Flüchtlingshelfer ziehen positives Zwischenfazit

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Dreimal „OH:JA“ (v.l.): Initiator Klaus Schmidt-Siebrecht (zuständig für Exkursionen und Sport), Sabine Muhl (Nachhilfe) und Rainer Zopp (Beruf/Ausbildung) Foto: Hertel

In Farmsen haben sich Horrorszenarien in Luft aufgelöst

Von Michael Hertel
Farmsen
Der Start war alles andere als einfach: Anfang Juni vergangenen Jahres gab der Landesbetrieb Erziehung und Beratung (LEB) in der Farmsener Karl-Schneider-Halle den Bau einer Unterkunft für 48 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der nahegelegenen Stargarder Straße bekannt. Die ersten jungen Männer, überwiegend aus Syrien, Afghanistan und Eritrea, zogen im Dezember an der Ecke Berner Heerweg ein. Zunächst formierte sich Unmut in Teilen der Farmsener Bevölkerung gegen den Bau: Farmsen sei mit den Unterkünften an der August-Krogmann-Straße schon wesentlich stärker mit Flüchtlingen belastet als andere Stadtteile, war das Hauptargument. Gleichzeitig aber bildete sich mit Unterstützung des Bürgervereins Oldenfelde eine Gruppe, die sich die ehrenamtliche Hilfe bei Willkommenskultur und Integration auf die Fahnen schrieb: Die Initiative „Oldenfelde hilft jugendlichen Asylbewerbern“, kurz: „OH:JA“, startete mit nicht einmal 20 Helferinnen und Helfern. Heute sind es rund 180 Unterstützer, davon 50 bis 60 regelmäßig Aktive. Treibende Kraft war und ist der ehemalige Unternehmensberater Klaus Schmidt-Siebrecht (76). Der Druck in einer Zeit sich überstürzender Ereignissen und Flüchtlingszahlen muss enorm gewesen sein. Aber darüber spricht Schmidt-Siebrecht nicht. Ihm zur Seite stehen mit Rainer Zopp (59, Unternehmensberater), Gerd Herzberg (65, ehemaliger Verdi-Vorstand), Sabine Muhl (46, Medienwissenschaftlerin) und Florens Reichhold (65, früher Lehrer) die „Häuptlinge“ der Arbeitsgruppen Beruf/Ausbildung, Nachhilfe (Deutsch und Mathe), Exkursionen, Sport und Willkommenskultur (Kultur- und Wertevermittlung).

Immer unterwegs


Die meisten Bewohner der drei Holzfertighäuser an der Stargarder Straße besuchen vormittags staatliche Schulen in der Umgebung. Aber dank der „OH:JA“-Aktiven sind sie auch nachmittags nicht auf sich allein gestellt. Intensiv wird an der Sprach- und Kulturvermittlung gearbeitet. Intensiv aber auch die Bemühungen, mittels Exkursionen Land und Leute kennenzulernen: zum Beispiel per Fahrrad zum Stadtpark, auf Einladung der Migrationsbeauftragten Aydan Özoguz in den Berliner Reichstag, mit dem Bürgerschaftsabgeordneten Ole Thorben Buschhüter ins Hamburger Rathaus, zum Klassikkonzert in die Rudolf-Steiner-Schule, Museumsbesuche oder zu Bundesligaspielen auf Einladungen von HSV und FC St. Pauli. Selbst sportlich aktiv werden können die Bewohner durch Kooperationen mit dem Farmsener TV und dem SC Condor. Kurz: Es läuft gut an der Stargarder Straße. „Wir haben damals bei Null angefangen. Inzwischen sind wir viel professioneller. Natürlich hilft auch, dass der Druck der Flüchtlingszahlen nicht mehr so stark ist. Vor allem aber bin ich glücklich, dass sich die anfänglich verbreiteten Horrorszenarien in Luft aufgelöst haben“, lautet das Zwischenfazit von Schmidt-Siebrecht.

Interessenten für die ehrenamtliche Arbeit können sich unter: OH-JA-2015@
web.de anmelden

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