Kita Berner Heerweg, in der viele Kinder aus Flüchtlingsfamilien untergebracht sind, gefunden. Jetzt blicken sie voller Zuversicht in die Zukunft. In einem der Kita angeschlossenen Eltern-Kind-Zentrum für Mütter und Väter wird ihnen Hilfe angeboten. Auch eine Wohnung hat die Familie imzwischen. Ahmed (33), seine Frau Samar (23) und ihre Töchter Sama (5) und Celina (6 Monate) sind ein positives Beispiel für Integration. Im Gespräch mit dem Wochenblatt erzählen sie ihre Geschichte.

Wochenblatt: Warum seid ihr geflohen?
Ahmed: Ich bin in Libyen geboren. Meine Mutter kommt aber aus Syrien und mein Vater aus dem Gaza-Streifen. Leider habe ich meine Heimat nie gesehen. Die Situation ist kompliziert. Ich darf nicht zurück in meine Heimat. Vor vier Jahren gab es eine Revolution in Libyen. Seitdem ist die Situation dort auch ganz schlecht, ganz gefährlich. Deswegen sind wir geflüchtet.

WB: Wie habt ihr vor eurer Flucht gelebt?
Samar: Wir haben uns vor sechs Jahren in Libyen kennen gelernt.
Ahmed: Ich bin Computer-Ingenieur. Ich habe einen Bachelor. Ich habe in der Coca Cola Company gearbeitet. Sieben Jahre als Bussinesplan-Coordinator. Meine Frau ist Hausfrau, hat Abitur auf Englisch.

WB: Wie habt ihr so schnell Deutsch gelernt?
Samar: Ich habe einen 300 Stunden Deutschkurs gemacht.
Ahmed: Ich habe ungefähr 600 Stunden in der Schule gemacht. Aber ich glaube meine Frau spricht besser als ich. Sie hat Kontakt mit vielen türkischen und deutschen Frauen.
Samar: Muttergruppe, Awo, ich treffe viele Menschen. Besonders nette Kontakte habe ich aber von hier, aus der Kita im Berner Heerweg. Hausleiterin Kathrin Hinz hat mir sehr geholfen und mich unterstützt.

WB: Fühlt Ihr Euch in Deutschland wohl?
Ahmed: Ja. Ich hoffe, demnächst eine Stelle als Computer-Ingenieur zu finden. Ich mache gerade ein Zertifikat. Das ist nicht einfach, aber man muss Gas geben. Wenn man Lust hat, geht alles.

WB: Wie seid ihr hier aufgenommen worden?
Ahmed: Zuerst war es ganz schwer. Wir haben sehr lange auf einen Bescheid gewartet. Neun Monate. Zuerst waren wir zwei Wochen in Zelten, danach in einer Schule. 15 Personen in einem Zimmer. Keine Privatsphäre. Dann wurden wir in die Erstaufnahme nach Osdorf geschickt. Schließlich sind wir hier nach Farmsen gekommen. Hier hatten wir ein eigenes Zimmer, auch eine eigene Toilette und konnten Sama hier in die Kita bringen. Das hat uns sehr geholfen. Die Situation ist aber insgesamt ganz schwer, auch für Deutschland.

WB: Was wünscht Ihr euch für die Zukunft?
Samar: Ich möchte gerne eine Ausbildung zur Dolmetscherin machen. Ich denke, dass bei den ganzen Flüchtlingen bestimmt bald viele Dolmetscher gebraucht werden. Es ist einfacher als zum Beispiel Kinderbetreuung. Das würde ich auch gerne machen, weil es mir hier in der Kita so gut gefällt.

WB: Möchtet Ihr gerne in Deutschland bleiben?
Ahmed: Ich habe kein Land. Ich habe keine Chance. Keine Option. Deutschland ist toll für mich, für meine Familie. Die Zukunft hier sieht gut aus.

WB: Wie seht Ihr die Situation auf der Welt?
Ahmed: Die Situation ist schwierig für ganz Europa und für uns. Die Flüchtlinge haben zwei Optionen. In der Heimat bleiben und auf den Tod warten oder flüchten. Und beide Optionen sind nicht gut. Ja, ich bin hier glücklich, aber ich war auch sehr glücklich in meiner Heimat. Ich hatte eine gute Stelle, ich hatte ein Auto, eine große Wohnung. Die meisten Leute in Deutschland denken, dass wir nur wegen der Wirtschaft herkommen. Das ist nicht so. Ich bin wegen der Sicherheit hier. (wb)
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