Flüchtlinge in Ex-Kaserne?

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Die Bundeswehr hat vier Gebäude für ihre Studenten angemietet. In einem könnten bald Flüchtlinge leben Fotos: mdt

Bisher sind an der Jenfelder Allee Bundeswehr-Studenten untergebracht

Von Marco Dittmer-Thielcke
Eilbek/Jenfeld Der Flüchtlingsstrom nach Hamburg wird im kommenden Jahr nicht abreißen, davon geht der Senat der Hansestadt aus. Nun wurden neue Einzelheiten der Wandsbeker Flüchtlingspolitik bekannt.
Demnach könnten Asylbewerber auch bald in Studentenwohnheimen der Bundeswehr wohnen. Nach Wochenblatt-Informationen will Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff Mitte Januar mit Vertretern des Verteidigungsministeriums über die Übergabe von einem Wohnheim an der Jenfelder Allee sprechen. Konkret geht es um ein Gebäude auf dem Gelände der früheren Lettow-Vorbeck-Kaserne. Hier hat die Bundeswehr fünf frühere Kasernengebäude für Studenten der nahegelegenen Bundeswehr-Universität angemietet. Einige der studierenden Offiziersanwärter könnten aber schon bald in universitätseigene Wohnungen ziehen, wenn an der Stoltenstraße ein entsprechender Wohnblock saniert wird.„Das Wohnhaus an der Jenfelder Allee hat 75 Zimmer. Die Entscheidung darüber, ob die Unterkunft von der Hansestadt angemietet werden kann, wird im Verteidigungsministerium getroffen“, sagt Dietmar Stey, Sprecher der Bundeswehr-Universität in Hamburg.
In Wandsbek leben rund 2.600 Flüchtlinge. Im Hamburger Vergleich liegt der Bezirk mit seinen 400.000 Einwohnern damit noch unter dem Durchschnitt, in Hamburg-Mitte leben rund 3.280 Asylbewerber bei rund 280.000 Einwohnern. Erst Anfang Dezember wurde bekannt, dass in der Menckesallee, zwischen Pappelallee und Wandsbeker Chaussee, ab Januar 36 minderjährige Flüchtlinge untergebracht werden sollen.
Dass bei der Suche nach Unterkünften, die Interessen der Anwohner häufig nicht beachtet werden, sorgt immer wieder für Verdruss. Die wenigen Bewohner an der Menckesallee fürchten sich vor Zuständen, wie an der Feuerbergstraße in Alsterdorf. Dort gibt es ein ähnliches Wohnheim mit 34 Plätzen. Einige der Bewohner sind der Polizei als Intensivstraftäter bekannt. 223 Mal wurden die Beamten von Januar bis September zu der Unterkunft gerufen.
In der Menckesallee ist die größte Sorge der Anlieger, dass sie alleingelassen werden. Bezirksamtsleiter Ritzenhoff dazu: „Ich verstehe das. Unsere Erfahrungen mit Flüchtlingsunterkünften zeigen, dass diese Sorgen aber in der Regel unbegründet sind. Dennoch finde ich es wichtig, mit den Anwohnern in Dialog zu treten.“ Laut Landesbetrieb für Erziehung und Beratung (LEB) werden die jungen Flüchtlinge rund um die Uhr betreut. Der LEB ist in Hamburg für die Unterbringung zuständig. Der Betreuungsschlüssel liegt in Eilbek mit eins zu drei deutlich über dem Schnitt von Unterkünften für erwachsene Flüchtlingen, dort kommen auf einen Sozialarbeiter rund 80 Bewohner. Zusätzlich soll ein Sicherheitsdienst engagiert werden. Bei einer Informationsveranstaltung warfen Bewohner dem Bezirk vor, sie spät und nur unzureichend informiert zu haben. Viele Anwohner haben von den Plänen erst aus dem Wochenblatt erfahren. Laut Bezirksamt haben vier Mitarbeiter am 3. Dezember 800 Informationsblätter an der Menckesallee und in der Umgebung verteilt. Anwohner haben nach eigenen Angaben aber nur eine Handvoll der Wurfsendungen erhalten. Der LEB will das sogenannte Boardinghaus in Eilbek für zwei Jahre von einem privaten Eigentümer anmieten. (mdt)
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