Fitte Rentner kontra Bäderland

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Proben den Aufstand gegen Bäderland: Monika (links) und Addy Peemöller (rechts) mit Gleichgesinnten Foto: tel

Neues Kurs-System ab April verärgert langjährige Multi-Card-Nutzer. Bramfelder sammelt Unterschriften

Von Michael Hertel
Bramfeld
Addi Peemöller (75) ist stocksauer: Seit nunmehr zwölf Jahren buchen er und seine Frau Monika (64) regelmäßig „Aqua Fitness“-Kurse bei Bäderland. Bezahlen konnten sie bequem mit einer aufladbaren „Multi Card“. „Diese Karte hat gleich mehrere Vorteile“, erklärt der Bramfelder. „Man kann sie mit bis zu 125 Euro aufladen und erhält - je nach Betrag - bis zu 18 Prozent Rabatt auf die normale Kursusgebühr. Außerdem gilt die Karte in allen Bäderland-Bädern. Ich kann damit heute ins Hallenbad Bramfeld gehen und morgen nach Ohlsdorf oder Wandsbek - überall dorthin, wo „Aqua-Fitness“-Kurse angeboten werden. Es gibt eine Auswahl an Kursus-Terminen. Abgebucht wird von der Karte an der Kasse des Bades. Ich bezahle also nur das, was ich auch wahrnehme.“ Das ändert sich ab 1. April gründlich: Man bucht und zahlt den gesamten Kursus im Voraus (Bäderland empfiehlt die Online-Buchung) und hat feste Termine in einem der Hallenbäder. „Wenn man einen Termin verpasst, hat man Pech gehabt“, sagt Peemöller. „Es gibt keinen Rabatt mehr auf der Multi Card. Am Ende wird der Kursus für uns auch noch teurer - statt bisher 52,48 Euro mit Rabatt künftig 57,60 Euro.“ Ein weiterer Kritikpunkt: Bislang seien immer bestimmte Trainer für jeweilige Kurse zuständig gewesen. „Zukünftig müssen sich die Kursusleiter alle acht Wochen neu bewerben. Wir wollen uns aber nicht dauernd an einen neuen Vorturner gewöhnen müssen“, kritisiert Peemöller und kommt zu dem Ergebnis: „Das machen wir nicht mit“. Der Rentner hat bereits Protest-Unterschriften unter Kursusteilnehmern gesammelt („200 in einer Woche“) und schrieb einen Brandbrief an die Bäderverwaltung. Bäderland betreibt in Hamburg 20 Hallen- und sechs Freibäder. In 18 Hallen werden derzeit 20 unterschiedliche „Aqua-Fitness“-Kurse angeboten, von „Bauch, Beine, Po“ bis zur Schwangeren-Wassergymnastik.
Bäderland-Pressesprecher Michael Dietel versteht die Aufregung nicht: „Bisher konnte jeder kommen, wann er wollte. Das führte zu sehr ungleichmäßigen Auslastungen der Kurse. Wir haben aber nur begrenzte Ressourcen. Wenn wir die Auslastung im Voraus kennen, können wir Angebote streichen und stattdessen längere Öffnungszeiten für die allgemeine Öffentlichkeit, für Schulen oder Vereine anbieten.“ Auch künftig gebe es Rabatte, die ähnlich günstig seien wie bisher mit der Multi Card. Mit dem neuen System habe jeder Teilnehmer seinen Platz im Kursus garantiert. „Und wenn der Teilnehmer einen Termin absagen muss, bekommt er als Kompensation einen Schwimm-Gutschein.“ Auch die Änderungen für die Kursusleiter verteidigte Dietel: Man wolle keine „Erbhöfe“ mehr. Deshalb müssten sich die selbstständigen Trainer regelmäßig neu für einen Kursus bewerben. Das Ganze sei ein „bewährtes Prinzip in der Fitness-Branche“, heißt es bei Bäderland. Peemöller und seine Mitstreiter passt die Richtung nicht: „Das Ganze ist eine Sauerei. Ich glaube, die wollen uns Rentner hier rausgraulen. Und wenn es dabei bleibt, schaffen sie es auch.“
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1 Kommentar
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Martina Heidemann aus Lokstedt | 26.02.2016 | 10:11  
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