Fischsterben durch Vogelfütterung

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Graugänse, Möwen und Enten leben am Appelhoffweiher in Scharen Foto: Hertel

Appelhoffweiher: Naturschützer appellieren an Anwohner

Von Michael Hertel
Steilshoop
Arnold Schott (68) traute seinen Augen kaum: In der Uferzone des Appelhoffweihers trieben dutzendweise große Fische kieloben. „Ich habe gleich beim Naturschutzbund angerufen“, berichtet der pensionierte Polizeibeamte.
Auch der Wandsbeker Sportangler Verein, der den Appelhoffweiher gepachtet hat, wurde alarmiert. Vorsitzender Herbert Bolz (65): „Wir haben den Sauerstoffgehalt gemessen und den Behörden Bescheid gesagt.“

„Bitte unterlassen Sie das Füttern. Das ist falsch verstandene Tierliebe, denn es zerstört Natur und tötet Tiere.“ Andreas Lampe

Ausgelöst wurde das Fischsterben, so Andreas Lampe vom NABU, durch die wochenlange Trockenheit mit anschließendem Gewitterguss, der viele Schad- und Nährstoffe auf einen Schlag in das Gewässer gespült und den Sauerstoff verbraucht habe. Betroffen waren laut NABU neben dem Appelhoffweiher auch weitere Gewässer in Wandsbek, so das Rückhaltebecken Barenbleek und der Kupferteich. Den wahren Grund für das Steilshooper Fischsterben sieht Lampe in den viel zu großen Kolonien an Enten und Gänsen: „Graugänse sind eigentlich Zugvögel. Aber weil die so gut gefüttert werden, bleiben sie sogar im Winter hier.“ Arnold Schott hat die gleichen Beobachtungen gemacht: „Mütter kommen mit ihren Kindern zum Weiher und füttern die Vögel gleich säckeweise.“ Futter und Kot sinken in den flachen Gewässern auf den Grund und verbrauchen dort den Sauerstoff, den Fische zum Leben benötigen. „Außerdem fressen die Vögel alle Wasserpflanzen ab, die zusätzlichen Sauerstoff produzieren könnten“, berichtet Lampe. Ergebnis an Land und im Wasser: Wo zu viele Wasservögel leben, wächst kein (Gras-)Halm mehr. Lampe appelliert daher an die Anwohner, das Füttern zu unterlassen: „Das ist falsch verstandene Tierliebe, denn es zerstört Natur und tötet Tiere.“
Jedes Jahr investieren die Wandsbeker Angler rund 3600 Euro, um den Appelhoffweiher und zwei weitere Pachtgewässer mit Jungfischen zu besetzen. Der durch das Fischsterben verursachte Schaden hält sich laut Angler-Chef Bolz in Grenzen. Seine Leute haben in den letzten Tagen die Kadaver beseitigt. „Der Fischbestand wird sich erholen“, erklärt Bolz, fügt aber hinzu: „Eigentlich müssten Rückhaltebecken gelegentlich zur Entschlammungskur ausgebaggert werden. Doch das Bezirksamt hat wohl kein Geld dafür.“ Nach Informationen des Bezirksamtes müssen Rückhaltebecken im Abstand von 30 bis 50 Jahren entschlammt werden. Allein für den Appelhoffweiher kostet das etwa 1,8 Millionen Euro.
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